Spielevergnügen aus dem Fernseher
© Panthermedia | Andriy Popov

59. Ausgabe, 4. Quartal 2015

Ungebremstes online-Spielvergnügen

Puzzeln auf dem Smartphone, Rollenspiele auf dem Smart TV

Früher war nicht alles besser: Früher konnte man mit einem Telefon nur telefonieren und mit einem Fernseher nur fernsehen. Heute ist jedes Gerät ein Multitalent. Im Store die Apps für Smartphone oder Tablet herunterladen und schon kannst du gucken: Filme, Serien, Nachrichten. Die nächste App und schon kannst du spielen oder Musik hören oder dich durch die Straßen einer fremden Stadt navigieren lassen oder … Der Fernseher hat Computer-Zusatzfunktionen zum Surfen im Internet und für Videotelefonie, eine Box oder ein Stick erlauben das Streamen von Filmen, Spielen und Musik.

Aus Michael Dewalds Leben sind all diese Möglichkeiten nicht mehr wegzudenken. Beim Pendeln zwischen dem Wohnort Halle und dem Arbeitsort Leipzig tippen seine Finger auf dem Smartphone-Display. „Am liebsten spiele ich unterwegs Mahjong“, sagt der 33-jährige Vertriebsmitarbeiter der ccc software gmbh. Sein Gegner ist die Zeit. „Das ist ein super Puzzle-Spiel“, findet Dewald. Das gibt es schon Jahre, bleibt aber spannend.

Ohne schnelles Internet?
Grauenhaft!

Dank schnellen Internets kann Michael Dewald Filme und Serien aus dem Netz ziehen und auf dem Smart TV gucken, auch Spiele holt er sich per Download. „Ich spiele sehr viel online und gegen reale Gegner“, erzählt er. Seine Xbox 360 und Xbox One sind mit dem Smart TV vernetzt. Sind Freunde da, können hier bis zu vier Spieler bei Kampf- oder Geschicklichkeitsspielen gegeneinander antreten. „Bei Knobelspielen und Puzzles muss man knackig nachdenken“, das reize ihn. In dem apokalyptischen Rollenspiel Fallout 4 aus den preisgekrönten Bethesda Game Studios versuchen die Spieler, eine alternative Gesellschaft aufzubauen und neue Überlebensstrategien zu entwickeln. Das hat sich Michael Dewald wie viele andere Gamer vorbestellt, um beim Verkaufsstart sofort loslegen zu können. „Das wird das Spiel“, sagt er. Ohne schnelles Internet gehe da aber nichts. „Bei solchen Spielen sind locker 60 GB herunterzuladen, allein für Spiele und Updates kommen bei mir monatlich rund 100 GB zusammen.“ Viele Internetnutzer seien dagegen mit Geschwindigkeit und Datenvolumen stark eingeschränkt. Und so mancher Teenager habe mit Onlinespielen schon die Eltern am Heimarbeitsplatz arbeitsunfähig gemacht, weiß Dewald von Kollegen. „Für online-Gamer grauenhaft“ nennt er die Bedingungen in den betroffenen ländlichen Gebieten.

Spiele-Fans, die nicht in den „Niederungen des Grauens“ leben, sondern in der Welt des schnellen Internets, fiebern wahrscheinlich schon dem ersten Quartal 2016 entgegen, wenn Facebook und Oculus Rift ihre virtuelle 3D-Gaming-Brille Oculus auf den realen Markt bringen werden.

Eine neue Ära des Home-Entertainments wird eingeläutet.

Autor: Bettina Koch