Zurück in die Zukunft

Wahrsager, Propheten und Schriftsteller: viele ihrer Visionen wurden Realität

In allen Epochen hat es sie gegeben: Propheten, Seher, Wahrsager, Zukunftsforscher, Sience-Fiction-Autoren. Mit den meisten ihrer Prophezeiungen lagen sie daneben, andere aber verblüffen mit ihrer Präzision. Der „Server“ hat die eindrucksvollsten Voraussagen zur Entwicklung der Technik zusammengefasst.

BASINGSTOKE, GROSSBRITANNIEN - 11. MÄRZ 2019: Der Gründer von Gravity Industries, Richard Browning, trifft die letzten Vorbereitungen, bevor der Pilot Ryan Hopgood das von ihm erfundene Jetpack demonstriert, indem er über den Boden fliegt.

Maharushi Bhrigu (ca. 1500-500 v. Chr.), Nostradamus (1503-1566), Jules Verne (1828-1905), John Elfreth Watkins Jr. (1852-1903), Edgar Cayce (1877-1945) oder Pater Pio (1887-1968). Sie alle stehen für wahr gewordene Prophezeiungen, deren Präzision uns heute frösteln lässt. Woher konnten sie ahnen, was zu ihrer Zeit schier unvorstellbar schien?

Nehmen wir John Elfreth Watkins Jr. Er veröffentlichte 1900 im „Ladies’ Home Journal“ einen persönlichen Blick 100 Jahre in die Zukunft. Der Text lässt den Leser von heute sprachlos zurück. Denn Watkins Jr. prophezeit darin, dass Fotos bald auf „telegrafischem Wege“ übertragen werden, womit er im Grunde die digitale Fotografie, die Datenübertragung und das Internet beschreibt. Er kann sich vor 119 Jahren sogar vorstellen, dass wir drahtlos rund um die Welt telefonieren werden. In seinem Text ist zu lesen, „dass ein Mann mitten im Atlantik mit seiner Frau zuhause in Chicago sprechen wird“. Heute wissen wir, was er im Sinn hatte – die Mobiltelefone. Zuweilen passen natürich die Begrifflichkeiten nicht. So war Watkins Jr. überzeugt davon, dass es in 100 Jahren bewegliche Bürgersteige geben wird. Nun ja, zumindest Rolltreppen und Laufbänder sind heute Alltag. Weiter prophezeit er die Verlagerung des Verkehrs weit oberhalb oder unter der Erde (U-Bahn), sagt Kriegs-Flugzeuge mit hochexplosiver Fracht, Panzer aus dickem Stahl, Züge ohne Kohle und Autos statt Pferdekutschen voraus. Und er malt sich sogar aus, dass in der Zukunft das Gemüse unabhängig von der Sonne in Gewächshäusern
herangezogen wird und Ultraschalluntersuchungen das Innere nach außen kehren.

Mit Jules Vernes Roman „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ beginnt die Ära der Science-Fiction- und Zukunftsromane. Der Meister legt vor und viele machen es ihm nach und erzählen wissenschaftlich angehauchte Geschichten, die in einer weit entfernten Zukunft spielen. Hin und wieder landen sie dabei erstaunlich genaue Volltreffer.

George Orwell (1903 - 1950) zum Beispiel. In seinem Roman „1984“ sagt er voraus, dass eine großflächige Überwachung von Regierungen kommen wird. Spätestens seit dem NSA-Skandal von 2013 wissen wir das auch.

Der amerikanische Autor Martin Caidin (1927-1997) erzählt in einem seiner 50 Romane, wie der Astronaut Steve Austin bei einem Zusammenstoß fast alle Gliedmaßen verliert – bis auf einen Arm. Ein Geheimdienst setzt ihm bionische Gliedmaße ein, die die Fähigkeiten menschlicher Arme und Beine weit übersteigen. Im November 2012 wird dem 31-jährigen Zac Vawter tatsächlich das weltweit erste bionische Bein eingesetzt.

Douglas Adams (1952-2001) beschreibt in seiner Science-Fiction-Reihe „Per Anhalter durch die Galaxis“ eine Kreatur namens Babelfisch. Wer sich die ins Ohr setzt, kann erleben, wie der Fisch jede Sprache der Welt in Echtzeit übersetzt. Nun, es ist keine Kreatur geworden, aber ein digitaler Translator. Moderne Geräte, wie z.B. „Travis“ oder „Mymanu“, bringen es bereits auf 80 Sprachen.

Der US-Autor Robert A. Heinlein (1907-1988) beschreibt in seinem Roman „Fremder in einer fremden Welt“ eine Art Wasserbett. Sieben Jahre nach der Veröffentlichung kommt es in den Handel.

Der Autor Ray Kurzweil (geb.1948) sagt 1990 voraus, dass noch vor dem Jahr 2000 ein Computer den besten Schachspieler der Welt besiegen wird. 1997 schlägt „Deep Blue“ von IBM Schachweltmeister Garri Kasparow.

Kapitän Nemo mit einem Sextanten auf seinem Unterseeboot Nautilus, Buch- illustration von 1869

Scifi-Autoren sind die Propheten unserer Zeit

Inzwischen haben wir einen Begriff für die „Sternendeuter“ von heute: Science-Fiction-Autoren. Ob Jules Verne, Aldous Huxley, Gene Roddenberry oder George Lucas – sie alle lassen uns einen Blick auf die Zukunft werfen. Was damals unvorstellbar schien, ist heute Realität.

Noch ein paar unglaubliche Beispiele gefällig?
104 Jahre bevor der erste Mensch seinen Fuß auf den Mond setzt, schreibt Jules Verne 1865 in „Von der Erde zum Mond“ von drei Amerikanern, die mit einem Raumschiff ins Weltall starten und auf dem Mond landen. Im nächsten Roman, „Reise um den Mond“, erklärt er die Effekte der Schwerelosigkeit ebenso realistisch wie den feurigen Wiedereintritt des Raumflugkörpers in die Erdatmosphäre und die Wasserung im Pazifik. Zufall oder nicht – Apollo 11 geht 1969 mit dem Piloten Michael Collins und den ersten beiden Mondbesuchern Neil A. Armstrong und Edwin E. Aldrin nur fünf Kilometer von dem Punkt entfernt nieder, den Verne ein Jahrhundert zuvor für seine Lunauten ausgesucht hat.

Als 1966 der Kommunikator in „Star Trek“ erstmals gezeigt wird, ahnt niemand, dass ein Klapphandy tatsächlich einmal existieren wird. 1989  kommt es auf den Markt und sieht dem Star Trek-Kommunikator verblüffend ähnlich.

Dass der Anzug von Tony Stark aus den „Iron Man“-Comics mal Realität wird, ist nur noch eine Frage der Zeit. Das US-Militär arbeitet unter dem Namen „Talos“ ebenso daran wie Hobby-Bastler Richard Browning, der sich seinen Fluganzug im Stile von Iron Man schon gebaut hat.

Als Jules Verne 1870 in „20.000 Meilen unter dem Meer“ ein U-Boot beschreibt, das komplett mit Strom angetrieben wird, gilt es als aberwitzige Phantasterei. Heute wissen wir, dass sich die „Nautilus“ von den Wasserfahrzeugen unserer Tage kaum unterscheidet.

In „Fahrenheit 451“ von Scifi-Schriftsteller Ray Bradbury ist von „Muscheln“ und „fingerhutgroßen Radios“ die Rede, die „einen elektronischen Ozean an Geräuschen, Musik und Gesprächen erzeugen, der an den Strand deines wachen Bewusstseins gespült wird“. Sie kommen den heutigen Bluetooth-Kopfhörern verblüffend nahe.

1914 schwant H. G. Wells, Autor von „Die befreite Welt“, nichts Gutes. Er beschreibt in seinem Roman fatalistisch eine Granate aus Uran, die „unbegrenzt explodiert“. Drei Dekaden später werden genau solche Bomben über Japan abgeworfen und kosten hunderttausenden Menschen das Leben. Wells Atombomben unterscheiden sich allerdings von denen in Hiroshima und Nagasaki eklatant – seine explodierten kontinuierlich für mehrere Tage, Wochen oder sogar Monate.

1964 das iPad vorausgesagt

Die Technologie von Autos mit „Roboter-Gehirnen“ sagt Isaac Asimov, Vater der Robotergesetze, schon 1964 vorher, nachdem er die damalige Weltausstellung besucht hatte. Nun, über 50 Jahre später, ist das selbstfahrende Auto in Technologiekonzernen wie Waymo, Tesla, Apple oder Google wichtiges Thema. Spätestens 2030 werden sie unser Leben bestimmen. „Die Kommunikation umfasst Bild und Ton“, heißt es in seinem Bericht. „Sie können die Person, mit der Sie telefonieren, sowohl hören als auch sehen. Der Bildschirm dient nicht nur dazu, um die Leute zu sehen, die Sie anrufen, sondern auch, um Dokumente und Fotos zu prüfen oder ein Buch zu lesen.“ Das ist nicht etwa der Werbetext für ein Smartphone, sondern ein weiterer Auszug des von Isaac Asimov veröffentlichten Essays. Wie gesagt: zu Papier gebracht vor 55 Jahren.

Der verstorbene Physiker Stephen Hawking ist einer der letzten berühmten Propheten. Er meint, dass die ersten Menschen in den nächsten 100 Jahren die Erde verlassen werden und dass in spätestens 1000 Jahren das Ende der menschlichen Rasse auf der Erde gekommen ist. Ob er Recht hat oder nicht, Hellseherei ist es beileibe nicht, wenn Science-Fiction-Romane oder Filme zum Teil real werden. Es ist nur eine Frage der stärkeren Beachtung tatsächlich eingetroffener Prognosen. Andreas Böhn, Literaturwissenschaftler am Karlsruher Institut für Technologie, sagt: „Zutreffende Voraussagen werden öffentlich viel mehr beachtet als solche, die nicht eingetroffen sind.“ Hellseher, Wahrsager, Propheten und Scifi-Autoren haben also tausendmal mehr danebengelegen als ins Schwarze getroffen.

Jules Verne: Vom Technikgläubiger zum Mahner

Andererseits hätte sich die moderne Raumfahrt ohne Vernes Visionen womöglich viel langsamer entwickelt. Denn der Autor hat sich stark an Naturgesetzen orientiert und oft über die gleichen technischen Probleme nachgegrübelt, die auch die Ingenieure des 20. Jahrhunderts meistern mussten. In seiner späten Schaffensphase wandelte sich Jules Verne jedoch vom Technikfanatiker zum Mahner und macht auf Umweltsünden seiner Zeit aufmerksam: In „Die Propeller-Insel“ prangert er die Dezimierung polynesischer Populationen durch eingeschleppte Seuchen an. In „Die Eissphinx“ warnt er vor der  Ausrottung der Wale und in „Das Testament eines Exzentrikers“ wandte er sich gegen die von der Ölindustrie verursachten Verschmutzungen. In  „Der Schuss am Kili-mandscharo“ wollen Vernes Helden den Neigungswinkel der Erdachse durch das Abfeuern einer Riesenkanone so verändern, dass die polaren Eiskappen schmelzen, um leichter an die Rohstoffe zu gelangen.

Wollte nicht Donald Trump gerade erst Grönland kaufen?

juj