Bargeldlos glücklich?
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60. Ausgabe, I. Quartal 2016

Bargeldlos glücklich?

Zwei Seiten des digitalen Zahlungsverkehrs

„Bargeld lacht“ – schmunzelt Oma, als sie ihren Not-Euro im Sparstrumpf versteckt. „Nur Bares ist Wahres“, finden Kellner, Friseure und andere, die auf die kleinen freundlichen Zuwendungen zufriedener Gäste und Kunden angewiesen sind. Doch mit all dem könnte bald Schluss sein. Denn immer wieder entflammen Diskussionen über eine bargeldlose Zukunft.

Volkswirte und Zentralbanker führen die Eindämmung der Schwarzarbeit, des Drogenhandels und der Korruption gegen das Bargeld ins Feld. Bewaffnete Überfälle auf Banken oder Geldtransporte oder das Knacken von Geldautomaten würde es nicht mehr geben. Kein Trinkgeld-Euro könnte am Fiskus vorbeigemogelt werden. Die Kosten für das Drucken von Scheinen und das Prägen der Münzen sowie für deren Auszahlung würden gespart.

Es ist ja auch sehr praktisch, das Parkticket per Handy zu lösen und an der Supermarktkasse mit der Girocard zu bezahlen. Der eine oder andere Konsument nutzt auch NFC-Smartphones (Near Field Communication) und Anbieter-Apps, die die Bezahlfunktion ihres Handys mit Rabattaktionen und Bonussystemen verknüpfen.

Wer nichts zu verbergen hat, kann bedenkenlos bargeldlos bezahlen, oder? Die Unterzeichner der „Volkspetition Bargeldverbot stoppen“ sehen das anders. Sie befürchten einen Angriff auf die freiheitlichen Bürgerrechte, während sich kriminelles Treiben nicht wirklich verhindern ließe. Clevere Räuber plündern Konten online, anstatt Banken zu überfallen und mit Geldkoffern zu flüchten. Geschäfte am Fiskus vorbei funktionieren notfalls auch mit Tauschgeschäften.

Während Ganoven neue Pfade betreten, würden „Normal-Bürger“ im Falle der Bargeldabschaffung ihrer Möglichkeit beraubt, sich bei Negativzinsen oder drohenden Bankencrashs ihr Geld bar auszahlen zu lassen, um ihre Ersparnisse zu retten. Auch Eltern, die ihren lieben Kleinen den Umgang mit Taschengeld vermitteln wollen, können auf Münzen und Scheine schlecht verzichten: Um den Umgang mit Geld zu begreifen, sollten Kinder welches in den Händen halten.

Außerdem würde es unmöglich werden, anonym und spurlos zu bezahlen. Selbst kleine Fehltritte wie die Currywurst während der Kohlsuppen-Diät oder die heimliche Kneipentour würden offenbar. Sogar das Aufsuchen einer öffentlichen Toilette wäre registriert. Das spontan dem Enkel überreichte Scheinchen müsste einer Überweisung weichen, der Preis für die Geburtstagsüberraschung würde kein Geheimnis bleiben können. Bewegungen, Gewohnheiten, Alltägliches und Absonderliches wären mit Betrag, Ort und Uhrzeit gespeichert, ohne Alterna-tive – na prima!

 

Autor: bek