1. Ausgabe 2024 | Nr. 92

Auf ein Wort, Jan Kubon

Moderne Kommunikationsmittel gehören heute für die meisten Menschen zum Alltag. Der SERVER befragt an dieser Stelle Prominente und/oder von Berufswegen kommunikative Menschen, wie, wann und wofür sie diese benutzen. Heute: Jan Kubon, Musiker, Veranstalter, Hörfunkjournalist (MDR Kultur) aus Magdeburg.

Jan Kubon, Musiker, Veranstalter,  Hörfunkjournalist (MDR Kultur) aus Magdeburg
Jan Kubon, Musiker, Veranstalter, Hörfunkjournalist (MDR Kultur) aus Magdeburg

Was klingelt bei Ihnen zuerst – der Wecker oder das Handy?
Auf alle Fälle der Wecker. Das Handy stelle ich erst an, wenn ich mindestens einen Kaffee getrunken habe.

Wie informieren Sie sich über das aktuelle Tagesgesche-hen – raschelt bei Ihnen noch die Zeitung, lesen Sie online oder informiert sich der Hörfunkjournalist übers Radio?
Zeitung lese ich nicht mehr in Papierform. Zum einen aus Umweltgründen, zum anderen sind mir Zeitungsformate zu unhandlich. Vieles, was in der Zeitung steht, habe ich auf Grund meines Jobs schon auf dem News-Ticker gelesen und das Netz ist viel schneller. Wenn ich mir Informationen aus dem Netz hole, sind das qualitätsjournalistische Publikationen. Das kann die Tagesschau sein oder digitale Angebote von Zeitungen. Fachliteratur lese ich viel. Rolling Stone, Musikexpress usw. Man kann mittlerweile alles online lesen. Es gibt auch tolle Musik-Blogs, über die man sich informieren kann. Zeitschriften sind nicht mehr meins. Die musst du zuklappen, zur Seite legen, stapeln und entsorgen. Digitale Angebote kannst du einfach ausschalten und Ruhe ist.

Wie wichtig ist Technik in Ihrem Leben?
Technik ist ein Hilfsmittel. Ich bin nicht technik-affin. Mit der Technik, die ich täglich benutze, kenne ich mich aus, aber ich habe kein großes Verlangen danach, immer die neuste Generation Handy oder Laptop zu besitzen. Das hat mich nie interessiert. Mich interessiert nur, dass es gut funktioniert. Technik ist nur eine Krücke. Meinen Computer habe ich 2012 gekauft und das Betriebssystem ist drei Jahre alt. Mein Prinzip ist: Never change a running system. Wenn es nicht mehr funktioniert, sperre ich mich natürlich nicht gegen Neues.

Könnten Sie auf Ihr Handy verzichten?
Während der Arbeitszeit habe ich es immer in Griffnähe. Ein Handy bedeutet die Bereitschaft, erreicht werden zu können. Ich glaube, ich könnte sehr gut ohne Handy sein, aber ich habe es noch nicht wirklich probiert. Kann es mir aber gut vorstellen. Denn ich bin niemand, der gleich durchdreht, wenn er sein Handy vergessen hat. Ich kann durchaus aus dem Haus gehen, ohne das Handy mitzunehmen. Ich glaube, man überschätzt die Bedeutung der Erreichbarkeit. Es gibt Leute, die müssen immer erreichbar sein – wie der Bundeskanzler, ich gehöre nicht dazu. Die Leute können mir auch eine Mail schreiben. Oder einfach anrufen! Wenn ich nicht erreichbar bin, ist das Telefon aus.
Abends ist es mir wichtig, den Computer herunterzufahren, das Handy auszuschalten und dann ist Schluss für den Tag.

Welche Technik nutzen Sie, Windows oder Apple?
Ausschließlich Apple.

Welchen Einfluss haben Damen wie Siri oder Alexa in Ihrem Leben?
Keinen.

Ist das Internet Segen oder Fluch?
Wie beim Handy: Es ist ein Werkzeug. Ich kann mir eine Welt ohne Computer nicht mehr vorstellen, obwohl wir diese Welt noch kennengelernt haben. Es ist noch nicht lange her, dass man das Internet noch nicht in der Tasche bei sich hatte. Das Internet hat die Welt zusammengebracht. Das World Wide Web ist schon eine coole Sache. Ich kann Kontakte in England pflegen oder in Holland, was sonst nicht möglich wäre. Meine letzte Platte ist nur möglich geworden, weil wir Musiker uns innerhalb von Europa gegenseitig Audiodateien zugeschickt haben, an denen wir gearbeitet haben. Das war toll. Aber es wäre genauso toll gewesen, wenn wir alle zusammen für drei Wochen im Studio gewesen wären und hätten uns das alles in Echtzeit ausgedacht. Ich bin großer Internet-Fan. Aber es hat natürlich auch seine dunklen Seiten, da sehe ich als Vater genauer hin. Obwohl ich glaube, dass wir in unserem Zuhause, unserer eigenen kleinen Welt damit keine Probleme haben.

Welche drei Apps oder Internetseiten nutzen Sie am häufigsten?
Ich bin verhältnismäßig viel auf sozialen Netzwerken unterwegs, weil ich es für eine gute Idee halte, gute Ideen zu verbreiten. Diese Apps nutze ich viel. Ansonsten tagesschau.de, audible für Hörbücher und im Sommer die Navigations-App fürs Bootfahren.

Finden Sie Ihren Ausgleich zur Arbeit online oder offline?
Natürlich offline. Es gibt zwei Sachen, die mich vom Alltag richtig runterholen: Zum einen das Malen und Zeichnen. Ich versuche jeden Tag, etwas Kleines zu zeichnen oder zu malen. Und ich treffe mich einmal in der Woche mit Freunden zum Malen, währenddessen wir auch über alles Mögliche reden – über Künstler, Farbmischungen, Materialien. Ich male sehr viel in der Natur. Und damit verbinde ich gern auch mein zweites großes Hobby: auf dem Wasser sein. Ich male oft auf dem Boot oder hole mir Motive vom Wasser mit nach Hause. Letztes Jahr im Urlaub habe ich mein Stand-up-Paddle-Board zum Kanu umfunktioniert, bin die dänische Küste abgepaddelt und habe währenddessen die Küstenlandschaft skizziert. Das war sehr lustig. Und dann ist es natürlich auch die gemeinsame Zeit mit der Familie, die mich aus dem ganzen Wahnsinn wieder zurückholt. Das Gute ist, dass sich meine liebsten Beschäftigungen verbinden lassen, wir machen viel als Familie zusammen.

Und die Musik?
Da bin ich auch ganz bei mir – beim Proben und bei Auftritten. Beim Musikmachen. Mit der Bluesband proben wir einmal in der Woche und das ist toll. Und wenn Auftritte an-
stehen, dann probe ich natürlich auch vorher zu Hause.

Was ist der Unterschied zwischen dem Musiker und dem Maler?
Ich mache schon so lange Musik, da weiß ich, worauf es ankommt. Das ist gut gelerntes Handwerk, Gitarre spielen und singen. Richtig runterkommen, sozusagen die Ablenkung von der Ablenkung, ist das Malen. Zurzeit male ich extrem viel, das macht auch was mit dem Kopf.

Was halten Sie von KI in der Kunst, speziell in der Musik?
Das kann ich nicht einschätzen, weil ich damit noch keine Erfahrungen habe. Aber es ist ein Thema, dem wir uns stellen müssen. Im besten Fall ist es auch wieder ein Werkzeug, das es zu beherrschen gilt. Wenn es schlecht läuft, bekommen wir eine Stanislaw-Lem-Utopie. Ich habe keine Angst davor, aber ich sehe das mit Respekt. Wenn Leuten KI-basierte Musik ausreicht, um sie nebenbei zu hören, sich berieseln zu lassen, dann ist das ok. Ich glaube aber nicht, dass irgendeine KI Sinfonien schreiben wird, die die gleiche Kraft und Emotionalität wie die von Beethoven oder Bruckner haben. Keine KI wird irgendwann mal „Like a rolling stone“ oder „Let It Be“ schreiben können.

Wird KI also keine Konkurrenz für Songwriter sein?
Nein. Es wird möglicherweise ein Hilfsmittel sein. Eine Konkurrenz kann es nicht werden, weil man spüren wird, was nicht von Menschen gemacht wurde. KIs können vielleicht Songs schreiben in der Art wie Bob Dylan Songs schreibt, aber sie werden nie einen Bob-Dylan-Song schreiben können. Es wird nicht die Qualität haben.

Sie sind Initiator und Veranstalter der „Magdeburger Songtage, Festival für handgemachte Musik“. KI sehen Sie also nicht als Konkurrenz?
Nein. Das Erlebnis, Menschen auf der Bühne beim Kunst machen zu erleben, ist durch nichts zu toppen. Selbst die Leute, die sich Avatar-Shows anschauen, wie von ABBA, die wissen, dass sie nicht ABBA sehen, sondern sich eine technische Meisterleistung anschauen – sie sind schlau genug, das zu unterscheiden. Es geht nichts über ein bisschen Schweiß und Bühnenstaub bei Live-Konzerten.

Shoppen Sie lieber im Net oder ins Netz?
Ins Netz. Ich gehe sehr gern auf den Markt. Ich brauche das und finde es gut. Allerdings wünsche ich mir, dass es besser wird in Magdeburg.
Andere Städte machen es vor. Ich verstehe nicht, dass es nicht möglich ist, in Magdeburg einen vernünftigen Wochenmarkt zu organisieren. Wir haben einen so schönen Marktplatz. Ich kaufe sehr wenig im Internet. Manchmal lässt es sich nicht vermeiden, weil es einiges eben in Magdeburg nicht zu kaufen gibt. Das ist schade. Magdeburg ist Landeshauptstadt, es gibt aber nur ein einziges Musikinstrumentengeschäft und das am Stadtrand. Oder ich würde gern in einem vernünftigen Künstlerbedarf einkaufen.

Wie versenden Sie Urlaubsgrüße – Postkarte oder übers Handy?
Wir schreiben jedes Jahr Postkarten. Meistens muss unser Sohn schreiben und wir unterschreiben dann. Ich sende wenig Urlaubsgrüße. Lieber erzähle ich hinterher im Freundeskreis über den Urlaub. Es ist mein Urlaub, ich muss der Welt nicht zeigen, wo ich bin und was ich mache. Aber ja, vielleicht ist es eine gute Idee, wieder Postkarten zu schreiben. Das sollte ich vielleicht im nächsten Urlaub machen. Ja, das finde ich gut.

Vielen Dank für das Gespräch.

Birgit Ahlert