69. Ausgabe, 2. Quartal 2018

Schul-IT-Förderung war nur Tropfen auf heißem Stein

Hoffnung auf neue Geldquellen

In den Zeitzer Grundschulen Bergsiedlung und Elstervorstadt beginnt schon bald die digitale Zukunft des Lernens. Beide Schulen gehören zu jenen Bildungseinrichtungen in Sachsen-Anhalt, die von der Förderung des Landes und der Europäischen Union profitieren und ihre Schulhäuser durch verbesserte IKT-Infrastruktur für das digitale Zeitalter fit machen können.

Dank der Fördermittel kann der Schulträger – die Stadt Zeitz – den Erst- bis Viertklässlern und ihren Lehrkräften in der Bergsiedlung und der Elstervorstadt künftig optimale Lernbedingungen mit moderner Technik bieten. In schuleigenen Konzepten hatten sie dargelegt, wie sich moderner Unterricht und moderne Technik bedingen, wie sie pädagogische Inhalte mit den neuen technischen Möglichkeiten vermitteln wollen. Für die Verwirklichung dieser Vorhaben bleiben 21 Monate Zeit, denn die ursprünglich auf lediglich ein Jahr begrenzte Umsetzungsphase musste das Land, das sich allein drei Monate für die Prüfung vorhält, verlängern.

Schul-IT
© Ella Grünko/123RF.com

Die, die den Zuschlag bekamen, können in ihren Schulhäusern Kabel und Leitungen als Voraussetzung für den Aufbau eines WLAN-Netzes verlegen und erneuern lassen. Die Gemeinschaftsschule in Barleben etwa, die schon in der ersten Förderphase Geld bekam, nutzte dafür die fachlichen Kompetenzen der KITU, die aktive Netzwerkkomponenten wie Server, unterbrechungsfreie Stromversorgung USV, den Virenschutz, das Firewall-System, die Switche und Access Points lieferte.

Weitere Bestandteile des IKT-Förderpaketes können, abhängig von den Wünschen und dem Konzept des Schulträgers, spezielle Endgeräte für die Schüler, etwa Laptops mit Tastatur und Touch-Display oder Desktop PCs, sein, sowie Laptops für die Lehrer, mit denen sie den Unterricht vorbereiten. In einzelnen Klassenräumen kommen interaktive Displays - große Fernseher mit Touchoberfläche – als Ersatz für die Tafeln zum Einsatz, berichtet Robert Hradsky von der KID Kommunale Informationsdienste Magdeburg GmbH (KID).

Er hat in den vergangenen Monaten für die KITU viele Schulen und deren kommunale Träger im Land auf dem Weg zu einer besserer IKT-Infrastruktur durch Nutzung der Landes- und EU-Fördergelder begleitet und dabei recht irritiert zur Kenntnis genommen, über welchen allgemeinen Standard bezüglich der räumlichen Ausstattung, der Sanitäranlagen und der technischen Voraussetzungen deutsche Schulen im Jahr 2018 verfügen.

Was nutzt die beste IKT-Förderung, wenn die Schulen fern von schnellen Internetverbindungen sind, fragt sich nicht nur Robert Hradsky. Der Breitbandausbau sei eine Voraussetzung, um die geförderte Technik auch nutzen zu können – gerade im ländlichen Raum, für den der weitaus größte Teil des Fördertopfes ja aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds ELER gespeist wurde. Doch kleine Dorfschulen hatten nicht nur wegen unzulänglicher Internetanbindung ihrer Orte schlechte Karten beim Rennen um IKT-Fördergelder. Denn hier galt nicht: wer zuerst kommt, mahlt zuerst, sondern wer erreicht die höchste Punktzahl. Von der Maximalpunktzahl von 365 wurden in der ersten Phase 335 benötigt, um Fördermittel zu erhalten, in der zweiten Phase 305. Bis zu 30 Punkte vergab das Finanzministerium für das technische Konzept der sich bewerbenden Schule, den Rest das Landesschulamt. Dort gab es zum Beispiel nur einen Punkt bei Erreichen der Mindestschülerzahl, aber bis zu drei Punkte erhielt, wer weitaus mehr Kinder und Jugendliche unterrichtet. Und wie soll eine kleine ländliche Grundschule in der Wertungskategorie „Nutzung von IKT-Vorhaben“ die Höchstpunktzahl drei für ein Kooperationskonzept mit mehreren Schulen und Schulformen erreichen? Ganz zu schweigen von Punkten für den Einsatz von IKT beim Internetauftritt oder die Einbeziehung der IKT-Nutzung in eine Schülerfirma – in einer Schule mit vielleicht gerade mal vier Lehrern?

Überhaupt komme bei der Umsetzung des Programms die Einbeziehung der Lehrkräfte viel zu kurz, meint Robert Hradsky. Der Schulträger sei zwar für die technische Ausstattung der Schulen zuständig, aber nutzen können und müssen diese die Lehrer. Damit ist jedoch nicht die Betreuung der neuen Technik gemeint, denn der für ein Jahr geförderte Support ist Aufgabe des Schulträgers oder eines professionellen Anbieters wie der KID – nicht aber die Schulung und Motivierung der Lehrer für die optimale Nutzung der modernen Geräte.

Die Stadt Zeitz, die in der zweiten Förderphase den Zuschlag für die IKT-Ausstattung der beiden Grundschulen Bergsiedlung und Elstervorstadt erhielt, wird ihre geförderten Vorhaben  voraussichtlich mit der KITU umsetzen. Von den landesweit 38 Schulen, die die KITU bislang begleitete, erreichten etliche – etwa eine Grundschule in Braunsbedra, Gymnasien im Harzkreis oder die Ganztagsschule in Braunsbedra – die volle Punktzahl. Doch das bedeutet nicht in jedem Fall, tatsächlich an die Fördermittel zu kommen, denn das Geld – 13,3 Millionen Euro – ist längst alle. Das war nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein, meint Robert Hradsky. Bei einer Maximalförderung von bis zu 200.000 Euro hätten aus diesem Topf theoretisch nicht einmal 70 Schulen im Land schöpfen können – bei mehreren hundert in Sachsen-Anhalt, die einer digitalen Ausstattung bedürfen. Nicht nur bei KID und KITU hofft man daher auf weitere Fördermittel für die digitale Zukunft in Sachsen-Anhalts Schulen – aus welchen Quellen auch immer. Vielleicht kommt ja doch noch der einst angekündigte milliardenschwere Bildungspakt Deutschland? Oder nochmals EU-Geld für die Digitalisierung der Schulen des Landes?


Autor: Gudrun Oelze