Das Auf und App des Lebens
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66. Ausgabe, 3. Quartal 2017

Das Auf und App des Lebens

Gesund bleiben und alt werden ist heute so einfach wie nie. Man braucht nur ein Smartphone, ein bisschen Speicherplatz und, nun ja, den Willen, das Ding unentwegt zu benutzen. Dann geht’s app. Für beinahe jedes Körperteil gibt’s süße kleine Miniprogramme, die einen fit, satt, schön oder zufrieden machen.

Wenn man jung ist, vertreiben einem die Spiele-Apps die Zeit. Kommt man in die Jahre, finden die Apps den Partner für dich (eDarling), lehren dich das perfekte Knutschen (KissingTest) oder helfen dir beim Schönsein (KosmetikCheck).

Hast du den Partner fürs Leben gefunden, kommst du um NetMoms nicht herum. Die App verrät, wann man fruchtbar ist. Äh, Frau natürlich. Damit den werdenden Eltern nichts Übles widerfährt, empfiehlt der Markt die „beste Fitness-App der Welt“ UP by Jawbone. Der Fitness-Tracker überwacht unfehlbar dein Schlaf-, Bewegungs- und Essverhalten.

Deshalb muss niemand mehr groß über sich selbst nachdenken. Das Smartphone erledigt das. Für den kleinen Spaß zwischendurch empfehlen sich Genie-Apps wie „Toilet Paper Dragging“ (eine Klorolle möglichst schnell abrollen), „iBeer“ (braut Bier, äfft Trinkbewegungen nach, rülpst und macht garantiert nicht blau), „Zips Lite“ (öffnet Reißverschlüsse von heißen Höschen) oder „Hot Plate Lite“ (zeigt ein Cerankochfeld). Für Pickel-Fans empfiehlt sich „Pimple Popper Seasons“, mit der man munter Pickel ausdrücken kann. Knitsch, Plups und Platsch; ziemlich eklig. Selbst ohne Ton. Getoppt wird das von „iPuke“, einer App echt zum Kotzen. Bei leichter Berührung des Touchscreens fängt das blaue Männchen in iPuke an, grüne Galle zu spucken; nicht ohne den passenden Sound. Sehr (un)appetitlich!

Dann doch lieber die „Muh-Box“, sie zaubert Tiergeräusche von Ziege, Heuschrecke bis zur Kuh aus der Hosentasche. Wer‘s braucht ...

Sinnlos-App für die Wechseljahre kommen für ihn mit „Buzzcut“ um die Ecke. Der virtuelle Rasierer für den Mann von Welt ist da, wenn der Friseur keinen Termin mehr hat. Dann legt man einfach selbst Hand an und schwupps ist der Bart im echten Leben doch nicht ab. Sie kann sich derweil mit „Solarium“ die wohl nutzloseste App laden. Ihre Haut wird – auch wenn sie stundenlang vor dem iPhone sitzt – so blass wie vorher bleiben. Es gibt zwar keinen Hautkrebs, aber wahrscheinlich Kopfschmerzen. Eher das Gegenteil kriegt man bei „DrinkWater“. Eine Nerv-App, die nervt, wenn du zu wenig Wasser intus hast. Es gibt reihenweise Blutdruck-Apps und Herzfrequenzmesser, Fahrrad-Begleiter und Ernährungsratgeber. Im Grunde die besorgte Mami für die Hosentasche.

Es sei denn, du willst das alles gar nicht. Die ständige Überwachung nervt einfach nur. Dann hilft nur noch „Disser“. Die teilt deinem Gegenüber frei heraus mit, was du von ihm hältst. 40.000 Schimpfwort-Kombis hat „Disser“ auf Lager. „Du alter Backfisch“, „Du talentfreie Pommesplautze“ oder „Du ranzige Müslischlampe“. Kost auch nur 80 Cent. Also mir ist sie es wert.

Autor: juj