64. Ausgabe, 1. Quartal 2017

Lebensgefährlich

Meine Tochter ist 8. Sie hat einen Teddy und ein Tablet. Wenn der Teddy beim Zubettgehen unauffindbar ist, macht sie kein Auge zu. Ist die Samsung-Flunder weg, dann flucht sie so lange, bis ich mich als genervter Vater an der Suche beteilige. Inzwischen ist die Zeit, die das Kind mit Teddy und Tablet verbringt pari pari verteilt. Mir ist aber klar: Das ändert sich.

Pavel Horak/123RF.com

Da fällt mir ein, dass ich neulich eine Untersuchung (Intel Security) gelesen habe. Demnach dürfen 76 Prozent der Kids ein internetfähiges Gerät mit ins Bett nehmen. Was machen die mit dem Ding unter der Bettdecke? Dass es keine Schattenspiele sind, sagen mir die weiteren Antworten der 13.000 befragten Eltern. Gut ein Drittel der Erzeuger sorgt mit der Wegnahme der Geräte für eine Zugangsbegrenzung beim Nachwuchs. 48 Prozent erlaubt eine zweistündige Nutzung pro Tag, 20 Prozent der Eltern spendieren ihrem Nachwuchs weniger als eine Stunde am Tag. Ich weiß gar nicht, wozu wir gehören. Wir stellen keine Stoppuhren. Doch mir schwant, was die lieben Kleinen da so machen – im Dämmerlicht durch die Welt chatten. Unsereiner brauchte dafür noch Comichefte und eine Taschenlampe. Naja, lange her, also gefühlt zu Zeiten der Dinosaurier. Unsere Kleine zieht sich gerade alles rein, was mit Bibi & Tina zu tun hat. Noch ist das niedlich. Ja, ja ich weiß: Das ändert sich noch.

Ich habe Schwansfedern vor der Zukunft. In der Untersuchung stand, dass lediglich 23 Prozent der Eltern die Internetnutzung ihrer Kinder durch Software einschränken oder überwachen. Das ist doch unerhört. Wir erlauben das prinzipiell nur als Einschlafhilfe. Und trotzdem habe ich furchtbare Angst davor, dass ihr ein Cybergauner oder gar Pädophiler über den Bildschirm läuft.

Andererseits: Ich spreche viel mit ihr, sage immer wieder, dass das Leben lebensgefährlich ist. Auf der Straße vom Ziegelstein erschlagen oder im Zoo vom Löwen gefressen zu werden, in der Badewanne zu ertrinken, beim Wandertag zu verdursten oder sich im Internet zu verlaufen – das alles sind sehr, sehr ernste Gefahren. Wir haben deshalb eine eiserne Regel: „Keine E-Mails von Fremden öffnen!“. So kommt kein Spam ins Haus.

Doch neulich beim Abendbrot hat sie mich geschockt als sie mich mit todernstem Gesicht ermahnt hat: „Papa, kannst Du nicht wenigstens beim Abendbrot dein iPhone weglegen!“

Auto: juj