Flickschupark
Flickschupark © Landesgartenschau Burg 2018 GmbH

68. Ausgabe, 1. Quartal 2018

„… von Gärten umarmt“ – 170 Tage Gartensommer in Burg

Sachsen-Anhalts 4. Landesgartenschau

Flora, der römischen Göttin der Blumen, scheint die Region in und um Burg seit langem beste Bedingungen für ihre Blütenfülle zu bieten. Gartenbau und Blumenzucht haben in der Ihlestadt langjährige Traditionen, die mehrere Gärtnereien in Burg fortsetzen. Ein Ortsteil der 1070-jährigen Stadt heißt gar Blumenthal und das nur wenige Kilometer entfernte Dorf Möser bezeichnet sich selbstbewusst als „Gartenstadt“.

In diesem Jahr aber wird die Kreisstadt des Jerichower Landes zu der Blumenstadt Sachsen-Anhalts, wenn sie vom 21. April bis 7. Oktober 2018 zur vierten Landesgartenschau einlädt.

Unter dem Motto „… von Gärten umarmt“ wird Burg 170 Tage lang wie nie zuvor erblühen und in vier Ausstellungsbereichen von Können und Kunst der Gärtner und Floristen des Landes künden.

Der Weg zur Landesgartenschau LAGA wird die meisten Besucher – mit 450.000 rechnet man in Burg zwischen dem 21. April und 7. Oktober – wohl über den Bahnhofsvorplatz führen. In der „Stadt der Türme“ bilden natürlich Türme den Eingang zur LAGA und damit auch zum Goethepark. Der direkt vor dem Bahnhof gelegene historische und denkmalgeschützte Park hat eine lange und wechselvolle Geschichte hinter sich. 1913 als „Bahnhofsanlagen“ angelegt, liegt der heute 8,7 Hektar große Park im gründerzeitlichen Ring und wurde aus dem Erbe der Fabrikantenwitwe Albertine Flickschu finanziert. Sie vererbte der Stadt Burg einst 170.000 Mark für die Realisierung von Parklandschaften. Mit diesen Mitteln wurde unter anderem dort, wo sich noch Mitte des 19. Jahrhunderts eine städtische Holzstrecke sowie ein Turnplatz befanden, eine Parkanlage als grüne Achse zwischen Bahnhof und Stadtzentrum geschaffen, ein landschaftlicher Stadtpark mit neobarocken Formen, verspielten Jugendstilakzenten, vielen Baumreihen und Baumalleen. Zur Landesgartenschau 2018 erlebt dieser eine Verjüngungs- und Verschönerungskur. Neben einem über 200 Quadratmeter großen Wasserspiel, üppigen Wechselflorbeeten, schönen Alleen sowie großflächigen Stauden- und Rosenbeeten erwarten den Besucher unterschiedliche Themengärten, ein futuristisch gestalteter Rosenpavillon unweit der LAGA-Hauptbühne. Für das jüngere Publikum wurden im Goethepark eine großzügige Spiellandschaft und eine Skateranlage geschaffen. Kontrastreich dazu: das Feuerwehrdenkmal und die Ehrenfriedhöfe als Orte des stillen Gedenkens sowie historische Grabsteine und 24 Mustergräber. Im Schatten einer stattlichen Blutbuche lädt das Restaurant „Rosenrot“ im Goethepark zum Verweilen ein.

© Stadt Burg

Gar nicht weit entfernt bietet eine Weinlaube edle Tropfen an. Hoch über Burg und unmittelbar an der Stadtmauer wurde der altehrwürdige Weinberg zum Stadtbalkon aufgewertet. Der 50 Meter hohe Berg gilt als einer der ältesten Plätze der Stadt. Überreste alter Befestigungsanlagen lassen auf eine frühere slawische Burg schließen, weshalb viele Burger ihn auch „Burgberg“ nennen. An ihm befand sich vor einigen Jahrhunderten ein Flussbett der Elbe, heute noch erkennbar am oberflächlichen Schwemmsand. Überlieferungen zufolge soll schon Karl der Große im Jahr 805 auf der Elbe am Weinberg vorbeigezogen sein, der allerdings erst 1519 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Heute ist dort vor allem der 1902 errichtete Wasserturm – ein Wahrzeichen der Stadt Burg – der Blickfang. Die Geschichte der Anhöhe als Weinberg wird zur Landesgartenschau durch 350 neu gepflanzte Weinreben wiederbelebt, die von Obstbäumen, fruchttragenden Gehölzen und vielfältigen Staudenbeeten mit Kräutern sowie einer Landschaft aus Kakteen und Sukkulenten umrahmt werden.

Eine neue Uferpromenade lädt vom Weinberg aus zum Spaziergang an der Ihle, der traditionellen Lebensader Burgs, ein. Der kleine Fluss ist zugleich Namensgeber eines weiteren LAGA-Bereichs: der Ihlegärten. Sie ziehen sich als grünes Band zwischen Weinberg und Flickschupark mitten durch die Burger Altstadt, sind als Terrassengärten üppig mit Stauden bepflanzt oder laden von Sitzstufen aus zum Betrachten alter Fachwerkhäuser ein. In den Ihlegärten präsentieren sich auch die Kirchen der Stadt sowie die Partnerstädte Tira (Israel) und La Roche-sur-Yon (Frankreich). In einigen der Parzellen stellen regionale Künstler abwechselnd ihre Werke vor. Ein Schumacher und ein Gerber als besondere Kunstobjekte weisen auf die industriellen Traditionen der Stadt hin, in der Conrad Tack 1833 eine Schuhfabrik gründete, die gut hundert Jahre mit täglich bis zu 4.000 Paar produzierten Schuhen größtes Unternehmen dieser Art in Europa war. 1992 wurde die Schuhproduktion in Burg eingestellt. Ein Jahr zuvor schon schloss die letzte Gerberei ihre Pforten in der Stadt, in der es zum Ende des 19. Jahrhunderts immerhin 19 derartige Handwerksbetriebe gab.

Ihlegärten
Ihlegärten © Landesgartenschau Burg 2018 GmbH

Über die Ihlegärten in der Altstadt geht es zum Flickschupark, einer weiteren historischen Parkanlage, die Burg zur Landesgartenschau „..  von Gärten umarmt“. Auch diese Grünanlage mit direktem Anschluss an die Uferbereiche der Ihle wurde durch das Erbe der Albertine Flickschu geschaffen, die neben einer beachtlichen Summe der Stadt auch ihren Namen für eine frei zugängliche Parkanlage hinterließ. Das historische Areal wurde nach gut hundert Jahren seines Bestehens für die Landesgartenschau umgebaut, mit abwechslungsreichen Themengärten und einer Halle versehen, in der Gärtner und Floristen während der LAGA bei zwölf Blumenschauen ihr Können demonstrieren. Auf dem Flickschuteich werden zahlreiche Seerosen die Besucher verzaubern und auf einer Insel Rhododendren mit ihrer üppigen Blüte faszinieren. Unmittelbar am Wasser laden das „Café am See“ und das Restaurant „Albertine“ zum Verweilen vor einmaliger Kulisse des Flickschuparks ein.

Zurück in der Innenstadt wird mehr als tausendjährige Geschichte erlebbar, etwa in der an der Straße der Romanik gelegenen Kirche „Sankt Nikolai“ aus dem 12. Jahrhundert, der größten romanischen Granitbasilika östlich der Elbe, oder der dreischiffigen, im gotischen Stil errichteten Kirche „Unser Lieben Frauen“. Zu den Bauwerken, die Burg den Beinamen „Stadt der Türme“ einbrachten, gehören neben dem Wasserturm auf dem Weinberg auch ein Bismarckturm, ein Hexenturm, der Berliner Torturm und der Kuhturm, die bei einem Stadtrundgang ebenso besucht (und zum Teil erklommen) werden können wie die Historische Gerberei als technisches Denkmal oder die Carl-von-Clausewitz-Erinnerungsstätte, mit der Burg den hier geborenen Militärwissenschaftler ehrt, dessen Lehren vom Krieg in fast allen Militärhochschulen weltweit gelehrt werden.

Landesgartenschau Burg
© Stadt Burg

Auf LAGA-Besucher in Burg warten zudem über 800 Kulturveranstaltungen, die an 170 Tagen Landesgartenschau zum Mitmachen, aber auch zum Rasten, Zuhören und Verweilen zwischen Blüten und Bäumen einladen. Geboten werden Musik vor traumhafter Kulisse, Lesungen, Theater- und Tanzaufführungen im Grünen sowie Themen- und Aktionstage, aber auch Walkacts, Sport und Spiel.

Flora, die Verkörperung alles Blühenden, fehlt natürlich nicht auf der Landesgartenschau 2018. Ein steinernes Exemplar der Göttin, das in Burg bereits eine wechselvolle Geschichte hinter sich hat, wurde restauriert und erstrahlt in einem LAGA-Garten in alter neuer Schönheit.

Autor: Gudrun Oelze

ANFAHRT

Das verkehrstechnisch bestens angebundene Burg – praktisch vor den Toren der Landeshauptstadt Magdeburg gelegen – ist über die Bundesautobahn A2 mit zwei Abfahrten, die Bundesstraßen B1 und B246a, aber auch über die Wasserstraßen Elbe und Elbe-Havel-Kanal, einen Landeplatz für kleine Sportflugzeuge und nicht zuletzt über die Bahnstrecke Hannover-Magdeburg-Berlin (15 Minuten Zugfahrt von Magdeburg, 80 von Berlin) aus allen Richtungen und auf vielen Wegen erreichbar.

INFOS

Die Landesgartenschau in Burg ist täglich von 9.00 Uhr bis 19.00 Uhr (im April und Oktober bis 18.00 Uhr) geöffnet. Zu Abendveranstaltungen gelten geänderte Öffnungszeiten. Eine Tageskarte für Erwachsene kostet 15,00 Euro. Damit können zeitgleich bis zu 3 kostenfreie Eintrittskarten für Kinder/Jugendliche im Alter von 7 bis 17 Jahre erworben werden. Kinder bis 6 Jahre zahlen keinen Eintritt.

Neben Cafés, Restaurants und Bistros in der Burger Innenstadt erwarten vier gastronomische Einrichtungen auf dem Ausstellungsgelände der Landesgartenschau die Besucher: das Restaurant „Rosenrot“ im Goethepark, die „Weinlaube“ am Weinberg sowie das Bistro „Albertine“ und das „Café am See“ im Flickschupark.

HALLENSCHAUEN

21.04. – 03.05.2018
„Burger Blumen-Ouvertüre“ – Helden der Frühlingszeit

04.05. – 17.05.2018
„Albertines Sommerreigen“ – Farbenpracht und Harmonie von Kübel-, Beet- und Balkonpflanzen

18.05. – 31.05.2018
„Zauberhafte tropische Pflanzenwelt“ – Orchideen und Bromelien

01.06. – 14.06.2018
„Harmonie der Formen“ – Farbenpracht in reizvoller Kulisse

15.06. – 28.06.2018
„Auf grünen Pfaden“ – Kreatives mit Kräutern

29.06. – 12.07.2018
„Ein Rosenmärchen“

13.07. – 26.07.2018
„Botanische Schätze“

27.07. – 09.08.2018
„Fuchsien & Co.“ – Ein schattiges Plätzchen

10.08. – 23.08.2018
„Feurig und bunt“ – Vielfalt der Gemüse

24.08. – 06.09.2018
„Hereinspaziert … – Burger Industriegeschichte“ – Mensch, Industrie, Natur

07.09. – 20.09.2018
„Perlen des Spätsommers“ – Fülle im Überfluss

21.09. – 07.10.2018
„Erntedank“ – Herbstliches Farbenspiel