56. Ausgabe, 1. Quartal 2015

Selbstbewusste Kreisstadt Burg will ihre IT zukunftssicher aufstellen

Das Herz der KITU – Der Erfahrungsaustausch

Burg ist eine selbstbewusste Stadt. Vor 132 Jahren wurde hier die mühsame Schuhmacherei mit Einzelstücken über den Leisten gekehrt und zur Serienreife mit Massenproduktion katapultiert. Heute ist die Stadt knackend mit „Burger Knäcke“ oder mit Hasa-Pizza in aller Munde. Auch Burger Küchen gehören zum Selbstverständnis einer Stadt, dessen Roland-Standbild vor Kraft und Gesundheit strotzt. Noch nicht ganz so fit ist die Stadtverwaltung in Sachen IT. „Unser technischer Stand ist akzeptabel, aber wir brauchen einen Schub nach vorn“, meint Bürgermeister Jörg Rehbaum (SPD) und wirbt im Stadtrat erfolgreich für den Beitritt seiner Stadt zur KITU.

Jörg Rehbaum zieht sich regelmäßig den Ärger seiner Gattin zu, denn abends checkt er gern seine E-Mails anstatt mit ihr den 20:15-Uhr-Spielfilm zu genießen: „Ich will mir Zeit nehmen für die Beantwortung der Mails und sie nicht nebenbei in der Tageshektik mit Stichpunkten abarbeiten.“ Auf Facebook hat der Bürgermeister seinen eigenen Account und mischt schon mal mit offenem Visier mit, wenn die Burger allzu heftig über öffentliche Angelegenheiten diskutieren. So frisch und munter wie der Bürgermeister mit Tablet und Smartphone hantiert, möchte er gern auch seine Verwaltung sehen. Doch nicht alle Blütenträume reifen:

„Wir haben zwar einen akzeptablen technischen Stand, aber wir müssen uns in der Zukunft neu aufstellen, um mit sinkenden Personalstärken und geringerer Finanzausstattung dem Bürger und den Abgeordneten mehr Service bieten zu können. Das geht nur, wenn uns moderne Informationstechnologie händische Arbeit abnimmt.“

Und dabei scheint Jörg Rehbaum sehr genau zu wissen, wo er ansetzen muss: „Wir brauchen anwenderfreundliche Finanzsoftware, ein funktionierendes Dokumenten-Management-System, die e-Postbox, das elektronische Meldeportal oder die Elektronische Vergabe – alles Themen, wo uns modernes eGovernment Zeit und Arbeit abnehmen kann. Darüber hinaus wünschte ich mir lieber heute als morgen ein internetbasiertes (Voice over IP) und damit gebührenfreies Telefonsystem in der Verwaltung.“

Jede Menge Baustellen für Burg. Zu viele, um sie ganz allein und schon gar nicht alle auf einmal zu beackern. Nicht mal mit vier IT-Administratoren. Rena Liedtke, Abteilungsleiterin Beteiligungsmanagement und Controlling im Rathaus, ist sich mit ihrem Chef einig, dass Burg Hilfe von außen braucht: „Die beste Variante war es für uns, der Kommunalen IT-UNION beizutreten. Als Mitglied der Genossenschaft haben wir Zugriff auf effektive, effiziente und zukunftssichere IT-Dienstleistungen. Allein die Frage, was technisch derzeit nötig und möglich ist, überfordert uns angesichts der wachsenden Komplexität der IT.“

Jörg Rehbaum, Bürgermeister Burg
Jörg Rehbaum, Bürgermeister Burg

Und so beschloss der Burger Stadtrat im November des Vorjahres einstimmig den Beitritt der Ihlestadt zur KITU per 1. Januar 2015. Finanziell hat das die Stadt nicht viel ärmer gemacht – 5.000 Euro Anteile (die bei Austritt zurückgezahlt werden) und 1.200 Euro Jahresbeitrag. Dafür gibt’s etwas gratis, was Jörg Rehbaum als das „Herz der KITU“ bezeichnet, und zwar den Erfahrungsaustausch: „Zu erfahren, welche Probleme andere Kommunen mit ihrer Hard- oder Software haben und wie sie hier oder dort gelöst worden sind, ist ein Riesenvorteil der Genossenschaft. Dieses Netzwerk ist unbezahlbar. Inzwischen muss man ja nicht mal mehr ins Auto oder in den Zug steigen, sondern kann sich vom Schreibtisch aus im KITU-Portal in thematischen Arbeitsgruppen Rat und Hilfe holen. Meine Erfahrung in diesem Chatroom der KITU-Kommunen ist, dass viele Probleme, die wir gerade wälzen, andere schon hinter sich haben.“ Darüber hinaus bietet die KITU themenbezogene Arbeitskreise an, in denen Vertreter der Kommunen ihre Erfahrungen zu aktuellen Entwicklungen und eingesetzten Programmen austauschen können. Solche Arbeitskreise gibt es u. a. zum e-Vergaberecht, zum neuen Kinderförderungsgesetz oder zum digitalen Dokumentenmanagementsystem.

In Zeiten klammer Haushalte mit hohen Schuldenständen sind Kommunen wie Burg daran interessiert, notwendige Investitionen möglichst klein zu halten. Dazu gehört auch neue Hard- oder Software in den Amtsstuben. Durch die Mitnutzung größerer Strukturen beim IT-Einkauf lässt sich eine größere Effizienz erreichen, ist sich Jörg Rehbaum sicher: „Es ist ja ein Unterschied, ob Burg 25 neue PCs oder Laptops kauft, oder ob die KITU 250 davon für viele Kommunen ordert. Und das auch noch erfreulich kurzfristig und unbürokratisch.“

BURG - Kreisstadt des Jerichower Landes

Zur Stadt Burg gehören drei Stadtteile, sechs eingemeindete Ortschaften und fünf Wohnplätze.
Burg hat 23.557 Einwohner. Die Stadt hat inklusive Erzieher(innen) rund 300 Mitarbeiter, davon etwa 100 in der Kernverwaltung und insgesamt ca. 200 PC-Arbeitsplätze. Den kommunalen IT-Bereich betreuen vier Administratoren vor Ort.