Schloss Döbbelin
© Thomas Pfundner

58. Ausgabe, 3. Quartal 2015

Schloss Döbbelin: Hier ist der Weihnachtsmann zuhause

Die Nachkommen von Otto von Bismarck schufen hier ein Kleinod

Seit 19 Generationen befindet sich das kleine Schloss im Besitz der Familie von Bismarck. Zu DDR-Zeiten gab es hier unter anderem eine Post, einen Kindergarten und eine Arztpraxis. Heute sind der herrliche Park und das liebevoll sanierte Herrenhaus ein Geheimtipp für Touristen und alle Weihnachtsfans. Lesen Sie hier, warum sich ein Ausflug in die Altmark lohnt.

Gut fünf Kilometer westlich von Stendal gibt es den 130-Seelen-Ort Döbbelin, den eigentlich niemand mit einem Tourismus- oder Ausflugsgeheimtipp in Verbindung bringen würde. Doch das Dorf ist genau das – aus zwei Gründen: Zum einen laden ein liebevoll restauriertes Schloss und der dazugehörige Park zum Verweilen ein. Zum anderen ist hier das ganze Jahr Weihnachten. Aber nun der Reihe nach.

Seit Jahrhunderten im Familienbesitz

Schloss Döbbelin befindet sich seit 19 Generationen im Besitz der Familie von Bismarck. Am 8. März 1344 erhielten Nicolaus von Bismarck und seine drei Brüder von Markgraf Ludwig Anteile an der Ortschaft Döbbelin verliehen. 1736 ließen Hans Christoph von Bismarck und seine Ehefrau, Maria von Jagow, das heutige Schloss auf den Grundmauern eines verfallenen Vorgängerbaus errichten. Gleichzeitig wurde der idyllische Park mit geradlinigen Linden- und Eichenalleen angelegt. Genau den strengen Vorgaben des Barocks entsprechend.

Statue im Park zu Schloss Döbbelin
Eine der zahlreichen Statuen, die die Kreuzungen der Parkwege säumen. Allein die Marienstatue an den Bismarckschen Gräbern lohnt einen Besuch.

Briefmarken gab es im Keller

Schloss Döbbelin ist mit seiner über 650-jährigen Geschichte das älteste Gut im Besitz der Familie Bismarck. Nach dem Tode der letzten Eigentümerin wurde das Schloss unter die Rechtsträgerschaft der Gemeinde gestellt. Das hatte auch zu DDR-Zeiten noch Bestand: In Schloss-Döbbelin gab es einen Konsum und einen Kindergarten. Ferner waren hier ein LPG-Büro, eine Arztpraxis und eine Bibliothek untergebracht. Außerdem zwei Wohnungen. Und im Keller hatte eine Post-Filiale ihren Sitz und verkaufte Briefmarken.

Zwei Jahre nach der Wende erhielt Alexander von Bismarck Schloss Döbbelin, das sich in einem mehr als bedauernswerten Zustand befand, zurück. Der selbständige Kaufmann, der ein Urgroßneffe des ersten Reichskanzlers, Otto Fürst von Bismarck ist, und seine Frau, Irina, beschlossen: Wir erwecken Schloss Döbbelin aus seinem Dornröschenschlaf und verwandeln das Gebäude in ein Schmuckkästchen.

Statt Konsum ein schönes Esszimmer

Im ersten Jahr pendelten die ehemalige Geigerin im Orchester des bekannten Dirigenten Justus Frantz und ihr Mann noch regelmäßig von Mölln nach Stendal und wohnten in einem kleinen Zimmer auf der Baustelle. Alexander von Bismarck kümmerte sich hauptsächlich um die Neuanlage des Parks, seine Frau um die Schlossrestaurierung. Es sollte allerdings neun Jahre dauern, bis Schloss Döbbelin wieder in altem Glanz erstrahlte. Da, wo einst die Mitarbeiterinnen des Konsums die Waren verkauften, ist heute das Esszimmer. Vor den Fenstern hängen schwere rote Vorhänge, die Wände schmücken dunkelrote Tapeten. Auch die Bezüge der beiden Biedermeiersofas sind in farblich dazu passenden Tönen gehalten. 15 Zimmer mussten saniert und dem Schlosscharakter entsprechend eingerichtet werden. Bis auf wenige Erbstücke, darunter eine wunderschöne Holztruhe und eine herrliche Stehlampe, gab es kaum Möbel im Schloss. Obwohl Irina und Alexander von Bismarck das Schloss privat nutzen, wird es von ihnen unter der Woche für Führungen ab zehn Personen geöffnet.

2004, fünf Jahre nach der Sanierung der Außenfassade und der Zimmerfluchten, baute Alexander von Bismarck an der Ostseite des Schlosses eine neue Terrasse mit Freitreppe zum Park. Diese war in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts wegen Baufälligkeit abgerissen worden. Nun ist die Verbindung von Gebäude und Park wiederhergestellt. Ein wunderschöner Park, der zum Spazierengehen und Entspannen einlädt. Der staunende Besucher wandert die Baumalleen links und rechts des Schlosses entlang, entdeckt hier einen verwunschenen Teich oder dort ein kleines Teehaus. Je tiefer man in den Park kommt, desto älter werden die Buchen, Linden und Eichen. Dann kommt der Besucher zu einer Gedenkstätte mit alten Grabsteinen von Mitgliedern der Familie von Bismarck. Hier steht auch eine wunderschöne Marienfigur, die Ruhe und Kraft ausstrahlt. An allen Eckpunkten des Parks stehen göttinnengleiche Büsten, eine schöner als die andere. Wer sich dann nur ein paar Minuten auf eine der vielen Parkbänke setzt, kommt aus dem Staunen nicht heraus: Rotkehlchen, Meisen und Schwalben fliegen umher, Eichhörnchen wuseln die Bäume rauf und runter. Ein Specht beackert mit seinem Schnabel einen Baumstamm, ein Uhu gibt seine typischen Laute von sich. Pure Idylle.

Weihnachtsausstellung Schloss Döbbelin
In zahlreichen Räumen gibt es eine Weihnachtsausstellung mit Dekorationen aller Art. Wirklich lohnenswert und ganzjährig geöffnet.

Im Café lacht der Weihnachtsmann

Danach freut sich der Besucher auf einen leckeren Kaffee und selbstgebackenen Kuchen im Schlosscafé im Keller. Doch, nanu, was ist denn hier los? Schon am Eingang wird der überraschte Gast von einem riesigen Weihnachtsmann angelacht. Alle unteren Räume sind gefüllt mit Christbaumkugeln, Krippen, Schleifen, Lichterketten, Engeln, Figürchen und Figuren, komplett geschmückten Christbäumen, Weihnachtsglitzer und -glamour. Das Besondere: Es sind keine alten Kollektionen, sondern die, die in den Wochen vor dem Fest überall zu haben sind. Über 10.000 Artikel gibt es das ganze Jahr über in der Weihnachtswelt im Schlosscafé zu bestaunen. Da ist so manches Schnäppchen dabei. Warum ist das so? Alexander von Bismarck handelt mit Weihnachtsartikeln, hat Kunden in ganz Deutschland und verkauft eben auch in seinem Heimatort. Fahren Sie hin, ein Besuch ins verträumte Döbbelin lohnt sich in jeder Beziehung.

Autor: Thomas Pfundtner

Anfahrt

Aus Halle: A 14 Richtung Magdeburg bis zum Ende. Dann der B 189 folgen. In Stendal Wechsel auf die B 188 Richtung Döbbelin. Auf die Ausschilderung Döbbelin achten. Nach einigen Kilometern geht es rechts in die Dorfstraße. Nach wenigen hundert Metern sehen Sie das Schloss auf der rechten Seite.

Infos

Schloss Döbbelin
Döbbeliner Dorfstraße 18
39576 Stendal / OT Döbbelin

www.bismarck-doebbelin.de