4. Ausgabe 2024 | Nr. 95

Vier Wege, eine Heimat

Internationalität bei der KID

Es ist ein gewöhnlicher Morgen in der KID Magdeburg GmbH. Dušan Zeremski beugt sich über seinen Bildschirm im Team Infrastruktur, während im Nachbarbüro Phuong Enzenbach Vertragsunterlagen prüft. In der Personalabteilung plant Marilena Nalli das nächste Bewerbungsgespräch, und im Serverraum lernt Egor Vorobiov die Geheimnisse der IT-Systeme kennen. Vier Menschen, vier Geschichten – und ein gemeinsames Ziel: die digitale Zukunft der kommunalen Verwaltungen in Sachsen-Anhalt mitzugestalten.

Dušan Zeremski fühlt sich nicht nur in Serbien daheim.

Von Serbien nach Sachsen-Anhalt – eine Geschichte der Neugier
„Ganz ehrlich, ich war einfach neugierig!“ Dušan Zeremskis Augen leuchten, wenn er von seiner Entscheidung erzählt, 2014 nach Deutschland zu kommen. Der IT-Sys-
temadministrator aus Serbien lacht heute über seine ersten Spracherfahrungen: „Wenn ich die Leute nicht verstand und sie bat, den Satz zu wiederholen, und sie dann genau denselben Satz wiederholten, nur langsamer – da stand ich wie ein Fragezeichen da.“ Doch Dušan ließ sich nicht entmutigen. Nach einem sechsmonatigen Intensivsprachkurs und ersten beruflichen Stationen in Dessau führte ihn sein Weg über ein Job-Portal zur KID. „Mein erstes Vorstellungsgespräch lief super, aber ich wurde nicht eingestellt“, erinnert er sich. „Einige Monate später, als ich bereits in Dessau angefangen hatte, rief mich die damalige Teamleiterin an und fragte, ob ich noch Interesse hätte. Ich habe sofort ja gesagt!“ Seit März 2016 ist er nun Teil des Teams Infrastruktur, wo er besonders die deutsche „Disziplin“ schätzt: „Man kann sich auf die Kollegen und das Arbeitssystem verlassen.“

Phuong Enzenbach erinnert sich gerne an Vietnam.

Vom Hörsaal zum Büro – Phuongs Weg zur deutschen Staatsbürgerschaft
Eine andere Geschichte erzählt Phuong Enzenbach. Die junge Vietnamesin kam vor acht Jahren für ihr Masterstudium nach Magdeburg. „Eine kleine Stadt ist günstiger als andere größere Städte“, erklärt sie pragmatisch. Doch der Weg war nicht einfach: Parallel zum Studium jobbte sie in Teilzeit und kämpfte sich durch Deutschkurse. „Nach zwei Jahren bin ich in der B2-Prüfung durchgefallen“, erinnert sie sich. „Aber ich habe nicht aufgegeben.“ Diese Ausdauer zahlte sich aus: Heute spricht sie fließend Deutsch auf C1-Niveau, arbeitet seit Juni 2023 im kaufmännischen Bereich und hat gerade einen ganz besonderen Meilenstein erreicht: „Im September habe ich die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten“, erzählt sie glücklich. Besonders bewegend für sie: Der Antrag lief über ein Online-Portal, das von der KID betreut wird. „Wie beeindruckend! Ich bin dankbar und stolz, Teil der KID zu sein.“

Marilena Nalli kann nicht auf ihren Mokka aus Italien verzichten.

Drei Monate wurden zu zehn Jahren – ein erfolgreich erreichtes Ziel
„Eigentlich war nur ein dreimonatiges Praktikum geplant“, lacht Marilena Nalli. Die Italienerin kam 2014 nach Magdeburg – und blieb. Ihr Vorteil damals: Sie hatte Deutsch bereits im Gymnasium gelernt. „Mein Lebensziel als Teenager war es, in Deutschland zu leben“, verrät sie. Heute bereichert sie als Personalmanagerin die KID mit ihrer interkulturellen Erfahrung. „Die Neugierde der Kollegen für meine Geschichte wirkt oft als perfekter Eisbrecher. Die häufigste Frage ist natürlich die nach der Pizza Hawaii“, schmunzelt sie. Ihre diplomatische Antwort: „Hauptsache, es schmeckt dir.“ Doch hinter dem Humor steckt eine tiefe Überzeugung: „Als internationale Mitarbeiterin habe ich mich nie‚ zur Seite gestellt‘ gefühlt.“

Egor Vorobiov trägt die Ukraine im Herzen bei sich.

Neue Hoffnung in schweren Zeiten – Egors Neuanfang
Die jüngste internationale Geschichte der KID begann erst vor kurzem: Egor Vorobiov, der vor zweieinhalb Jahren aus der Ukraine nach Deutschland kam, startete im August 2024 seine Ausbildung zum Fachinformatiker. „Die Grammatik und die Aussprache fallen mir noch schwer“, gibt er zu. Doch die Unterstützung seiner Kollegen macht ihm Mut.

Unsere internationalen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen sich mit Rat und Tat zur Seite.

Kultureller Austausch im Alltag
Im Büroalltag der KID verschmelzen die verschiedenen Kulturen ganz natürlich. Wenn Phuong selbstgemachte vietnamesische Sesambällchen zu ihrem Geburtstag mitbringt, werden sie von den Kollegen begeistert probiert. Marilena gibt Reisetipps für Italien, und alle lernen voneinander – sei es über Arbeitsweisen, Traditionen oder neue Perspektiven.

Gemeinsam eine neue Heimat gestalten
„Integration bedeutet nicht nur, eine Sprache zu lernen und sich anzupassen“, fasst Marilena zusammen. „Es bedeutet, Interesse für eine neue Kultur und Wille, sich zu verstehen und voneinander zu lernen.“ Diesem Gedanken folgt auch Dušans Rat an potentielle internationale Jobsuchende bei der KID: „Traut euch! Die Arbeitskollegen sind freundlich und immer hilfsbereit.“ Das Motto „hergekommen und hiergeblieben“ hat die KID auch auf der „hierbleiben“-Messe am 16. November 2024 in der Festung Mark präsentiert. Dort, wo sich über 90 regionale Unternehmen trafen, zeigte die KID, dass Internationalität auch erfolgreich am Arbeitsplatz umgesetzt werden kann. In der KID zeigt sich, wie internationale Mitarbeiter dazu beitragen, den Fachkräftebedarf des Unternehmens abzudecken. Und täglich beweisen Menschen wie Dušan, Phuong, Marilena und Egor, dass sie nicht nur ihre Fachexpertise einbringen, sondern wie sie auch durch ihren kulturellen Hintergrund und ihre Individualität zur Teamleistung des Unternehmens beitragen.

Lea-Sophie Schubert