Landeshauptstadt Magdeburg forciert Internationalisierung
© Torsten Kreissl

62. Ausgabe, 3. Quartal 2016

AGE+ – Europa-Erfahrung mit bleibender Wirkung

Landeshauptstadt Magdeburg forciert Internationalisierung

 

„Europa ist mehr als ein großer Fördertopf, in den die Mitglieder einzahlen und der dann an den verschiedensten Stellen angezapft werden kann“,

sagt Regina Mittendorf, Fachbereichsleiterin Personal- und Organisationsservice der Landeshauptstadt Magdeburg. „Europa ist eine Gemeinschaft, und die funktioniert nur, wenn wir sie mit Leben erfüllen.“ Mit dem Projekt AGE Administrations go Europe und dem Folgeprojekt AGE+ Administrations go Europe platform for e-learning and updating support sucht die Verwaltung der Landeshauptstadt Magdeburg den europäischen Austausch auf Arbeits-ebene. Das Projekt wurde mit Mitteln der Europäischen Union realisiert.

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Im Podium während der Tagung sitzen auf der linken Seite Vertreter der Landeshauptstadt Magdeburg: EU-Fördermittelreferentin Anja Reutter, der Beigeordnete Holger Platz und Regina Mittendorf, Fachbereichsleiterin Personal- und Organisationsservice

Ausgangspunkt war ein europäisches Partnerschaftsprojekt, in dem unter anderem eine Methodik zur Internationalisierung von Kommunen erarbeitet wurde. Schnell wurde klar, dass Internationalisierung nicht nur bedeutet, Sprachbarrieren zu überwinden. „Wenn wir mit Verwaltungen in anderen europäischen Ländern zusammenarbeiten, wenn wir wollen, dass unsere Anfragen oder Anträge ihr Ziel erreichen, wenn wir Beziehungen zu Investoren aufbauen, den Tourismus voranbringen und ein verständnisvolles Miteinander mit ausländischen Mitbürgern entwickeln wollen, dann müssen wir uns mit den interkulturellen Unterschieden befassen, Strukturen, Arbeitsweisen und Hierarchien verstehen“, erklärt Regina Mittendorf. „Und nur so wiederum, mit Kontakten, mit Kenntnissen über Zuständigkeiten und Kanäle, gelingt es, EU-Mittel für kommunale Projekte zu generieren“, ergänzt EU-Fördermittelreferentin Anja Reutter. „Städte wie München, Hannover oder Reutlingen haben mehrere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich ausschließlich des Themas Europa annehmen“, sagt sie, „wir müssen aufholen, wenn wir auch in der nächsten Förderperiode noch mit Projektanträgen Erfolg haben, im Wettbewerb mit anderen Städten erfolgreich sein und die Attraktivität unserer Stadt erhöhen wollen.“

Um auf diesem Weg voranzukommen, wurden die nötigen Kernkompetenzen ermittelt und in einer internationalen online-Befragung mit 600 Teilnehmern bestätigt: In den Modulen interkulturelle Kompetenz, internationales Projektmanagement sowie interne und externe Kommunikation wurden gemeinsam mit den Projektpartnern aus Ungarn, Italien, Dänemark und Deutschland Lernempfehlungen (Curricula) erarbeitet und die Ergebnisse in einem Handbuch zusammengefasst. Zur Stärkung der interkulturellen Kompetenzen von Verwaltungsmitarbeitern ist ein Mix aus E-Learning und Präsenzveranstaltungen vorgesehen. Auf einer Open-Source-Platform sollen die Lerninhalte lizenzfrei genutzt werden können. „Die KID Magdeburg unterstützt uns als Sponsor und hilft uns beim Aufbau der Plattform“, informiert Regina Mittendorf.

Außerdem nutzten 51 Mitarbeiter aus allen Bereichen der Stadtverwaltung im Projekt „Otto goes Europe II“ die Chance, in zweiwöchigen Praktika in Partnereinrichtungen (job shadowing) in Österreich, Lettland, Liechtenstein, Frankreich, Ungarn, Italien und Dänemark Einblicke in andere Strukturen, Arbeitsbedingungen und -abläufe sowie in andere Denk- und Handlungsweisen zu gewinnen und dabei interkulturelle, fachliche und sprachliche Fähigkeiten weiterzuentwickeln. „Zum Teil wurden völlig andere Lösungsansätze entdeckt. Das führte dazu, dass Mitarbeiter eigene Strukturen und Abläufe kritisch hinterfragen und Veränderungsprozesse in ihren eigenen Wirkungsbereichen einleiten und umsetzen“, sagt Mittendorf. Aus „das haben wir immer so gemacht“ wurde „das geht auch anders“. Solche Erfahrungen haben bleibende Wirkung.

Eine Befragung unter den Mitarbeitern förderte überdies eine überraschende Vielfalt an Sprachkenntnissen zutage von Englisch und Russisch über Italienisch und Spanisch bis Arabisch. Dazu wurde eine Mitarbeiterliste erstellt, um bereichsübergreifend auf diese Kompetenzen im Bedarfsfall schnell zugreifen zu können.

Die Projektergebnisse wurden im Juni auf der Abschlusskonferenz mit den Projektpartnern in Rom vorgestellt. Auch zahlreiche Multiplikatoren, die die Internationalisierung in den Kommunen vorantreiben wollen, waren zum Austausch eingeladen. Für den Ausbau des e-learning-Konzeptes sollen im nächsten Jahr EU-Mittel beantragt werden. In der Zwischenzeit gedeiht die Saat, die mit den Arbeitsbesuchen gelegt wurde: Es entwickeln sich Freundschaften, einige Gegenbesuche fanden bereits statt. Neue Ideen werden in die Verwaltung eingebracht, neue Vorhaben geplant – und Europa wird wieder ein bisschen mehr mit Leben erfüllt.

Autor: bek