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60. Ausgabe, I. Quartal 2016

Die Verwaltung als Arbeitgeber ist besser als ihr Ruf

Wie die Agentur für Arbeit jungen Menschen einen Job im Rathaus schmackhaft macht

Bürgermeister von kleineren Kommunen und Verwaltungsgemeinschaften beklagen zunehmend Nachwuchsprobleme in den Rathäusern. Für junge Leute, so hört man häufig, sind Verwaltungsberufe nicht gerade attraktiv. Der Server sprach zum Thema mit Kristian Simon Veil, Pressesprecher der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen, und Jana Echternach, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit Magdeburg.

Bei einer Schülerbefragung von Neuntklässlern der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung NRW rangierten Verwaltungsberufe auf dem vorletzten Platz. Wie beliebt oder unbeliebt sind Verwaltungsberufe für Schulabgänger in Sachsen-Anhalt?

Kristian Simon Veil: Wir beobachten, dass der Ausbildungsberuf der Verwaltungsfachangestellten durchgehend unter den beliebtesten Ausbildungsberufen gerankt ist. Im vergangenen Jahr haben sich in Sachsen-Anhalt 316 Bewerber bei den Arbeitsagenturen und Jobcentern für eine solche Ausbildungsstelle interessiert.

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Kristian Simon Veil

Auf welchem Rang ordnen sich Verwaltungsberufe unter den beliebtesten Berufen für Schulabgänger in Sachsen-Anhalt ein?

Kristian Simon Veil: Auf Platz 6

Welche davon bzw. Einsatzorte in welchen Ressorts sind besonders beliebt bzw. unbeliebt?

Jana Echternach: Der Vorteil ist: Die Ausbildung sieht vor, dass man alle Bereiche durchläuft. Es kann also gut sein, dass man in der Ausbildung in verschiedenen Ämtern oder Dienststellen eingesetzt wird, um die Aufgaben und die Struktur der Verwaltung wirklich kennenzulernen. Insofern sieht der Tagesablauf während der Ausbildung immer mal wieder anders aus und man kann schon während der Lehrzeit herausfinden, in welchem Bereich man später arbeiten möchte. Das macht die Ausbildung auch umso interessanter und abwechslungsreicher.Was können Sie schneller als laufen?

Viele Bürgermeister, vor allem kleinerer Städte und Verwaltungsgemeinschaften, beklagen ein zunehmendes Nachwuchs-problem in den Amtsstuben. Gibt es einen Unterschied zwischen Ausbildungsplätzen und Jobaussichten in Bundes- und Landesverwaltung einerseits und den Stadt- und Gemeindeverwaltungen auf dem flachen Lande andererseits?

Kristian Simon Veil: Die Ausbildungswege sind sehr vielfältig. Das reicht von einer dualen Ausbildung über ein Duales Studium bis hin zu verschiedensten Beamtenlaufbahnen im mittleren oder gehobenen Dienst. Auf welcher Ebene man sich dabei bewirbt, ist eine Frage der regionalen Mobilität. In der Kommunalverwaltung hat man auch in ländlicheren Gebieten gute Chancen, eine Ausbildung in der Nähe aufzunehmen, auf Landes- oder Bundesebene konzentriert sich der Einsatz häufig in einem Ballungsgebiet, so dass sogar ein Umzug zum Ausbildungs- oder Studienplatz notwendig wird.

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Jana Echternach

Warum gilt der öffentliche Dienst in den Augen vieler junger Menschen zwar als verhältnismäßig sicher, aber eben auch als wenig innovativ und unflexibel?

Jana Echternach: Es gibt lang gehegte Klischees über und Ressentiments gegenüber Tätigkeiten im öffentlichen Dienst und der Verwaltung. Beamte in der öffentlichen Verwaltung sitzen demnach angeblich nur in staubigen Büros, sind total unflexibel, faul und immer unfreundlich. Dieses überkommene Bild hat mit moderner Verwaltungsarbeit aber nichts zu tun. Verwaltungen sind heutzutage extrem leistungsfähig, fachlich hervorragend, effizient und serviceorientiert. Man stelle sich das Leben in Deutschland ohne die öffentliche Verwaltung vor. Es würde lahmgelegt werden. Mit einer Ausbildung in der öffentlichen Verwaltung stehen jungen Leuten deshalb nicht nur viele Türen offen, sondern man kann einen sicheren Arbeitsplatz und ein vergleichsweise gutes Gehalt erwarten. Unsere Berufsberater klären junge Menschen über Karriereaussichten und Verdienstmöglichkeiten im öffentlichen Dienst auf.

Dennoch werden in den kommenden zehn Jahren allein aus Altersgründen mehr als eine Million der rund 4,6 Millionen Beschäftigte des öffentlichen Dienstes in Deutschland in den Ruhestand gehen (Quelle: dbb – beamtenbund und tarifunion). Lässt sich die Generation Y in dieser Größenordnung tatsächlich in deutsche Amtsstuben locken?

Kristian Simon Veil: Viele Arbeitgeber in der öffentlichen Verwaltung tun bereits jetzt viel dafür, als Arbeitgeber attraktiv zu sein und engagieren sich für ihre Mitarbeiter, schließlich stehen sie in Konkurrenz um den Fachkräftenachwuchs zu anderen Unternehmen. Attraktive Angebote im öffentlichen Dienst sind zum Beispiel Flexibilisierung der Arbeitszeit und etwa ein aktives Gesundheitsmanagement. Punkten können öffentliche Arbeitgeber aber sicher auch mit einem attraktiven Weiterbildungsangebot und Aufstiegsmöglichkeiten.

Wie bekommt man besser vermittelt, dass die Aufgaben auch im lokalen öffentlichen Dienst vielschichtig sind?

Jana Echternach: Für die Region ist es wichtig, dass die Jugendlichen einen Blick dafür bekommen, welche Branchen und Berufe in ihrer Heimat gefragt sind. Nur so können wir sicherstellen, dass die Fachkräfte von morgen den hiesigen Unternehmen erhalten bleiben. Aktionstage zur frühzeitigen Berufsorientierung, wie der jährliche „Tag der Berufe“ oder der „Girls‘Day“ bzw. „Boys‘Day“ bieten sich an, um Transparenz über das Ausbildungsangebot zu schaffen und die Berufe vorzustellen. Solche Berufsorientierungsveranstaltungen finden deshalb in den regionalen Betrieben statt. Um als Ausbildungsbetrieb bekannter zu werden, kann man z.B. an regionalen Ausbildungsmessen teilnehmen. Ein aktives Anbieten von Praktikumsplätzen in den verschiedenen Bereichen ist ebenfalls zu empfehlen. So können junge Menschen direkt in den Arbeitsalltag hineinschnuppern und herausfinden, welche Möglichkeiten sich ihnen bieten.

Auch unter den Abiturienten ist das Image der öffentlichen Verwaltung nicht das Beste. Laut der aktuellen Student Survey von Universum halten nur 15 Prozent der Studierenden in Deutschland die öffentliche Verwaltung als ersten Arbeitgeber für besonders attraktiv. Das ist verwunderlich – wenn man andere Studienergebnisse hinzuzieht: Über die Hälfte der Studierenden sprechen sich in Umfragen für die Karriereziele „Jobsicherheit“ und „Work-Life-Balance“ aus. Eigentlich müsste die öffentliche Verwaltung ein sehr begehrter Arbeitgeber für die Generation Y sein – warum aber ist sie es nicht?

Kristian Simon Veil: Die öffentliche Verwaltung ist ein beliebter Arbeitgeber. Wir haben viele junge Menschen, die sich für einen Verwaltungsberuf interessierten. Allerdings haben junge Menschen häufig keine Idee von der Vielfalt der Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten im Verwaltungsbereich. Daher gibt es in unseren Beratungsgesprächen häufig einen Aha-Effekt, wenn man den Jugendlichen Einstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten aufzeigt.

Die Vorstellung, das gesamte Berufsleben in derselben Abteilung zu verbringen, ist für Hochschulabsolventen nicht besonders attraktiv. Deshalb wird von Studenten oft die Nase gerümpft, wenn die Sprache auf den öffentlichen Dienst kommt. Zu Recht?

Kristian Simon Veil: Das würde ich so nicht sagen. Viele junge Menschen wissen, dass der öffentliche Dienst ein attraktiver Arbeitgeber ist. Denn Flexibilität und vertikale Mobilität werden im öffentlichen Dienst groß geschrieben. Denn oft zeichnen sich Arbeitgeber der öffentlichen Verwaltung gerade durch eine aktive Personalentwicklung aus. Innerhalb der Organisation gibt es oftmals vom Arbeitgeber finanzierte Weiterbildungsmöglichkeiten, um einen qualifizierten Aufstieg zu ermöglichen. Auch die Einsatzbereiche variieren, so dass auch unter verschiedenen Fachbereichen gewechselt werden kann. Wer also im Berufsleben vielfältige Perspektiven, gute Karrieremöglichkeiten und Sicherheit sucht, findet sie in einer Laufbahn in der öffentlichen Verwaltung.