Rechenzentrum auf dem Weg zur nächsten Evolutionsstufe

Mit einem Großrechner (Mainframe), zentralen und dezentralen Servern in den Verwaltungsstandorten der Stadt Magdeburg, hat die Datenverarbeitung der KID klein angefangen. Die IT wurde zentralisiert und gegenwärtig laufen neben ca. 100 physikalischen Servern 300 virtuelle Server im modernen Rechenzentrum des kommunalen IT-Dienstleisters. Die Entwicklung geht weiter: ein zweites Rechenzentrum in der Landeshauptstadt ist im Bau.

Peter Nehl, Bereichsleiter Technik

„Stellen Sie sich vor, der Strom fällt aus, die komplette Rechentechnik bricht zusammen und in Sachsen-Anhalt kann niemand heiraten oder Änderungen des Personenstands eintragen lassen.“ Über das Rechenzentrum der KID Magdeburg wird das Fachverfahren AutiSta für 120 Kommunen – und damit nahezu alle im Land – zentral bereitgestellt. Peter Nehl, Bereichsleiter Technik, beschreibt das Szenario gelassen lächelnd. Denn es sind Vorkehrungen getroffen, damit genau das nicht passiert.

„Wir verfügen u.a. über eine redundante unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV), um kurzzeitige Stromausfälle für das gesamte Rechenzentrum zu überbrücken. Mit einer mit Schiffsdiesel betriebenen Netzersatzanlage und einem stets vorgehaltenen Treibstoffvorrat kann die Stromversorgung des Rechenzentrums für 72 Stunden autonom aufrechterhalten werden“, erklärt Thomas Heimburger, Leiter des Rechenzentrums. Regelmäßig wird das System getestet. Auch für andere Störungsfälle ist das Rechenzentrum gerüstet. „Wir setzen bei uns konsequent ein Informationssicherheitsmanagementsystem um, und sind seit 2004 nach der internationalen Norm ISO 27001 durchgängig zertifiziert. Der TÜV Rheinland prüft jährlich, wie wir Verfügbarkeit, Datenschutz und Sicherheit bei uns gewährleisten“, so Thomas Heimburger.
Seit 2006 befindet sich das Rechenzentrum der KID im Bereich des Alten Marktes. Die großen Fachverfahren und Anwendungen wie Finanzverfahren, Personalwesen, Soziales, Kfz und Führerschein liefen bis 2010 auf dem Mainframe, einem Großrechner. Sonstige Servertechnik war zum damaligen Zeitpunkt noch im gesamten Stadtgebiet verteilt.

Als die Landeshauptstadt Magdeburg alle Verwaltungsstandorte mit Lichtwellenleitern erschloss, konnten diese über ein geschlossenes Datennetz mit dem Rechenzentrum verbunden werden. Das war ein großer Fortschritt, aber die dezentralen Server hatten einen wesentlichen Nachteil: „Sie waren nicht jederzeit für uns zugänglich wie z. B. außerhalb der Öffnungszeiten der Verwaltungsstandorte“, sagt Peter Nehl. Das änderte sich mit der durchgängigen Bündelung der Rechen- und Speicherkapazitäten im Rechenzentrum am Alten Markt. So gehören dezentrale Server seit langem der Vergangenheit an.

Thomas Heimburger, Leiter Rechenzentrum

Für die gesamte Verwaltung der Landeshauptstadt Magdeburg, wie auch viele andere Kommunen, laufen Fachverfahren und Anwendungen über das Rechenzentrum. Auch das komplette Stadtnetz der Stadtverwaltung Magdeburg mit insgesamt 130 Kilometern Lichtleiterkabel sowie die Telefonie der Stadt werden von hier aus betrieben. Die großen Schränke aus der Zeit des Mainframe gibt es noch, doch sie wurden neu bestückt. Wie Kuchenbleche sind die Serverblades darin übereinander platziert. Insgesamt arbeiten auf 100 physikalischen Maschinen ca. 300 virtuelle Server. So wird die Hardware effektiv genutzt und die Ausfallsicherheit erhöht. „Zur Wartung können wir virtuelle Server von einer Maschine auf eine andere verlagern und so weitestgehend unterbrechungsfrei Updates aufspielen oder Hardware tauschen“, erklärt Thomas Heimburger.

Seit langem werden alle wichtigen Daten gespiegelt, das heißt sie werden zur Sicherheit in Kopie abgebildet. Noch mehr Sicherheit soll ein zweites Rechenzentrum zukünftig garantieren, das mehrere Kilometer vom Standort Alter Markt entfernt in einem städtischen Gebäude entsteht.

„Sollte unser Haus am Alten Markt zum Beispiel wegen eines Bombenfundes bei Bauarbeiten in der Nähe evakuiert werden müssen, hätten wir bei einer Störung keinen Zutritt“, sagt Peter Nehl. „Wir können dann am zweiten Standort eingreifen und die Verfügbarkeit der Basisdienste und -funktionalitäten sicherstellen.“ Wenn also in Sachsen-Anhalt eine Hochzeit ausfällt, dann bestimmt nicht wegen einer Störung im Rechenzentrum der KID.

bek