Landespolitik muss früher aufstehen, um Megatrend nicht zu verschlafen
© panhtermedia | Ivan Mikhaylov

58. Ausgabe, 3. Quartal 2015

Landespolitik muss früher aufstehen, um Megatrend nicht zu verschlafen

Landesverband der IT-Multimediaindustrie fordert Digitale Agenda für Sachsen-Anhalt

Starke Worte der sachsen-anhaltischen IT-Wirtschaft: Mit einem Positionspapier wollen die Branchenvertreter die Landespolitik aufrütteln. Motto: Wenn Ihr da oben jetzt nicht aufwacht, dann verschläft ein ganzes Land den Megatrend des 21. Jahrhunderts. Ohne einen Masterplan wird Sachsen-Anhalt abgehängt; selbst die zuletzt durchaus erfolgreiche IT-Branche.

Für Marco Langhof, Vorsitzender vom Verband der IT-Multimediaindustrie Sachsen-Anhalt e. V. (VITM), ist völlig klar, dass der digitale Wandel täglich mehr und mehr Lebensbereiche durchdringt:

„Und er birgt enorme Potentiale, die wir jetzt erschließen müssen. Für Deutschland ist bis zum Jahr 2025 ein Wertschöpfungsplus von 425 Milliarden durch die Digitalisierung möglich.“

Um an der Entwicklung teilzuhaben, benötige Sachsen-Anhalt einen Masterplan – eine Digitale Agenda. Dies sei so enorm wichtig, da sich die IT-Wirtschaft in Sachsen-Anhalt längst „auf Augenhöhe mit traditionell starken Bereichen wie dem Maschinenbau“ befindet. Die Branche zahlt überdurchschnittlich hohe Löhne, bietet Existenzgründern immer wieder Chancen und kann angesichts extrem kurzer Innovationszyklen Wissen und Ausbildung zügig und mit geringem Kapitalbedarf in Wertschöpfung umsetzen.

Geschäftsmodelle wie Uber, airbnb, Zalando oder Lieferheld zeigen, in welchem rasanten Tempo traditionelle Wirtschaftszweige und deren Wertschöpfungsketten grundlegend verändern. Spektakuläre Beispiele dafür sind auch die Musikindustrie und das Verlagswesen. Längst, so Langhoff, steht die gesamte Wirtschaft – vom großen Industrieunternehmen bis zum Handwerksbetrieb – vor der Herausforderung, die Digitalisierung der Wirtschaft entweder zu gestalten oder zu erleiden. „Dem ist in der Wirtschaftsstrategie des Landes Rechnung zu tragen“ - in diesem einen Satz macht die IT-Wirtschaft klar, was sie will: Mehr politische Unterstützung. Langhoff:

„Der Digitalisierung als Mega-trend des 21. Jahrhunderts wird in der regionalen Innovationsstrategie bis heute keine Bedeutung beigemessen. In der Landespolitik ist offenbar noch immer keinem klar, dass aus historischer Perspektive die Digitalisierung und ihrer kulturellen Konsequenzen mit der industriellen Revolution vergleichbar ist.“

Langhoff fordert, dass die Informationstechnologie sowohl als Wirtschaftszweig als auch als Anwendungsfeld als Schlüsseltechnologie zu verstehen ist. IT-Anwendungen und nichts anderes bestimme schon heute über nahezu alle Branchen hinweg Geschwindigkeit und die Qualität bei der Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen. Unaufhaltsam steige der Anteil der IT an der Wertschöpfung in der Automobilindustrie oder im Maschinenbaus, ganz zu schweigen von der IT als zentrales Element der Unternehmensorganisation und -entwicklung.

Langhoff:

„Die Positionierung des Landes Sachsen-Anhalt zur Zukunftsbranche IT wird damit zur strategischen Frage der zukünftigen Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit der sachsen-anhaltinischen Wirtschaft.“

Deshalb brauche es eine digitale Agenda für Sachsen-Anhalt. Für eine solche Agenda hat der Verband der IT-Multimediaindustrie Sachsen-Anhalt e. V. sechs Forderungen aufgestellt:

  • IT als Schlüsseltechnologie anerkennen
  • IT-Anwendung als Innovationsmotor nicht nur in den Leitmärkten der Regionalen Innovationsstrategie fördern
  • Sachsen-Anhalts Bürger im Digitalen Wandel begleiten
  • Steigenden Fachkräftebedarf und ‚Qualifikation im stetigen Wandel‘ sichern
  • Digitale Infrastruktur technologieoffen gestalten (Breitbandagenda)
  • Gezielt Forschungsschwerpunkte entwickeln und Investitionsanreize setzen

Bemerkenswert ist, dass der Verband zu jeder einzelnen Forderung im eigenen Positionspapier ausführliche Vorschläge ausgearbeitet hat.

Auf Nachfrage des „Server“ bestätigt Regierungssprecher Matthias Schuppe den Eingang des Forderungskatalogs:

„Wir nehmen das sehr ernst und beschäftigen uns intensiv mit dem Thema. Eine Digitale Agenda für Sachsen-Anhalt ist eine gute Idee. Derzeit prüfen wir das ressortübergreifend.“