57. Ausgabe, 2. Quartal 2015

Im Gespräch mit Prof. Dr. Ulrike Höroldt

Leiterin des Landeshauptarchivs Sachsen-Anhalt

Die Langzeitarchivierung digitaler Daten gilt als eine der größten Herausforderungen an die Informationsgesellschaft des 21. Jahrhunderts. Was sind die größten Probleme dabei?

Digitale Langzeitarchivierung verfolgt das Ziel, die in Verwaltungen, Bibliotheken, Hochschulen und anderen wissenschaftlichen Einrichtungen aufgebauten Ressourcen dauerhaft verfügbar und nachnutzbar zu halten und ggf. als historische Überlieferung für die Nachwelt zu erhalten. Die Daten müssen in einer Form archiviert werden, die nachträgliche Änderungen unterbindet und natürlich auf die jeweils aktuellen Datenformate umkopiert werden kann. Darüber hinaus ist der Datenschutz zu beachten, das heißt wir brauchen ein gesichertes Datenhosting, das auch die gesetzlichen Schutzfristen für Personen beachtet. Wichtig ist auch, dass bei der Anschaffung neuer Programme und Fachanwendungen z.B. in den Verwaltungen darauf geachtet wird, dass die Systeme eine Schnittstelle für Archivsoftware aufweisen. Generell aber kann niemand einen 100-Jahre-Plan aufstellen, da wir nicht wissen, wohin sich die technischen Möglichkeiten noch entwickeln werden. Aber wir müssen das Problem anpacken, und das tun wir ja auch in Sachsen-Anhalt. Das Land arbeitet zurzeit an einem neuen Landesarchivgesetz, das sich dem Problem stellt, und bereitet ein digitales Archiv vor.

Ist das nicht mit Blick auf Sachsen, wo es bereits ein digitales Archiv gibt, ein bisschen spät?

Sachsen beweist, dass es technische Lösungen gibt. Zu beachten ist aber auch, dass die Archivierung digitaler Daten nicht zum Nulltarif zu haben ist. Das digitale Archiv muss technisch und finanziell sorgfältig vorbereitet werden. Daran arbeiten wir zurzeit.

Man sagt, je höher die Datenflut, desto größer die Gefahr, dass der Blick für das Wesentliche verlorengeht. Wonach wird im Landeshauptarchiv das Material bewertet?

Unser Auftrag ist es zum einen, Behördenhandeln beispielhaft zu dokumentieren. Dazu gehört nicht das Aufbewahren zahlreicher Massenakten von Verkehrsdelikten, Gebührenbescheiden oder Gerichtsverfahren, sondern die Reduzierung auf exemplarische oder besondere Beispiele. Zum anderen spielen wichtige gesellschaftliche Phänomene und herausragende Ereignisse natürlich eine wesentliche Rolle. Wenn z. B. ein Ereignis wie die Flut von 2013 eintritt, dann ist schon vorstellbar, dass spätere Generationen wissen möchten, welche Schäden sie hervorgerufen hat und auch, wie die Verwaltung die Katastrophe gemanagt hat, welche Schlussfolgerungen gezogen wurden.

Wie archivieren Sie lieber: traditionell oder digital?

Es geht nie um persönliche Vorlieben, sondern um den archivarischen Grundsatz.

Und der lautet?

Archiviere immer in der Form, in der das Material entstanden ist.