59. Ausgabe, 4. Quartal 2015

Ein Mausklick für mehr Sicherheit

90 Arbeitsplätze im Dezernat II der Landeshauptstadt Magdeburg an Deeskalationssystem angeschlossen

Bisher ist nichts Gravierendes passiert und so soll es bleiben. In einigen anderen Ämtern und Behörden in der Landeshauptstadt Magdeburg hatte es im vergangenen Jahr einzelne unschöne Vorfälle mit Besuchern gegeben, das löste auch bei Mitarbeitern im Bereich Vollstreckung mulmige Gefühle aus. Dank der im August vom Kommunalen IT-Dienstleister KID Magdeburg installierten Deeskalationssoftware fühlen sich Teamleiterin Katrin Eichel und ihre Kollegen wieder sicherer.

Ihm steht das Wasser bis zum Hals, mit einer Benachrichtigung über eine Vollstreckungsmaßnahme in den zitternden Händen macht Max Mustermann seinem Ärger Luft. Die Stimme wird laut, der Wortwechsel mit der Mitarbeiterin aus dem Bereich Vollstreckung im Fachbereich Finanzservice des Dezernates II Finanzen und Vermögen nimmt an Unsachlichkeit und Schärfe zu. Doch plötzlich stehen drei Kollegen im Raum. Max Mustermann ist verdutzt, er hatte gar nicht mitbekommen, wie die Tür aufging. Das Erscheinen der Kollegen, die freundlich fragen, ob es ein Problem gibt, bringt ihn etwas zur Ruhe, im gemeinsamen Gespräch werden die Aggressionen weiter abgebaut.

Katrin Eichel, Teamleiterin Vollstreckung
90 Nutzer sind bisher an das Deeskalationssystem angeschlossen. Katrin Eichel, Teamleiterin Vollstreckung, kann sich an ihrem PC jederzeit informieren, wie viele Mitarbeiter im Ernstfall verfügbar sind und wie viele Plätze unbesetzt sind. Zu ihrem Bereich

Computersignal für Ohr und Auge

„Für ein solches Szenario ist Eskalationsstufe 1 vorgesehen“, erklärt Katrin Eichel. Ausgelöst wird sie mit einem Mausklick oder einem bestimmten Griff auf die Tastatur, ganz unauffällig und somit unbemerkt von dem aufgebrachten Besucher. Die Rechner in den Nachbarzimmern geben Signal – sowohl akustisch als auch visuell. Droht Max Mustermann handgreiflich zu werden, wird in gleicher Weise Eskalationsstufe 2 ausgelöst – mit einem intensiveren Alarmton. Die Mitarbeiter sind nun darauf eingestellt, gegebenenfalls Stadtordnungsdienst oder Polizei zu Hilfe zu rufen oder sich etwas anderes zur Entschärfung der Situation einfallen zu lassen.

Bisher sind ihrem Team solche Bedrohungs-Erlebnisse erspart geblieben. Und Katrin Eichel hofft, dass die Deeskalationssoftware nie eingesetzt werden muss.

„Aber die Gewissheit, dass sich jeder in einer solchen Situation sofort bei seinen Kollegen bemerkbar machen kann, gibt uns allen mehr Sicherheit.“

Den Anstoß, den „stillen Alarm“ zu installieren, hatten unter anderem aufklärende Informationen der Polizei zum Thema Deeskalation und zur Möglichkeit, als vorbeugende Maßnahme ein Alarmierungssystem einzurichten, gegeben.

Was Katrin Eichel und ihre Kollegen an der von der KID Magdeburg GmbH installierten Deeskalationssoftware begeistert, ist die Unkompliziertheit. „Das Programm wird beim Hochfahren des Computers automatisch aktiviert“, erklärt der zuständige KID-Mitarbeiter Wolf Hoffmann. „Nach jedem Start öffnet sich ein Fenster, das daran erinnert: Ein grünes Ikon befindet sich am unteren Bildschirmrand, das muss im Notfall nur angeklickt werden, damit sofort Hilfe kommt.“

Kurze Wege garantieren schnelle Hilfe

90 Nutzer im Fachbereich Finanzservice sind bisher an das Deeskalationssystem angeschlossen. Sie wurden nach Sachgebieten in fünf Alarmierungsgruppen eingeteilt. Zu Katrin Eichels Gruppe gehören 16 Kollegen, deren Büros alle an einem Flur liegen – das sind kurze Wege, die schnelles Eingreifen ermöglichen. Bei Systemtests hat sich gezeigt: Die Mitarbeiter sind sehr schnell zur Stelle. Ein Fenster, das an jedem PC-Bildschirm geöffnet werden kann, zeigt den Mitarbeitern, wie viele Arbeitsplätze insgesamt und in den jeweiligen Alarmierungsgruppen besetzt sind. Wird die festgelegte Mindestzahl von zwei Anmeldern unterschritten, wird der letzte Nutzer darüber informiert. In den Zeiten mit Publikumsverkehr sollte das nicht passieren, sagte Katrin Eichel, da seien die Büroetagen gut besetzt.

Kleine Kinderkrankheiten des Systems wurden im Pilotprojekt im Bereich Vollstreckung erkannt und kuriert. Bei Folgeprojekten könne so schon entsprechend vorgearbeitet werden, sagt Wolf Hoffmann. Sozialamt und Jugendamt haben bereits Bedarf angemeldet. „Einige Computer mussten erst einmal Updates durchlaufen, um die neue Software erkennen zu können“, berichtet er. „Die Nutzeranmeldung im Netz- und im Deeskalationssystem musste eineindeutig gestaltet werden, um falsche Zuordnungen bei Namensgleichheit zu vermeiden“, so der KID-Mitarbeiter.

Autor: bek