Der Marktplatz mit der Luther-Statue.  Foto: Thomas Pfundtner

65. Ausgabe, 2. Quartal 2017

500 Jahre Reformation – Eisleben: Hier begann und endete alles

Martin Luther: „Von daher bin ich!“

Seit Anfang des Jahres schaut die Welt auf Sachsen-Anhalt und die Touristen strömen ins Land. 500 Jahre Reformation. Im letzten Server berichteten wir aus Wittenberg, die Stadt, in der alles begann. Hier nagelte am 31. Oktober 1517 Martin Luther seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel und Missstände in der Kirche an die Holztür der Schlosskirche. In dieser Ausgabe erfahren Sie, was Marin Luther alles mit Eisleben, einem der ältesten Städte zwischen Harz und Elbe, und dem Mansfelder Land verbindet. Außerdem lesen Sie, warum sich ein Besuch immer lohnt.

994 wird Eisleben zum ersten Mal in einer Urkunde des Kaisers Otto III. als einer von sechs Orten erwähnt, die bereits früher Marktprivilegien sowie das Münz- und Zollrecht erhalten hatten. 1069 erhielt das Adelsgeschlecht der Mansfelder von Heinrich IV. das Gaugrafenamt für die Region. 1121 erhielt Eisleben zum ersten Mal einen Stadtvogt. Zu Luthers Zeiten war Eisleben die bedeutendste Stadt in der Grafschaft Mansfeld, die durch den Abbau und die Verhüttung von Kupferschiefer zu Reichtum gekommen war.

Aus Martin Luder wird Luther

Hans und Margarete Luder lebten für kurze  Zeit in einem – für das 15. Jahrhundert typischen – bürgerlichen Wohnhaus mit Stube, Schlafkammer und Ofenstelle. Die kleine Familie war aus Thüringen nach Eisleben gekommen, da Hans Luder, ältester Sohn seiner Familie, nicht den elterlichen Hof in Möhra erben würde. Also ging er mit seiner Frau Margarete nach Eisleben, um hier sein Brot zu verdienen. Am 10. November 1483 wurde hier als Erstes von neun Kindern Martin geboren und einen Tag später – am Martinstag – in der Kirche St. Peter und Paul  – die sich unweit der Wohnung befand – auf den Namen Martinus getauft.

Mit 35 Jahren wird Martin Luder als Professor an der Universität Wittenberg seinen Nachnamen ins Hochdeutsche übertragen und sich Luther nennen. Ob dies aus Eitelkeit geschah, weil Luder  („liederlich“, „lotterhaft“) negativ besetzt war und sich für ein Mitglied der Oberschicht nicht geziemte, kann angenommen werden. Wenige Monate nach der Geburt von Martin zog die Familie ins nahegelegene Mansfeld, wo Vater Hans dann im Berg- und Hüttenwesen schaffte. In Mansfeld fanden sie eine Unterkunft in einem Mietshaus, bis es der Familie gelang, dank harter Arbeit und größter Sparsamkeit, ein Haus (heute Lutherstraße 26) zu kaufen. Hans Luder stieg vom einfachen Hauer zum Teilhaber an mehreren Bergbaugenossenschaften auf und erhielt sogar die vollen bürgerlichen Rechte.

Das Geburtshaus  in Eisleben. Bereits Ende des 17. Jahrhunderts wurde hier ein Museum für Lutherpilger eingerichtet.
Das Geburtshaus in Eisleben. Bereits Ende des 17. Jahrhunderts wurde hier ein Museum für Lutherpilger eingerichtet.

Gern gesehener Gast des Grafen

Zurück nach Eisleben: Durch die Taufe blieb Martin Luther der Stadt stets verbunden. Auch während seiner Wittenberger Jahre war er gern gesehener Gast des Grafen von Mansfeld und stand in engem Kontakt mit Räten und Gelehrten, die dort lebten.  Dank Luthers Einfluss wurde die Eisleber Sankt Annenkirche zur ersten evangelischen Predigerkirche im ganzen Mansfelder Land.

1516 war er im dazugehörigen Augustiner-Eremitenkloster geweiht worden. Nur sieben Jahre später wurde es im Zuge der Reformation aufgelöst. Ende 1545 reiste Martin Luther zweimal nach Eisleben, um bei den in drei Häuser zerfallenen Mansfelder Grafen Glaubensstreitigkeiten und Auseinandersetzungen über Gebietsansprüche zu beenden. Vergeblich.

Die St. Andreaskirche Eisleben
Die St. Andreaskirche. Hier predigte der Reformator zum letzten Mal.

Die letzten vier Predigten

Also machte er sich Ende Januar 1546 wieder auf den Weg, schon gezeichnet von mehreren Krankheiten und allgemeiner Schwäche. Dennoch predigte er noch vier Mal in der St. Andreaskirche am Markt auf der 1509 erbauten Kanzel. Dabei sprach er auch von seinem eigenen Tod und bemerkte in seiner typischen, ruppigen Art:  „Wenn ich wieder heim gen Wittenberg komme, so will ich mich alsdann in Sarg legen und den Maden einen feisten Doktor zu essen geben.“ Es darf aber nicht unerwähnt bleiben, dass Martin Luther die Kanzel auch nutzte, um – dem damaligen Zeitgeist entsprechend – gegen die Juden zu wettern: „Wir wollen ihnen gegenüber christliche Liebe ausüben und dafür beten, dass sie konvertieren...“, waren noch die harmlosesten Worte.

Stiftungsurkunde unterzeichnet

Vor den Verhandlungen unterzeichnete Martin Luther in Eisleben die Stiftungsurkunde für die erste Lateinschule (das heutige Martin-Luther-Gymnasium) in der Stadt. Einen Tag später fanden die Gespräche mit den Grafenfamilien statt. Martin Luther war nicht mehr dabei. Er fühlte sich matt und müde. In Überlieferungen werden die Zeugen Luthers letzter Stunden, Dr. Justus Jonas und Schlossprediger Michael Coelius, zitiert. Neben Gebeten soll Martin Luther gerufen haben: „... ich bin hier zu Eisleben geboren und getauft, wie wenn ich hierbleiben sollte?“ Gegen 20 Uhr aß Martin Luther mit seinen Freunden und Begleitern noch zu Abend. Trotz Luftmangels und Schmerzen in der Brust soll der Reformator gut gegessen haben und sehr fröhlich gewesen sein. Nach dem Essen zog sich Martin Luther in seine Kammer zurück, um wie immer am Fenster zu beten. Anschließend legte er sich auf ein Sofa. 22.30 Uhr: Martin Luther wacht auf und geht in seine Schlafstube. Im Bett befiehlt er seine Seele in Gottes Hand. 1 Uhr: Martin Luther erwacht unter großen Schmerzen. Er spürt, dass sein Ende naht. Kraftlos sinkt er zurück, schläft wieder ein. Gegen 2.45 Uhr ist der letzte Atemzug zu hören. Dann ist Martin Luther, der Mann der die Kirchenwelt erschütterte, verstorben. Der Leichnam wird in einem weißen Kittel auf dem Bett aufgebahrt, bis ein Zinnsarg gegossen wurde. Am 19. Februar werden die sterblichen Überreste in den Chor der St. Andreaskirche überführt, bevor Martin Luther Tage später nach Wittenberg gebracht und in der Schlosskirche beigesetzt wird.

Das heutige Sterbehaus Martin Luther mit Museum
Das heutige Sterbehaus mit Museum.

Soweit die Geschichte über Martin Luthers enge Bindung an Eisleben. Es ist also kein Wunder, dass die Stadt bis heute von ihm geprägt ist. Das Geburtshaus- und das Sterbehaus sind Museums-Kleinode mit höchst interessanten Ausstellungen. Obwohl, so ganz stimmt die Geschichte mit dem Sterbehaus nicht, denn das Haus der befreundeten Familie Drachstedt, bei denen Martin Luther zu Gast war, ist ein ehemaliges Stadtschloss. Darin befindet sich heute das Hotel Graf Mansfeld. Das heute als Sterbehaus zu besichtigende Gebäude befindet sich in einer Ecke gegenüber der St. Andreaskirche. Das tut der Geschichte keinen Abbruch, denn ein Besuch lohnt allemal. Nicht nur im Sterbehaus mit dem echten Bahrtuch, das auf Luthers Sarg lag, sondern in der ganzen Stadt, in der alles an Martin Luther und die Reformation erinnert. Unser Tipp: Wandeln Sie auf Luthers Spuren durch Eisleben, Sie werden begeistert sein.

Das wahre Sterbehaus, heute ein Hotel.
Das wahre Sterbehaus, heute ein Hotel.

Autor: Thomas Pfundtner

Geheimtipp

Das Eiscafé Madeira am Markt. Selten so leckeres Eis gegessen, und super freundliche Bedienung.

 

Anschriften:

Geburtshaus: Lutherstraße 15, Tel.: 03475 7147814
Sterbehaus: Andreaskirchplatz 7, Tel.: 03475 7147840
Elternhaus in Mansfeld: Lutherstr. 26/29, Tel.: 034782 9193810