4. Ausgabe 2023 | Nr. 91

Mit digitalen Tafeln in die Zukunft

Digitale Informationssysteme gehören an vielen Stellen schon zum Alltag – an der Bushaltestelle, im Einkaufszentrum, im Parkhaus. Auch im Konservatorium „Georg Philipp Telemann“ auf dem Nordabschnitt des Breiten Wegs in Magdeburg unterstützen seit einigen Monaten digitale Informationstafeln Verwaltung und Lehrende im Alltag.

Verwaltungsleiterin Mandy Werner-Beyreiß und Bastian Heyer (KID)

Die Idee zum Eintritt in die digitale Unterstützung des Lehrbetriebs gab es schon im Herbst 2021. „Bei einer Informationsveranstaltung bei der Magdeburger Bürgermeisterin und Beigeordneten für Kultur, Schule und Sport, Regina-Dolores Stieler-Hinz, haben wir erfahren, dass es EU-Fördergelder für Kultureinrichtungen geben wird, die bei der Digitalisierung helfen sollen“, erzählt Verwaltungsleiterin Mandy Werner-Beyreiß (Foto) im Rückblick. Der stellvertretende Leiter des Konservatoriums Roland Kähne hatte – nachdem er von dem Termin hörte – die Idee, im Konservatorium mehrere digitale Informationstafeln anzubringen, um im Sinne des Förderprogramms die kontaktarme Besucherbetreuung voranzubringen. Bei der Aussicht auf eine 100-prozentige Förderung von der Europäischen Union konnte das Konservatorium nicht nein sagen.

„Wir wussten, da können wir auch richtig was machen. Gerade in der Corona-Zeit haben wir gemerkt, wie wichtig digitale Unterstützung ist“,

ergänzt die Verwaltungsleiterin. Kurz vor Weihnachten 2021 wandte sie sich an die KID, um sich dort Unterstützung für das kommende Antragsverfahren zu holen. Das Prozedere der Antragstellung nahm mehrere Monate in Anspruch, Konzepte und Anträge gestalteten sich kompliziert. Vor dem Antrag auf Fördergelder bei der Investitionsbank musste erst noch ein Konzept beim Landesverwaltungsamt eingereicht werden, um die Möglichkeit zu bekommen, Fördergelder bei der Investitionsbank zu beantragen. Bastian Heyer (Foto) vom Bereich Kommunikation und Marktentwicklung bei der KID unterstützte die Vorgänge, und als im November 2022 endlich der Zuwendungsbescheid für die Fördergelder kam, waren alle Beteiligten froh. „Ich kann verstehen, wenn sich andere Kultureinrichtungen von dem wahnsinnigen Aufwand haben abschrecken lassen. Man muss wirklich unheimlich viel Energie in diese Anträge und Vergabeverfahren stecken, und ich bin froh, dass ich nicht vorher wusste, wie anstrengend das wird. Sonst hätte ich mich bestimmt mit Händen und Füßen dagegen gewehrt. Aber am Ende hat es sich gelohnt“, blickt Mandy Werner-Beyreiß zurück. Ohne die Fördergelder wäre die Anschaffung der Tafeln nicht möglich gewesen, weil der Haushalt des Konservatoriums dies gar nicht hergeben würde.

Eingebaut wurden die digitalen Tafeln im März 2023. „Nicht erst da hat es sich rentiert, dass wir schon ein vernünftiges Wlan im Haus hatten. Wir konnten die Tafeln gleich mit unserer Homepage füttern, sodass sie nicht nur einfach an der Wand hingen, sondern auch Informationen zu unserem Haus zeigen konnten“, sagt Mandy Werner-Beyreiß. Mittlerweile hat sich gezeigt, dass gerade die Kinder im Haus überhaupt gar keine Berührungsängste haben. „Am Anfang habe ich immer mal wieder auch YouTube und andere Seiten auf den Tafeln gefunden, inzwischen wird unsere Internetseite im Kiosk-Modus angezeigt, sodass man nicht auf andere Seiten gehen kann.“ Die Besucherinnen und Besucher müssen nun nicht mehr die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oder das Lehrpersonal in der Verwaltung ansprechen, sondern können einfach an die Tafeln gehen und Informationen zum Konservatorium recherchieren: Angebote für die verschiedenen Altersgruppen, Lehrkräfte und Veranstaltungen können so direkt gelesen werden.

Eine der Tafeln befindet sich direkt im Eingangsbereich im Erdgeschoss, eine im Atrium und jeweils eine an den Konzertsälen. So können Informationen direkt dort eingespielt werden, wo sie gerade wichtig sind. Eine fünfte befindet sich im mittleren Geschoss der Außenstelle am Thiemplatz im Magdeburger Stadtteil Buckau.

„An den Konzertsälen können wir beispielsweise die Programme aufspielen und so gedruckte Programme einsparen. Einer unserer Musiklehrer hat eine Tafel auch schon genutzt, um Eltern Videos ihrer Kinder im Musikunterricht zu zeigen. Das hat wirklich für Begeisterung gesorgt“,

erzählt Mandy Werner-Beyreiß.

Eine Herausforderung für das Projekt war allerdings die Lieferzeit der Tafeln, auf die naturgemäß weder KID noch Konservatorium Einfluss hatten. „Zum Glück hat es noch geklappt, die Tafeln vor dem Ende des Förderzeitraums einbauen zu lassen“, sagt Bastian Heyer. Der Knackpunkt war eine kleinere Tafel, die für den Konzertsaal in der ersten Etage bestimmt war, deren Lieferzeit beinahe problematisch geworden wäre. „Da habe ich wirklich gezittert, aber im Zweifelsfall hätte ich lieber Mut zur Lücke gehabt als auf die Fördergelder zu verzichten“, sagt die Verwaltungsleiterin. Rund 60.000 Euro haben die fünf Tafeln mit Einbau gekostet. Mandy Werner-Beyreiß ist von der Zusammenarbeit mit der KID immer noch begeistert:

„Ich bin von Hause aus kein IT-Experte und ich bin wirklich froh, dass wir als Konservatorium mit der KID einen Partner an unserer Seite haben, bei dem wir uns das Fachwissen abholen können. Trotz des Zeitdrucks, den wir durch die Vorgaben des Fördergeldverfahrens hatten, haben wir gut zusammengearbeitet.“

Gesteuert werden die digitalen Informationstafeln über ein browserbasiertes Software-Portal, über das die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Konservatoriums die einzelnen Tafeln anwählen und den Inhalt individuell gestalten können. Mandy Werner-Beyreiß schmunzelt: „Alles, was wir dafür brauchen, ist eine stabile Internetverbindung. Das kann ich hier aus dem Büro machen oder theoretisch auch aus dem Urlaub vom anderen Ende der Welt, genau wie meine Kollegin, die federführend damit betraut ist. Einfacher geht es nicht.“

Doch bei aller Leidenschaft für die digitalen Aspekte im Konservatorium im Nordabschnitt des Breiten Wegs: Das Hauptgeschäft, der Musikunterricht, läuft nach der Corona-Pandemie wieder im direkten Unterricht von Mensch zu Mensch. „Na klar nutzen wir auch da ab und zu Möglichkeiten, online zu unterrichten, wenn eine Lehrkraft, ein Schüler oder eine Schülerin etwas angeschlagen ist, aber den Unterricht nicht ausfallen lassen mag, ist die Online-Variante eine gute Alternative. Aber sonst sind wir zurück im Präsenz-Modus, das ist unsere größte Kompetenz“, sagt die Leiterin der Verwaltung. Seit geraumer Zeit gibt es noch das Fach „Digital Music Creation“, das online stattfindet und in dem junge Menschen lernen, wie man Musik am Computer kreiert.

Für die Zukunft ist geplant, die tagesaktuellen Raumpläne auch auf die Tafeln zu legen.

„Dann können unsere Schülerinnen und Schüler gleich beim Betreten des Konservatoriums sehen, in welchem Raum ihr Lehrer oder ihre Lehrerin an diesem Tag unterrichtet. Wir erobern uns nach und nach die Möglichkeiten, die uns diese Tafeln bieten“,

sagt Mandy Werner-Beyreiß. Bis dahin werden wohl immer wieder kleine Menschen mit ihren Eltern und Großeltern davorstehen und den interaktiven Inhalt der Infotafeln erkunden.

Ariane Amann