67. Ausgabe, 4. Quartal 2017

Auf ein Wort, Frank Hengstmann

Moderne Kommunikationsmittel gehören heute für die meisten Menschen zum Alltag. Der Server befragt an dieser Stelle Prominente und/oder von berufswegen kommunikative Menschen, welche sie davon wofür benutzen. Heute: Frank Hengstmann, Kabarettist, Autor und Regisseur in Magdeburg. Der 61-Jährige ist vor allem durch seine Rolle als prolliger Machdeburjer Manni bekannt. Heute betreibt er mit seinen Söhnen das Kabarett „... nach Hengstmanns“.

Frank Hengstmann
Kabarettist Frank Hengstmann

Sind Kabarettisten auf neue Medien angewiesen?
Sicher! Ja! Aber! Zum Beispiel beim Frühstück muss es beim Umblättern rascheln und das kann nun mal nur die „gute alte Zeitung“. Selbst wenn es irgendwann auf diesem Wischkasten, also dem Smartphone oder dem Läpftopf eine Raschel-App geben sollte, ich bleibe wertkonservativ und lese Zeitung. Wie sonst könnte ich mein SERO-Aufkommen erfüllen.

Wie witzig ist eigentlich Siri?
Das Fräulein Siri hat mir noch keinen Witz erzählt, den ich nicht schon kannte.

Lassen Sie sich von Frauen wie Siri und Alice inspirieren?
Nun sagen wir einmal so. Ich bin seit 39 Jahren sehr glücklich verheiratet und von der Kollegin Alice habe ich nur Kenntnis aus dem Wunderland. Wo immer das auch liegen möge. Sicher nicht in Sachsen-Anhalt.

Googlen Sie Gags oder schnappen Sie die mit dem iPhone auf der Straße auf?
Auch wenn ich mal keinen Durst habe, gehe ich trotzdem an die Imbiss-Bude. Hier stehen die „Kinder der friedlichen Revolution“ und werden auf Grund ihres Schicksals immer noch von der Revolution gefressen. Einfacher formuliert könnte man sagen: Das sind Milieustudien aller erster Güte.

Nutzen Sie für Ihre Arbeit moderne Kommunikationsmittel?
Sicher! Ständig! Unbedingt! Obwohl ich auch hier bedienungstechnische Defizite habe. Aber: Hengstauge sei wachsam. In der Ahnung, was da so digital auf mich zu kommen könnte, habe ich in weiser Voraussicht 1978 und 1981 eine Pflegerversicherung abgeschlossen. Durch eine sehr angenehme Zeugung meiner beiden Söhne. Die erklären mir alles. Und wenn ich es verstanden habe, funktioniert es auch. Manchmal!

Aber privat haben Sie doch ja ein Handy. Welche App nutzen Sie am häufigsten?
App und zu „Wart’s App!“

Bringt Ihnen das Display Ihres Handys gelegentlich Erleuchtung?
Auf jeden Fall. Durch Zufall entdeckte ich auf meinem Händy diese tolle Taschenlampen-App. Damit habe ich bei einem temporären Stromausfall den Abbau einer Bühne beleuchtet.

Sie gehören doch einer Generation an, die noch mit der Hand schreiben kann. Wozu brauchen Sie dann eigentlich Computer?
Ja! Ich brauche den Computer. Aber das muss bitte unter uns bleiben. Von Kindesbeinen bis heute bezeichne ich mich selbstkritisch als „Soft-Legastheniker“! Die Orthographie ist doch „ein schweres Ding“ und fällt mir beim Schreiben immer auf die Füße und in die Tastatur. So gibt es aber fast in jedem Computer ein Rechtschreibprogramm. Das markiert alle Fehler mit roten Wellenlinien. So kann ich also vor anderen, die meine Texte nicht hören sondern lesen müssen, fehlerfrei brillieren. Doch kommt es auch vor, dass dieses Rechtschreibprogramm weniger weiß als wie ich! Bingo!

Windows oder Mac OS?
Ich bevorzuge das angebissene Obst!

Fotoapparat oder Handyfotos?
Den letzten funktionstüchtigen Knipskasten den ich besaß, war eine Pouva Start.

Ihr letztes Fotomotiv mit Handy oder Fotoapparat?
Im letzten Winter – ein langsam zufrierender Schweriner Pfaffenteich.

Shoppen Sie lieber im Internet oder in der Innenstadt?
Hier bin ich sehr bodenständig. Ich shoppe weder im Internet noch in der Innerstadt. Ich „jehe in Egeln inkoofen!“

Ihre Lieblings-Webseite?
www.hengstmanns.de

Welches Videospiel haben Sie zuletzt gespielt?
Tetris. 1990

Twittern und/oder posten Sie?
Da ich Angst habe, beim Twittern Donald Trump zu begegnen, poste ich lieber. Und zwar in der Post-Filiale in Egeln.

Braucht das deutsche Kabarett soziale Netzwerke?
Ja! Sicher! Keine anderen Medien sind mittlerweile so werbewirksam. Trotzdem: Ich will es Rascheln hören.

Ist bei Ihnen das Weihnachtsfest noch analog oder schon komplett digital?
Weder analog noch digital. Unser Weihnachtsfest ist immer noch wie früher. Mein Enkel Moritz spielt Gitarre und ich sitze am Klavier. Dann singt die ganze Familie Lieder, die eigentlich nur zu Weihnachten erklingen. Es leuchten die Kerzen am Weihnachtsbaum und nicht nur durch die leuchtenden Kerzen wird einem plötzlich sehr warm ums Herz. Es ist doch wirklich ein schönes Fest. Apropos Kerzen. Nach mehreren Bränden mit Wachskerzen am Baum sind wir aus feuerpolizeilichen Gründen auf LED-Leuchtmittel ausgewichen. Mit Fernbedienung. Ja, ja! Die Digitalisierung ist eben mittlerweile omnipräsent! Frohes digitales Fest!

Autor: juj