Das Ende der Kreidezeit ist in Sicht
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67. Ausgabe, 4. Quartal 2017

Das Ende der Kreidezeit ist in Sicht

Schuladmin-Software der KID erleichtert in der Sekundarschule Gommern den Alltag der Lehrer

11,5 Schüler teilen sich hierzulande einen Schulcomputer. International ist das gerade noch Mittelmaß. Spitze sind etwa Norwegen oder Australien, wo 2,4 Schüler auf einen Computer zurückgreifen können. Ehe in Deutschlands Schulen das Ende der Kreidezeit anbricht, wird „Jurassic Park“ Realität, witzeln manche Lehrer, denen nicht einmal ein ausreichender Breitbandanschluss zur Verfügung steht. Doch nun wollen Bund, EU und Länder mit dem milliardenschweren Förderprogramm „IKT-Ausstattung“ Schwung in die Digitalisierung der Schulen bringen. Für Sachsen-Anhalt sind bis 2023 immerhin 13,3 Millionen Euro eingeplant. Wie die nahe Zukunft aussehen könnte, zeigt das Beispiel der Sekundarschule „Fritz Heicke“ in Gommern.

Blue-Jeans, weißes Hemd und ein Ring im Ohr – Jens Bode ist ein Typ Lehrer, den man sich als Schüler wünscht. Bestimmt und doch cool, kompetent, aber kernig, witzig und doch ernsthaft. Ein Typ, der lässig durch das Schulhaus läuft und stolz auf das ist, was man dort im Team geschaffen hat. Raum 3.01 zum Beispiel. „Fachraum Computerarbeit“ steht am Schild. Sicher: So etwas haben eine Menge Schulen zu bieten. Räumlich betrachtet. Doch die Schul-IT in Gommern ist seit November 2016 schon so weit, wie sie sich wohl die meisten Schulen Sachsen-Anhalts wünschen würden.

Margrit Zander und Jens Bode
Margrit Zander und Jens Bode, Lehrer an der Sekundarschule „Fritz Heicke“ in Gommern

„Wir haben 25 PCs mit kompletter Server-Ausstattung, automatischer Datensicherung und Schuladmin-Software. Wir verfügen über leistungsfähige und aktuelle Programme – von der Bildbearbeitung über Grafiktools, Word oder Excel. Vom Lehrertisch aus kann ich mich auf jeden Schülerbildschirm schalten, um zu kontrollieren, ob die Schüler auch arbeiten. Die Software erlaubt zudem die Freigabe bzw. Beendigung von Programmen für jeden einzelnen oder alle PC. Als Lehrer kann ich das Internet freigeben oder sperren.“

Seine Kollegin Margrit Zander, die neben Mathe und Physik auch Technik unterrichtet und gern im PC-Kabinett arbeitet, ergänzt: „Es ist z.B. möglich, eine Aufgabe auf alle oder nur auf einige ausgewählte Bildschirme zu versenden und diese Dokumente zum Zeitpunkt X auf jedem Schüler-PC zu schließen und abzusichern. Ja man kann sogar Bildschirme einzeln oder komplett einschlafen lassen, ohne den PC herunterfahren zu müssen. Sehr praktisch, wenn man etwas für alle an der Tafel erklären möchte.“ Die Schuladmin-Software der KID sei eine enorme Arbeitserleichterung. Jens Bode: „Das Handling ist ein echter Gewinn und eine merkliche Erleichterung der Arbeit.“

Früher sei der Job im PC-Kabinett ungleich beschwerlicher gewesen, erinnern sich die beiden Lehrer: „Wir hatten reichlich angegraute PC-Technik und mit Windows XP ein anfälliges Betriebssystem mit den bekannten Sicherheitslücken. Um Schülerprojekte abzuspeichern, rannten wir z.B. vor Jahren noch mit einem Stick von PC zu PC. Es wäre zwar auch möglich gewesen, Daten auf dem Schulserver zu speichern, aber nicht selten fanden wir sie dann nicht wieder. Schließlich ist nicht jeder Schüler ein Ass auf der Geige. Ganz abgesehen von alter Software, trägen Computern und Programmen, für die es kaum noch Updates gab. Die Wartung der Rechner war ebenso unsere Aufgabe wie das Aufspielen von Updates – falls es noch welche gab, die zur Verfügung standen.“

Doch Jens Bode in Gommern gehört nicht zu den Lehrern, die sich ihrem Schicksal ergeben:

„Wir haben unsere Nöte einfach immer mal wieder beim Schulträger vorgetragen.“

Im Jerichower Land trifft man mit so etwas auf offene Ohren. Bode: 

„Da sitzen engagierte und kreative Leute, die genau wissen, wie Schüler ticken und was Lehrer brauchen.“

Als im Haushalt die Mittel eingestellt waren, landete der Auftrag bald bei der KITU, die ihn an ihre Betriebsgesellschaft KID weitergab. Insgesamt orderte das Jerichower Land Projekte für vier Schulen. In der Burger Clausewitz-Schule und der Diesterweg-Schule wurden die Server, inklusive der Schuladmin-Software, erneuert, für die Förderschule Parchen übernahm die KID die komplette Betriebsführung. Für KID-Mitarbeiter Dusan Zeremski spannende Projekte: „Durch alle diese Aufträge haben wir uns bereits mit dem Thema Schul-IT beschäftigt, als noch keine Fördermittel in Sicht waren. Wenn jetzt dutzende Schulen ebenfalls die Möglichkeit bekommen, ihre IT-Technik auf Vordermann zu bringen, dann haben wir als KID einen Vorsprung und fertige Produkte in der Schublade.“

Margrit Zander und Jens Bode wissen die Kompetenz aus Magdeburg zu schätzen:

„Es gibt uns ein sicheres Gefühl, jederzeit Hilfe bekommen zu können. Updates werden automatisch aufgespielt, in Sachen IT-Sicherheit ist unser System immer auf dem neuesten Stand.“

Jens Bode hat den Serverraum seit dem Tag, an dem die KID hier alles eingerichtet hat, nicht wieder betreten:

„Wozu? Was soll ich auch da? Wenn etwas ist, dann genügt ein Anruf in Magdeburg. Den Rest erledigen die Experten von Magdeburg aus.“

Seit bekannt ist, dass Sachsen-Anhalt seine Schulen dabei unterstützen will, moderne Infrastrukturen zu schaffen oder die vorhandene Infrastruktur zu erweitern und zu modernisieren, bekommt die KID ständig neue Anfragen. Dusan Zeremski:

„Wir sind vorbereitet und können in jedem Fall zeitnah helfen.“

Das dürfte auch entscheidend sein, damit Landesregierung und EU das Förderprogramm IKT-Ausstattung fristgerecht umsetzen kann. 13,3 Millionen Euro stehen bis 2023 bereit. Jeder Schulträger kann laut Ministerium pro Schule bis zu 200.000 Euro Fördermittel beantragen. Mit der geförderten Technik kann nach Angaben des Landes Sachsen-Anhalt auch ein anderer Effekt verbunden sein: Durch die Anbindung der Schulen an die Bildungsserver des Landes würden künftig der Bezug und Austausch von Lernmaterialien erleichtert. Sachsen-Anhalts Finanzminister André Schröder sagt: „Jede Schule soll die Möglichkeit haben, an das neue Landesdatennetz angeschlossen zu werden. Über das Landesdatennetz hinaus fördern wir die Schaffung, Erweiterung und Modernisierung der informations- und kommunikationstechnischen Grundstrukturen in allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen unseres Landes, sowohl in kommunaler als auch in anerkannter freier und Landes-Trägerschaft.“ Und Bildungsminister Marco Tullner ergänzt: „Der Umgang mit digitalen Medien wird in den kommenden Jahren die klassischen Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen ergänzen. Mit der aktuellen Förderrichtlinie trägt das Land dazu bei, die notwendige Infrastruktur in die Schulen zu tragen.“

Im Fall der „Fritz Heicke“-Schule konnten die Lehrer auf den freundlichen Umstand bauen, dass im Zuge der erst vor drei Jahren abgeschlossenen Schulsanierung eine neue Netz-Infrastruktur im Schulgebäude vorhanden war. In vielen anderen Schulen geht erst einmal viel Geld in die Verkabelung des Hauses. Doch das könne nur ein Anfang sein, meint Jens Bode: „Der nächste Schritt müssten interaktive Boards als Schultafel und ein Tablet- oder Laptop-Klassensatz sein, damit man auch in anderen Fachkabinetten mit der IT-Technik arbeiten kann. Und an eine höhere Bandbreite muss man angesichts der rasanten Entwicklung auch bei uns denken.“

Übrigens: Für die kommenden Jahre sind die Anträge jeweils zum 31. März und 30. September zu stellen. Weitere Informationen, Anträge und Merkblätter sind auf der Internetseite des Landesverwaltungsamtes zu finden.

Autor: juj