Crazy shiggisch
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70. Ausgabe, 3. Quartal 2018

Crazy shiggisch

Ich bin voll phat (sehr gut). Sagt meine Tochter. Und zwar immer dann, wenn sie mal wieder voll geflasht (begeistert)  ist. Die Kleine ist 16. Ich bin ziemlich stolz darauf, dass sie mich für crazy shiggisch (modern) hält. Nun, ich geb’ mir auch Mühe, mit der Zeit zu gehen. Obwohl das von Jahr zu Jahr anstrengender wird. Schlimmer aber wäre, wenn mich mein pubertierendes Prinzesschen für ne Partyschranke (Spaßbremse) hielte. Als Mitglied der Erzeugerfraktion (Eltern) muss man drauf achten, nicht als Alpha-Kevin (der Dümmste von allen) abgestempelt zu werden. Lit (sehr cool) - das bist du nur noch, wenn du voll top bleibst. Also z.B. raus aus Facebook und rein in Insta (Instagram).

Ich hab Tinderellas Zuhause (sie datet viel bei Tinder) voll auf smart gemoovt. Alles, was Smart-home kann, kann unser Zuhause auch. Das Kind muss nix mehr machen, außer napflixen (beim Nickerchen einen Film laufen lassen). Wenn der Wecker für die Schule bimmelt, stellt sich unsere Kaffeemaschine schon an. Mittlere Stärke, handgeröstete Brasil-Bohne von Dallmayr, zwei Drittel Kaffee, ein Drittel Milch. 1,5 Prozent. Hauptsache, das Kind schiebt gefresht (ohne Durst) aus dem Haus. An Tagen, an denen sie fernschimmelt (nicht am gewohnten Platz chillt), checkt ihr Smartphone automatisch die Kaffeemaschine und polt das Ding auf meine Kaffeestärke um. Die Waschmaschine stellt sich automatisch an, wenn Töchterchen mehr als drei Ritzenputzer (Stringtanga) eingeworfen hat. Pünktlich um 3 sind Wasch- und Trockengang durchs Ziel. Ich weiß, dass ich damit dem Fermentieren (kontrolliertes Gammeln) Vorschub leiste, doch was solls. Ich hab nur ein Mädchen. Also leb ich smart. Der Smart-TV weiß, wann gerade irgendwo „Famous in Love“ läuft und nimmt’s auf. Apple-Music checkt gleich am Morgen ihre Stimmung und passt darauf die List an. Der Toast springt ihr durchgebräunt auf das Frühstücksbrettchen und der Eierkocher meldet piepsend, dass das 4,5-Minuten-Ei bereit fürs Feinschmäckergäumchen ist.

Nur letzte Woche, da hat sich die Technik gerächt. Nur, weil ich mit meinem behaarten Bifi (Dackel) über den vernetzten Bluetooth-Kladderadatsch gaanz leise gedisst habe (schlecht über etwas reden). Mein WLAN muss darüber so angefuckt  (beleidigt) gewesen sein, dass es sich am nächsten Tag als Kampffussel (kleine aggressive Person) gespreizt hat. Morgens um 4 gings los: Da schmiss der schon den zehnten Toast raus, der Pott Kaffee war halbvoll mit Kinderkoks (Zucker) und ungenießbar. Die Waschmaschine fuhr mit den drei Eierspaltern (enge Hosen) ihres Freundes Dauerkarussell. Die Jalousien im Schlafzimmer gingen wie knochentrockne Augenlider hoch und runter. Die Frühstückseier waren steinschleudergar und das Licht im Haus brillierte als Stroboskop. An diesem Morgen fühlte ich mich wie ein MOF (Mensch Ohne Freunde). Mein Töchterchen nannte mich auch so: Noop (jemand, der keine Ahnung hat).

Ich mach wieder alles von Hand. Na und, bin ich eben Papa Motzkeks und ein Intelligenzallergiker (Idiot). Was aber immer noch besser ist, als bald als Parkbankphilosoph (Obdachloser) aufzuwachen. Spätestens dann, wenn mich der ganze Smarthome-Wahnsinn ins Verderben getrieben hat.

Autor: juj