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61. Ausgabe, 2. Quartal 2016

Das „fliegende Auge“ vom Hochschul-Campus

Multikopter im Einsatz für Bauplanungen und Storchenrettung

Für den 21. Mai hatten Michael Jakobi und Stefan Kiel vorsorglich schö-nes Wetter „beantragt“ – ohne Regen und störende Windböen, um dem Publikum auf dem Campus der Hochschule Magdeburg-Stendal Hochbildfotografie via Fesselballon und Multikopter zu demonstrieren. Anlass waren der Campus Day und die Lange Nacht der Wissenschaft in Magdeburg.

Das „fliegende Auge“ vom Hochschul-Campus
Stefan Kiel an der Bildkontrolle und Kamerasteuerung, Michael Jakobi steuert den Multikopter.

Auf seinem Laptop-Bildschirm lässt Michael Jakobi den Kletterturm im Elbauenpark um die eigene Achse drehen, nach vorn und zur Seite kippen. In mehreren Höhen hatte die Hochschul-Foto-Drohne nach vorgegebener Route den Turm umflogen, bestimmte Positionen eingenommen und so das Objekt rundum und in Draufsicht digital fotografiert. Die einzelnen Bilder wurden in eine 3D-Simulation umgesetzt.

Als Laboringenieure unterstützen Michael Jakobi und Stefan Kiel den Hochschul-Fachbereich Wasser, Umwelt, Bau und Sicherheit unter anderem fotografisch sowie mit Bild- und Tontechnik. „Vor 15 Jahren haben wir mit Stabfotografie angefangen“, berichtet Stefan Kiel. „Mit dem Ensemble aus Teleskopstab, WLAN-fähiger Kamera, Smartphone und einer kostenlosen App sind Aufnahmen aus bis zu 13 Metern Höhe möglich.“ Das genügt für viele Anwendungsfälle, aber nicht für alle.

Mit einem Fesselballon wurden Aufnahmen aus bis zu 100 Metern Höhe möglich. Drei Helfer, meist Studenten, halten die Leinen und bewegen den mit Helium gefüllten Ballon zu Fuß, während die dreh- und schwenkbare Digitalkamera vom Boden aus in den günstigsten Winkel zum Fotoobjekt gesteuert und der Auslöser betätigt wird. In einem Kooperationsprojekt mit der Akdeniz-Universität Antalya hatte der Fesselballon der Hochschule seinen ersten Auslandseinsatz bei archäologischen Ausgrabungen in der Türkei. „Es ist ein ruhiges, entspanntes Arbeiten“, sagt Michael Jakobi, „das Havarierisiko ist sehr gering.“ Andererseits werden immer vier Personen benötigt und jede Ballonbefüllung kostet rund 300 Euro.

Flexibler und mit geringeren laufenden Kosten einsetzbar ist ein Multikopter. Vor eineinhalb Jahren begannen die beiden Laboringenieure, die Teile zu besorgen und einen Hexakopter zu bauen. Das Fluggerät bringt es auf etwa 2,5 Kilogramm und kann bis zu 2 Kilogramm Last tragen. Die Kamera mit einem Objektiv mit Festbrennweite liefert eine hervorragende Bildqualität. Auch der Multikopter unterstützte bereits Archäologen-Teams, er überflog in Zusammenarbeit mit der Universität zu Köln Grabungsstätten in Italien. „Luftaufnahmen geben nicht nur einen Gesamtüberblick über das Areal, sie weisen auch anhand von Farbunterschieden von Boden und Bewuchs darauf hin, an welchen Stellen sich das Graben lohnen könnte“, erklärt Stefan Kiel.

Bei der Arbeit mit dem Multikopter ist die Anspannung größer als mit dem Fesselballon, denn ein Absturz könnte böse Folgen haben. Zudem ist die Akkureichweite aufgrund der Masse von Fluggerät und Kamera beim Einsatz auf zehn bis 15 Minuten begrenzt, dann muss am Boden gewechselt werden. Ein kleiner angebauter Ladestatuswarner gibt rechtzeitig das Signal, das Landemanöver einzuleiten. Ein dafür geeigneter freier Platz sollte dann in der Nähe sein.

Stefan Kiel und Michael Jakobi sind für die Steuerung der Fluggeräte geschult. Die zuständige Luftfahrtbehörde beim Landesverwaltungsamt in Halle hat ihnen die nötige „Allgemeine Aufstiegserlaubnis“ bis 100 Meter Flughöhe für „unbemannte Luftfahrzeuge“ erteilt. Haupteinsatzgebiet von Helium-Ballon und Multikopter ist die Heimatregion: Mit Hochbildfotografie unterstützen die Laboringenieure überwiegend Studentenarbeiten wie Bauplanungen oder die Dokumentation des Baufortschritts. Darüber hinaus können über An-Institute Dienstleistungen angeboten werden. Beim zuständigen Ordnungsamt oder bei der Polizei werden die Flüge zuvor angemeldet. Mit Hochbildfotografie wurde beispielsweise ein Teil der Sanierung des Barockschlosses in Groß Bartensleben (Landkreis Börde) dokumentiert. Bei den Geländeplanungen der Landesgartenschau 2018 in Burg ist die Foto-Drohne ebenfalls hilfreich. Aber auch das kommt vor: Zum Notfalleinsatz wurden Kiel und Jakobi nach Schermen (Landkreis Jerichower Land) gerufen, weil Storcheneltern ihr Nest auf einem alten Schornstein verlassen hatten. Der Blick durch das „fliegende Auge“ beruhigte die Gemüter: Auch die Jungstörche waren ausgeflogen.

Autor: bek