Schloss Blankenburg
© Thomas Pfundtner

62. Ausgabe, 3. Quartal 2016

Schloss Blankenburg: ein Dichter kommt nicht rein und eine Frau verbrennt

Pure Geschichte, fantastische Sanierungen, charmante Führungen und ganz viel los

Für viele ist es das vergessene Kleinod im Harz. Mit Recht. Das Schloss, das der Stadt Blankenburg seinen Namen gab, hat nicht nur eine lebendige Geschichte. Jeder Raum atmet Vergangenheit, zeigt Prunk und Lebensart. Leider ist ein Großteil der Räume verfallen, die Einrichtung verschwunden. Dank des Vereins zur Rettung des Schlosses wurden Millionen in die Sanierung gesteckt. Davon kann sich jeder Besucher bei den Führungen durch charmante und nette Vereinsmitglieder überzeugen. Damit nicht genug: Die vielen Veranstaltungen auf Schloss Blankenburg beweisen, dass hier Geschichte gelebt wird. Überzeugen Sie sich selbst.

Mitte des 11. Jahrhunderts wurde die Blankenburg auf dem Blankenstein (ein 300 Meter hoher Kalkberg) errichtet und gab der Stadt ihren Namen. Das Schloss könnte viel erzählen aus den letzten 900 Jahren. Das würde aber ein Buch füllen. Also beschränken wir uns auf wichtige und kuriose Ereignisse:
1546 – Durch einen Brand wird die Burg komplett zerstört. Die schwangere zweite Frau des Grafen kommt in den Flammen um.
1668 – Herzog Rudolf August lässt einen Tiergarten anlegen und nutzt die riesige Blankenburg als Jagdschlösschen.
1831 – Der berühmte dänische Dichter Hans Christian Andersen kommt auf seiner Reise von Braunschweig nach Leipzig nach Blankenburg. Lei-
der konnte er das Schloss nicht besichtigen. Der banale Grund: Sanierungsarbeiten.

Taufe der Mutter der spanischen Ex-Königin

1917 – Friederike, Tochter von Herzog Ernst August von Hannover und Viktoria Luise von Preußen, wird auf der Blankenburg getauft. Das kleine Mädchen wird später Königin von Griechenland und ist die Mutter der ehemaligen spanischen Königin Sophia.
1947 – Das Schloss wird von der Sozialversicherung als Genesungsheim genutzt.
1957 – Die nächsten 34 Jahre hat die Fachschule für Binnenhandel des Verbandes Deutscher Konsumgenossenschaften (VDK) auf der Blankenburg ihren Sitz.

Danach steht alles leer und verfällt still vor sich hin. Doch 2004 beginnen die ersten Sanierungsarbeiten, die ein Jahr später durch den gemeinnützigen Verein Rettung Schloss Blankenburg e.V. weitergeführt werden.

© Thomas Pfundtner
Einer der erhalten gebliebenen, wunderschönen Kachelöfen.

Der Verein: in zehn Jahren drei Preise

Dieser Verein hat es in sich und ist ein Beispiel für ehrenamtliches Engagement, das Berge versetzen kann. 2005 gegründet hat er es geschafft, innerhalb von zehn Jahren zahlreiche Preise für sein Engagement bei der Renovierung von Schloss Blankenburg zu erhalten. 2010 gab es von der Stadt Blankenburg den Adolf-Just-Preis „für das große Engagement aller Mitglieder, die sich unermüdlich für die Rettung des Blankenburger Wahrzeichens einsetzen“.

2014 erhielt der Verein den Deutschen Preis für Denkmalschutz. Begründung: „Kontinuierliche Bestandsicherung, Sanierung und Nutzung des Großen Schlosses Blankenburg“. 2015 wurden die Blankenburger dann mit dem Sonderpreis im Rahmen des Bundespreises für Handwerk in der Denkmalpflege ausgezeichnet: „Weder die Größe noch der desolate Zustand konnte die Mitglieder des Vereins in ihrem Engagement abschrecken. Mit der Übernahme des barocken Ensembles hoch über der Stadt mit allen sich daraus ergebenden, extremen Arbeitsbedingungen haben sie Mut und Bürgersinn bewiesen. Für die kluge Instandsetzung, Nutzung und Öffnung für die Bevölkerung und Besucher wird der Verein ausgezeichnet“.

Transparente Renovierungen

Sicher, der Verein bekommt viele Fördermittel in Millionenhöhe, aber durch zahlreiche Veranstaltungen, Aktionen und Spenden sammeln die Mitglieder auch selber jedes Jahr viel Geld ein, um die weitere Sanierung des Blankenburger Schlosses fortführen zu können. Alles geht in kleinen Schritten vor sich. Alle Arbeiten werden ausgeschrieben und transparent gemacht. Derzeit werden zahlreiche Lose für das Projekt „Dach Alter Flügel“ ausgeschrieben. Im September sollen die Arbeiten, die sich über mehrere Jahre hinziehen werden, beginnen.
 
Wer sich einen Eindruck verschaffen möchte, was der Verein bisher erreicht hat, sollte unbedingt eine Führung mit einem der netten Vereinsmitglieder (wir wurden von einer charmanten, älteren Dame herumgeführt) unternehmen. Diese finden von März bis Mitte Dezember an jedem Sonnabend zwischen 14 und 16 Uhr statt. Dabei geht es treppauf und treppab, durch große, prachtvolle Räume. Zwar sind viele Räume aus baulichen Gründen derzeit noch nicht zugänglich, dennoch geht die Führung durch repräsentative Räume, wie den Grauen Saal, das Theater mit den vergoldeten Kapitellen, die Schlosskapelle mit dem hohen Kreuzgewölbe oder den Kaisersaal mit Stuckarbeiten des Bildhauers Jakob Perinetti. Nicht zu vergessen der Rittersaal mit seinen illusionistischen Wandmalereien aus dem 19. Jahrhundert. In jedem Abschnitt der Führungen werden Sie an den Prunk und die Pracht der vergangenen Jahrhunderte erinnert, erhalten zusätzlich interessante Informationen zur Geschichte und Architektur des Schlosses. Zum Beispiel, wie die Beheizung dieser riesigen Räume erfolgte. Warum gab es große, offene Kamine und in anderen Räumen nur herrlich anzusehende Kachelöfen?

© Thomas Pfundtner
Das Taufbecken in der Schlosskirche, die saniert wird.

Eine Wand voller Schlüssel

Damit nicht genug: Die Führung bringt Sie in einen Raum, in dem sämtliche erhaltene Schlüssel des Schlosses an einer riesigen Wand hängen: „Wir wissen bis heute nicht, wohin sie alle gehören“, erzählt unsere Expertin.

Dann  – fast am Ende der Führung – werden Sie im oberen Geschoss durch eine kleine Tür ins Freie gebeten. Ein Anblick, den Sie nie vergessen werden: Baumwipfel, Sonnenschein, kreisende Bussarde. Und unter ihnen Blankenburg: verwinkelte Gässchen, alte Fachwerkhäuser – Stille und Frieden. Mehr als Postkartenidylle – wahres Leben. Schloss Blankenburg – nicht nur die spannende Geschichte oder die Führungen sind immer wieder einen Besuch wert. Nein, auch die vielen Veranstaltungen laden zu einem Ausflug in den Harz ein.

Autor: Thomas Pfundtner

INFOS

Großes Schloss 1
38889 Blankenburg

Öffnungszeiten: März bis Dezember, Di. bis So., 10 bis 16 Uhr. Januar, Februar: Je nach Wetterlage am Sa. u. So. von 10 bis 16 Uhr geöffnet.
Führungen: Von März bis Dezember am Sa. von 14 bis 16 Uhr, etwa alle 15 - 30 min,
Dauer circa eine Stunde.

Preise: 6 bis 15 Jahre: 2,50 Euro. Ab 16 Jahre, 4 Euro. Sonderführungen werden ebenfalls angeboten.

Lassen Sie sich beraten: fuehrungen@schlossblankenburg.de
Das Schlosscafé hat immer samstags geöffnet.

Anfahrt

Aus Halle: A 14 Richtung Magdeburg bis Abfahrt Bernburg. Dann auf der B6 Richtung Quedlinburg/Blankenburg. Danach Ausfahrt Blankenburg Ost auf die B27 bis zum Großen Schloss Richtung Blankenburg.
Aus Magdeburg: ist es am besten, den Ring stadtauswärts (Richtung Harz), dann auf der B81 bis Kroppenstedt und über die L 66 bis Blankenburg. Im Ort der Ausschilderung folgen.