4. Ausgabe 2023 | Nr. 91

Auf ein Wort, Sabine Schramm

Moderne Kommunikationsmittel gehören heute für die meisten Menschen zum Alltag. Der SERVER befragt an dieser Stelle Prominente und/oder von berufswegen kommunikative Menschen, wie, wann und wofür sie diese benutzen. Heute: Sabine Schramm, neue Intendantin des Puppentheaters Magdeburg.

Sabine Schramm, Intendantin des Puppentheaters Magdeburg
Sabine Schramm, Intendantin des Puppentheaters Magdeburg

Was klingelt bei Ihnen zuerst – der Wecker oder das Handy?
Der Wecker im Handy.

Raschelt bei Ihnen noch die Zeitung oder lesen Sie online?
Beides. Ich bin ein haptischer Mensch. Wenn ich eine Zeitung habe, finde ich es schön, sie durchzublättern und mich über das Stadtgeschehen zu informieren. Wenn ich die Zeit habe, lese ich auch gern die Zeit.

Und wie informieren Sie sich über die Welt des Theaters?
Ich lese Fachliteratur und informiere mich über das Internet.

Wie wichtig ist Technik in Ihrem Leben?
Wenn ich das reflektiere, muss ich zugeben: Eine sehr große Wichtigkeit. Es ist manchmal erschreckend, wie abhängig man davon geworden ist. Habe ich das Handy dabei, schaue ich doch recht oft darauf, automatisch, ohne es zu wollen. Allerdings stelle ich es leise oder aus, wenn ich bei Proben oder Aufführungen bin – und vergesse manchmal, es danach wieder anzustellen. Oder ich lasse es im Büro liegen. Das merke ich dann erst am nächsten Tag. Es geht also auch ohne.

Ist die Digitalisierung für Sie eher Fluch oder Segen?
Generell mehr Segen, sie erleichtert vieles. Für die schnelle Kommunikation ist sie sehr nützlich, gerade im Beruf.
E-Mail ist das wichtigste Kommunikationsmittel geworden, da mehrere Leute gleichzeitig informiert werden können. Aber um Fragen zu klären, ohne lange hin und her zu schrei-ben, greife ich doch eher zum Telefon. Das spart dann wiederum Zeit. Auch bin ich gern im direkten Kontakt mit Menschen. Es hängt also immer vom Anlass ab.

Wie wichtig ist Technik im Puppentheater, welchen Einfluss hat sie?
Die Frage ist, wie weit der Begriff angelegt ist. Auch unsere Figuren sind kleine technische Wunderwerke. Licht- und Tontechnik sind seit langem eine Selbstverständlichkeit. Ansonsten bin ich eine große Verfechterin der analogen Kunst.

Sie nutzen beispielsweise aber auch Computer- und Videotechnik, wie in der aktuellen Inszenierung „100 Sekunden“ …
Ja, die Technik des Lebens findet immer mehr ins Theater. Da Theater das Leben widerspiegelt, das Wahrhaftige, müssen wir uns damit auseinandersetzen. Also spielen wir Theater mit verschiedenen Kommunikationsmitteln. Wir loten aus und schauen, welche Möglichkeiten sich uns bieten, in der Interaktion mit der Kunst auf der Bühne. In der FigurenSpielSammlung in der villa p. allerdings ist Technik mittlerweile umfangreich im Einsatz. Neben der Ausstellung von rund 1.200 Puppen aus den vergangenen Jahrzehnten gibt es die Möglichkeit, sich an Computerbildschirmen Eindrücke von früheren Aufführungen zu verschaffen oder Puppenspieler kennenzulernen. Das geschieht durch Videoeinspielungen, die von den Gästen der Ausstellung nach Wunsch und Interesse ausgewählt werden können. Außerdem gibt es neben den traditionellen schriftlichen Informationen an den Exponaten digitale Erklärungen, und das in verschiedenen Sprachen. Hier ist Technik also ein unabdingbarer Faktor, um aktuell und international zu sein.  

Sehen Sie das Puppentheater als analoge Alternative für Kinder zur Digitalisierung in ihrem Leben?
Ich weiß, dass es für die Entwicklung der Kinder wichtig ist, unterschiedliche Erfahrungen zu machen. Dazu gehört das Digitale ebenso wie das Analoge. Insofern sehen wir uns als Ergänzung. Es ist ein Unterschied, von etwas zu hören oder es am Computer zu sehen und es selbst zu erleben. Für Erlebnisse ist das Theater ein wichtiger Ort, und er wird es auch bleiben, davon bin ich überzeugt. Hier können die Kinder Erfahrungen sammeln, die sie sonst nirgendwo haben. So ist vielen nicht bewusst, dass wir sie auf der Bühne hören oder sie im Publikum sehen können. Wenn wir sie darauf ansprechen, sind sie ganz erstaunt. Das kennen sie von Bildschirmen nicht. Außerdem erzeugen Inszenierungen Emotionen, die es sonst nicht gibt. Es werden ganz andere Hirnregionen angesprochen. Es gibt Aktion und Reaktion, bestimmte Verhaltensweisen, das Rücksichtnehmen, auf das Geschehen auf der Bühne ebenso wie auf andere Besucher. Und dann ist da dieses Gefühl des Miteinander-Erlebens, worüber man sich auch austauschen kann. Das gibt es nur im Theater.

Wo finden Sie einen Ausgleich zur Arbeit – online oder offline?
Meine Freizeit verbringe ich lieber offline. Ich lese viel. Bücher sind meine einzige Sucht. Ansonsten gehe ich raus in die Natur, spazieren oder wandern. Das hat etwas Meditatives und ich genieße es. Da ich aus dem Oberbayrischen stamme, liebe ich die Berge. Die gibt es in Magdeburg nicht, aber schöne Spazierwege wie an der Elbe entlang.

Welche Technik nutzen Sie, Windows oder Apple?
Zuhause Mac und iPhone, im Theater den PC.

Welchen Einfluss haben Damen wie Siri oder Alexa in Ihrem Leben?
Darüber habe ich mir noch nicht viele Gedanken gemacht. Ich brauche so etwas nicht.

Wie halten Sie Erinnerungen fest – mit dem Fotoapparat oder Handy?
Wenn es qualitätsvolle Aufnahmen werden sollen, mit dem Fotoapparat. Allerdings haben viele Handys heute schon eine sehr gute Kamera integriert und sie ist schnell bei der Hand. Insofern: zunehmend mit dem Handy.

Shoppen Sie lieber im Net oder ins Netz?
Beides. Es ist zeitabhängig. Lieber kaufe ich offline, da ich es liebe, die Dinge anzufassen, die Qualität zu erspüren und auszuprobieren. Doch ich gebe zu, manchmal erliege ich auch den Online-Shops.

Weihnachten steht vor der Tür – wie versenden Sie Grüße zum Fest? Schreiben Sie Grußkarten oder Grüße übers Handy?
Sowohl als auch. Es kommt darauf an, für wen.

Frau Schramm, vielen Dank für das Gespräch – und Ihnen eine schöne Advents- und Weihnachtszeit.    

Birgit Ahlert