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© Thomas Pfundner

56. Ausgabe, 1. Quartal 2015

Burg Querfurt – hier atmen 1000 Jahre Baugeschichte

Was den dicken Heinrich, den Medicus, Til Schweiger und die Päpstin verbindet

Hoch über der Stadt Querfurt im südöstlichen Harzvorland thront eine Burg, die eine Grundfläche von 3,5 Hektar aufweist und damit die größte Anlage in Mitteldeutschland ist. Sie zählt zu den ältesten und besterhaltensten mittelalterlichen Befestigungsanlagen an der Straße der Romanik. Wer die Burg Querfurt besucht, sollte sich viel Zeit nehmen und auch unbedingt die hochinteressante Ausstellung zur Geschichte der Anlage anschauen. Hier kommen auch Ihre Kinder auf ihre Kosten und werden begeistert sein. Und dann ist da ja noch der Dicke Heinrich ... Aber lesen Sie selbst.

Sieben Mal könnte auf dem Gelände der Burg Querfurt die Wartburg stehen und es wäre immer noch Platz, um nicht ins Gedränge zu kommen. Die Burg Querfurt besteht heute aus drei Türmen, zwei Ringmauern, acht Gebäuden, einer freistehenden kreuzförmigen Burgkirche und massiven mittel-alterlichen Befestigungen. Erstmalig erwähnt wird Querfurt als zehntpflichtiger Ort Curnfurt in einem zwischen 881 und 899 entstandenen Zehntverzeichnis des Klosters Hersfeld. 979 wird in einer Urkunde Ottos II. erstmalig der Begriff castellum verwendet. Die Burg war seit dem 10. Jahrhundert Stammsitz der Edlen Herren von Querfurt. Erster bekundeter Edelherr war Bruno von Querfurt. Er wurde (wahrscheinlich) am 9. März 1009 als Missionar in der ostpreußischen Stadt Lötzen (heute Gizycko) auf einem Hügel in der Nähe der Festung Boyen von Prußen oder Litauern erschlagen.

Edle Herren starben aus

So steht es dort auf einem Denkmal, allerdings ist diese Aussage historisch ungesichert. Das Geschlechte der Edlen Herren von Querfurt starb 1496 aus und die Burg und die Stadt fielen als erledigtes Lehen an das Erzbistum Magdeburg zurück.

Die Burgkirche – ein Kunstgenuss

1162 wurde im Burghof die romanische Kirche errichtet, die im Laufe der Jahrhunderte immer wieder umgebaut wurde. Zum Beispiel im letzten Viertel des 14. Jahrhunderts wurde für Gebhard XIV. eine gotische Kapelle angebaut.
Noch beeindruckender sind die wunderbaren Deckenbemalungen und Stuckarbeiten von An-dreas Matteyerlein, Georg Friedrich Hopffe sowie Francesco Domenico und Abondio Minetti. Nachdem das Erzbistum Magdeburg die Burg übernommen hatte, wechselten immer wieder die Besitzer. Heftig umkämpft und zerstört im 30-jährigen Krieg, wurde sie Residenz der Herzöge von Sachsen-Weißenfels. 1663 wurde die Burg reichsunmittelbares Fürstentum Sachsen-Querfurt, ging dann 1815 in preußischen Besitz über, und wurde von den Preußen bis 1938 genutzt.
Seit 1952 gibt es im ehemaligen Korn- und Rüsthaus ein Burgmuseum, in dem auf zwanglose und spielerische Art dem Besucher und insbesondere Kindern die Geschichte der Burganlage vermittelt wird. Neben zahlreichen interessanten Exponaten, gibt es Schubladen und Schubfächer, die geöffnet werden können und weitere interessante Fakten preisgeben. Auch die Hördokumente sollte kein Besucher versäumen. Besonders hervorzuheben ist ein Film, der in 20 Minuten die 1000-jährige Baugeschichte der Burg erzählt.

Was die Burg so attraktiv macht

Aber es ist nicht nur diese Baugeschichte, die die Burg so interessant macht – es sind besonders die einzelnen Bauten, die faszinieren und imponieren. Da ist der Dicke Heinrich, ein Rundturm aus dem 12. Jahrhundert. Keine Fenster, kein Kamin, keine Toilette. Der Dicke Heinrich ist der einzige romanische Turm auf der Burg. Er ist 27,5 Meter hoch, unten beträgt sein Durchmesser 14 Meter und die Mauerstärke 4,35 Meter. Der Turmkranz mit den Schießscharten wurde erst im 15. Jahrhundert dazu gemauert. Oder das ehemalige Korn- und Rüsthaus: Hier finden Sie das älteste profane Mauerwerk Sachsen-Anhalts. Die Bausubstanz stammt aus dem 10. und 11. Jahrhundert. 1535 veranlasste Kardinal Albrecht von Brandenburg den Umbau und die Erweiterung des Gebäudes. Nach 1660 wurde das Haus erneut umgebaut und ist so bis heute erhalten geblieben. Auch der Brunnen verdient es, erwähnt zu werden: Zeitweise war er die einzige Wasserquelle der Burg. 1945 wurde er dann verfüllt und dichtgemacht. Erst von 1973 bis 2000 wurde der Brunnen wieder auf seine Tiefe von etwa 33 Metern ausgeboben. Der jetzige Wasserstand beträgt etwa 2,5 Meter. Oder der Pariser Turm: Er wurde wahrscheinlich ebenfalls in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts erbaut und wurde nötig, weil die weit ausladende gotische Ringmauer vom Dicken Heinrich aus nicht mehr hinreichend eingesehen werden konnte. Seine barocke Haube wurde dem Turm 1659/60 anstelle spätgotischer Giebel aufgesetzt.

Unbedingt ansehen sollten Sie sich auch das ehemalige Fürstenhaus, in dem heute ein Restaurant mit hervorragender Küche untergebracht ist. Im Fürstenkeller steht noch ein im Original erhaltener romanischer Kamin. Nachdem Sie nun einiges über die Burg Querfurt gelesen haben, fragen Sie sich sicherlich: „Was hat das alles mit Til Schweiger, der Päpstin und dem Medicus zu tun?“ Die Antwort ist einfach: Seit einigen Jahren ist die Burg bei Produktionsfirmen ein echter Geheimtipp für mittelalterliche Filme geworden. Til Schweigers Film „1½ Ritter“, „Die Päpstin“ (mit Johanna Wokalek) oder auch „Der Medicus“ wurden hier in Teilen gedreht. Als letztes Projekt entstand hier 2013 ein Trollfilm unter der Regie von Christian von Aster.

Autor: Thomas Pfundtner

Extra-TIPPS

Jedes Jahr am Karsamstag wird vor der Burg das „Osterfeuer in Querfurt“ veranstaltet. An jedem 3. Sonntag im Juni findet auf dem gesamten Gelände der Burg ein großes mittelalterliches Burgfest statt.

Anfahrt

Aus Halle: Richtung A143 Göttingen/Leipzig. Dann A38 Richtung Göttingen. Abfahrt Querfurt, Obhausen (20), L176 bis Querfurt und dann der Beschilderung folgen. Magdeburg: A14 bis Ausfahrt Alsleben, Hettstedt (11), dann L74, L85, L72 und B180 über Hettstedt und Eisleben nach Querfurt. Hier den Beschilderungen zur Burg folgen. Achtung: Parken Sie Ihr Auto unterhalb des Anstiegs zur Burg, sonst finden Sie keinen Parkplatz.