65. Ausgabe, 2. Quartal 2017

Wer ins Internet geht, ist ein potenzielles Opfer

Tipps, wie man sich vor Cyberkriminalität und Datensammelwut schützen kann

Vor 20 Jahren machten Hacker noch als Leute Schlagzeilen, die aus Langeweile Viren und Trojaner durchs Netz schickten, um sich vor ihresgleichen auf die Schulter zu klopfen. Je prominenter eine Firma war, deren Firewall man geknackt hatte, desto größer das eigene Ansehen. Mit Beginn des neuen Jahrtausends ist aus dem „Hobby“ durchgeknallter Computerfreaks ein Riesengeschäft geworden. Denn mit dem Fortschritt der PC-Technik entwickelte sich auch die Kriminalität. Je mehr Geld wir per Onlinebanking bewegen, je mehr wir bei Amazon & Co bestellen, desto interessanter wird es für die bösen Jungs, sich ein Stück vom Kuchen zu ergaunern.

Schadprogramme, die die schmutzige Arbeit erledigen, gibt es hunderte. Schon ein Grundschüler kann im Netz für 9,90 Dollar ein kleines Programm kaufen und den Trojaner auf seine ungeliebten Mitschüler loslassen. Am Anfang richtet der vielleicht „nur“ Schäden auf deren Computer an. Legt er noch 10 Dollar drauf, dann gibt es schon Software, mit der er die Facebook-Identität eines anderen übernehmen und in dessen Namen posten kann. Es kann ziemlich unangenehm werden, wenn man plötzlich

seinen besten Freund verrät oder den Schul-direktor beleidigt. Niemand sollte vergessen: Wer sich heute im Internet bewegt, egal, ob klassisch mit PC oder mobil per Tablet oder Smartphone, ist automatisch ein mögliches Ziel für Cyberkriminelle.

Für geübte Hacker ist es ein Kinderspiel, sich durch Schadprogramme Zugang zu Informationen anderer zu verschaffen und z. B. auf deren Kontodaten zuzugreifen. Bei Kaspersky Lab, einer der erfolgreichsten IT-Sicherheitsfirmen, spricht man von täglich rund 17.000 Cyberangriffen. Meist sind es Trojaner, die unbemerkt den Nutzer ausspionieren. Einige zeichnen auf, welche Tasten man drückt, andere fertigen heimlich Screenshots vom Bildschirm an, während man eine Onlinebanking-Seite besucht. Andere Trojaner laden nebenbei eine Spamware auf den PC, mit der in aller Seelenruhe Daten geklaut und einem Hacker am anderen Ende der Welt Zugriff auf vertrauliche Daten verschafft wird. Im Grunde geht es immer nur um zwei Dinge: vertrauliche Informationen und Geld.

Allerdings sind die meisten Nutzer nicht schuldlos daran. Niemand würde die Tür seiner Wohnung tagelang offenstehen lassen oder zumindest den Schlüssel im Schloss stecken lassen. Doch im Internet machen die meisten Menschen mit ihrem allzu sorglosen Umgang (z. B. Surfen ohne jeglichen Passwort- oder Virenschutz) den Cyberkriminellen die Arbeit leicht.

Wer ungeschützt ins Internet geht, bietet Kriminellen Zugang zu seinen persönlichen Daten, und wer sich in sozialen Netzwerken aufhält oder Online-Shopping nutzt, ist grundsätzlich ein leichtes Opfer.

Kinderleicht sind Mail-Adressen, Konto-informationen, persönliche Fotos und Vorlieben ausgespäht.  Die Folgen eines Hackerangriffs können enorme finanzielle Folgen haben. Deshalb raten wir dazu, ein paar Spielregeln zu beachten.

  • Keine E-Mails bzw. Anhänge von unbekannten Absendern öffnen. Häufig enthalten diese Computerviren, die sich auf Ihren PC einschleusen.
  • Nutzen Sie Anti-Virenprogramme bzw. Internet-Sicherheits-Software. Diese entdecken versteckte Viren und verhindern einen Zugriff von außen. Ganz wichtig: Aktualisieren Sie diese regelmäßig. Die meisten Programme lassen sich so einrichten, dass Aktualisierungen automatisch erfolgen.
  • Installieren Sie alle Sicherheitspatches für Ihre Programme und das Betriebssystem.
  • Legen Sie regelmäßige Datensicherungen an. Sollten Sie Opfer von Cyberkriminalität werden, können Sie wenigstens noch auf die „sauberen“ Backups zurückgreifen.
  • Melden Sie sich nicht mit Ihrem Facebook-Account für alle anderen Programme und Netzwerke an.
  • Kaufen Sie sich einen VPN-Client (ca. 30 Euro im Jahr). Damit können Sie sich mit fünf mobilen Endgeräten mit einem Proxy verbinden, der es ermöglicht, anonym im Internet unterwegs zu sein. Vorteil: Weder Kriminelle noch „Datensammler“ wie Facebook, Google oder Amazon kennen Sie bald besser als die eigene Mutter.
  • Geben Sie in sozialen Netzwerken nicht zu viele private Details bekannt. Sicherheitslücken können negative Folgen haben.
  • Suchen Sie nicht nur über Google. Duckduckgo.com zum Beispiel sammelt keine Daten von Ihnen.
  • Benutzen Sie bei Ihrem PC das Administrator-Konto nur, wenn Sie neue Programme installieren oder Systemänderungen vornehmen. Für die tägliche Arbeit sollten Sie sich einen separaten Benutzer einrichten. Das erschwert Cyberkriminellen den Zugriff auf Ihre Systemdateien.

Autor: juj