70. Ausgabe, 3. Quartal 2018

Integriertes Wohngeldverfahren jetzt webbasiert

Das Fachverfahren Integriertes Wohngeldverfahren (DiWo) bildet seit 2004 in der Landeshauptstadt Magdeburg die Basis für die dv-technische Unterstützung der Prozesse im Bereich der Wohngeldgeldantragsbearbeitung, der Bescheidung und der Wohngeldzahlung.

Eigentümer des Wohngeldverfahrens ist die Senatsverwaltung Berlin, technischer Verantwortungsträger die T-Systems GEI. Kunden sind neben dem Land Berlin die Länder Baden-Württemberg, Sachsen und Sachsen-Anhalt (ohne Landeshauptstadt Magdeburg) sowie die Städte München und Magdeburg. Auf Basis eines Statuts wird durch alle Kunden im DiWo-Pflegekreis sichergestellt, dass die wohngeldrechtlichen Regelungen dv-technisch korrekt mittels des Fachverfahrens umgesetzt werden können.

Das Verfahren DiWo basierte technologisch auf einer Oracle Datenbank und Oracle Forms als Client-Server-Lösung. Ein Oracle Application Server stellte dabei die Ablaufumgebung für Forms-Anwendungen auf einem Webbrowser mit Java-Plugin dar. Technologische Grenzen in der Weiterentwicklung des Verfahrens und die etwas „angestaubt“ wirkende Benutzerober-fläche veranlassten das Pflegekreisgremium 2012 dazu die T-Systems zu beauftragen, ein Modernisierungskonzept für die Anwendung zu erarbeiten. Die entscheidenden technischen Vorgaben hierbei waren die Forderung nach einer durchgehenden Web-Architektur, der Ablösung der Oracle-Forms, der Gewährleistung eines hohen Maßstabes der Barrierefreiheit u.a.m. Die T-Systems legte hierzu im März 2013 eine Machbarkeitsstudie für die Modernisie-rung der Basistechnologie und insbesondere der Benutzeroberfläche vor. Vorhandene vertragliche Regelungen wie der DiWo Pflege- und Weitentwicklungsvertrag wurden angepasst, ein neues Gremien – der Projektlenkungsausschuss DiWo-Modernisierung – konstituierte sich, die fachlichen und technischen Feinkonzepte wurden erstellt und die Finanzierung über die Haushaltspläne der Kunden sichergestellt. Am 28.08.2014 erfolgte durch alle Kunden die Beauftragung des Modernisierungsangebotes an die T-Systems – Projektstart war der 01.09.2014.

Die Projektplanung gliederte das Gesamtprojekt in 2 Ausbaustufen: die Sachbearbeitung und die fachliche Verfahrensadministration. Innerhalb des Projektverlaufes beantragten einzelne Kunden sehr umfängliche verfahrenstechnische Erweiterungen bzw. stellten Anforderungen an bisher nicht definierte Verfahrensstandards. So definierte der Landesrechnungshof des Landes Baden-Württemberg abnahmeverpflichtende Vorgaben zu den Themen Verfahrens- und Datensicherheit; der Gesamtpersonalrat der Senatsverwaltung Berlin stellte die verpflichtende Bedingung an DiWo, dass die Anforderungen der Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung (BITV) 2.0 zu 90 v.H. umzusetzen sind. Die T-Systems erstellte die hierfür erforderlichen technischen Realisierungskonzepte, deren Umsetzung der Projektlen-kungsausschuss schlussendlich genehmigte. Um längerfristige Terminabweichungen im Projektverlauf zu verhindern, erweiterte die T-Systems die hierfür erforderlichen personellen und materiellen Ressourcen; die Finanzierung der zusätzlichen Maßnahmen erfolgte durch alle Kunden entsprechend des Verteilungsschlüssels.

Vor dem Modernisierungskonzept bestand die Verantwortung der Kunden innerhalb der Verfahrensweiterentwicklung in dem Funktionalitätstest von Updateversionen im eigenen Verantwortungsbereich. Der im Projekt definierte Maßstab an die Kundenmitwirkleistung war für alle Kunden neu. Nach den vom Projektlenkungsausschuss für die beiden unterschiedlichen Projektphasen beschlossenen Testkonzepten, übernahm jeder Kunden ein Teilverfahrenstest und dessen verbindliche Abnahme. Diese erfolgte mit einer für alle Beteiligten zu akzeptierenden Verzögerung am 31.07.2018.
Die nunmehr rein webbasierte Anwendung DiWo genügt einerseits den höchsten technologischen Ansprüchen der Zeit, schafft andererseits aber auch hohe Anforderungen an die sehr unterschiedliche technische Infrastruktur der einzelnen DiWo-Kunden. Sowohl das Verfahren selbst, als auch die Kundeninfrastruktur stößt im laufenden Anwendungsbetrieb an seine Grenzen, so dass im Oktober 2018 innerhalb der Verfahrensarchitektur und bis Dezember 2018 in den Rechenzentren der Kunden die WebLogic-Technologie auf den neusten Stand gebracht wird. Dies erfordert nicht nur der Produktivbetrieb von DiWo, sondern auch das aus dem Gesamtvorhaben der Verwaltungsdigitalisierung abgeleitete neue DiWo-Projekt „e-Wohngeldantrag“. Wie im erfolgreich abgeschlossenen DiWo-Modernisierungsprojekt erfordert die Umsetzung der Projektinhalte Online-Wohngeld in einem Verwaltungsbereich wie der Wohngeldstelle Magdeburg die Mitwirkung eines jeden einzelnen Mitarbeiters.

(v.l.) Wolf Hoffmann, Anwendungsbetreuer in der KID, mit dem Team der Wohngeldstelle in Magdeburg
(v.l.) Wolf Hoffmann, Anwendungsbetreuer in der KID, mit dem Team der Wohngeldstelle in Magdeburg

Autor: bek