75. Ausgabe, 4. Quartal 2019

Im Himmel ist IT-Alarm

Der Himmel ist auch nicht mehr das, was er mal war. Kaum noch Regen im Sommer,  schneefrei im Winter, Sonne satt von Karfreitag bis zum Martinstag. Und wer hat’s verbockt? Götter und Engel.

Im Himmel ist IT-Alarm. Seit sich Göttervater Zeus von Steve Jobs ein iPhone XI Pro Max aufschwatzen ließ und für Jeff Bezos alle Schleusen öffnete, ist es mit der himmlischen Ruhe vorbei. Nun hocken sie alle tief versunken auf ihren Wolken und kriegen die Köpfe nicht mehr hoch. Sie ahnen jetzt, warum es im Himmel drunter und drüber geht?

Von wegen Klimaerwärmung. Frau Holle hat nur keine Zeit mehr für ihre Betten. Die schüttelt lieber ihr iPhone, um in der App „Clean My House“ ihre Task List  zu löschen. Und Petrus? Statt uns im Regen stehen zu lassen, zockt der lieber mit Apostel, seinem Bruder, „Fortnite“. Davon ist der so abgelenkt, das sich selbst der sonst so lautstarke Donnergott Thor in die Schmollecke zurückgezogen hat. In himmlischen Kreisen erzählt man sich, dass er nun selbst der Thorheit erlegen ist und mit „Star Wars Jedi: Fallen Order“ den Tag verbringt.

Und nun hat die Telekom auch noch ihre neue magentagrelle DSL-Skyleitung in den Dienst gestellt. Man schläft da oben nunmehr 25 Minuten weniger. Das haben irdische Forscher herausgefunden – wer DSL hat, schläft 25 Minuten weniger. Pro Tag. Am Anfang hatte Zeus nur LTE und war von lähmenden Ladebalken und rätselhaften Fehlermeldungen genervt. Damals ging er dann doch lieber mal ins Bett. Mit der Magenta-Freileitung sind die alle schlaflos im Himmel über Manhattan.

Da haben sich selbst die Engel der neuen Sucht ergeben. Immer seltener treffen ihre Pfeile ins Ziel. Von 1990 bis heute halbierte sich die Zahl der Eheschließungen in Deutschland. Letzte Hoffnung ist Weihnachten. Da schenkt man sich da oben womöglich was Irdisches: vielleicht sogar einen Plattenspieler und die alte Scheibe von Leo Falls „Und der Himmel hängt voller Geigen!“  dazu.

Wer Geige spielt ... kann nicht zocken.