56. Ausgabe, 1. Quartal 2015

Elsteraue will aus der KITU-Mitgliedschaft Mehrwert schöpfen

Kleine Gemeinde findet Platz in großer Gemeinschaft

Ganz im Süden Sachsen-Anhalts liegt ein idyllisches Fleckchen Erde, das von der Weißen Elster mit einer breiten Aue durchzogen wird. Hier, im Dreiländereck von Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen, geht man die Dinge etwas ruhiger an als anderswo. „Ganz vorn“ lassen die „Elsterauer“ ganz gern andere gehen. Doch ganz hinten will man auch nicht marschieren. Um technisch auch künftig auf der Höhe der Zeit zu sein, hat sich die kleine Gemeinde nun entschlossen, Teil eines großen Netzwerkes zu werden. Von der KITU erhofft sich Bürgermeister Manfred Meißner einen unbezahlbaren Erfahrungsaustausch und moderne Kommunikationstechnik zum kleinen Preis.

Manfred Meißner, Bürgermeister Elsteraue
Manfred Meißner, Bürgermeister Elsteraue

Zehn Gemeinden machten im Sommer 2003 gemeinsame Sache: Jeder Ort gab ein bisschen Selbständigkeit auf, um die Zukunft in der Gemeinschaft zu sichern. Die Gemeinde Elsteraue war geboren. „Klein, aber fein“, bezeichnet Bürgermeister Manfred Meißner seine Heimat. In Elsteraue kennt man sich gut, man grüßt sich auf der Straße und weiß eine Menge vom anderen. Wer da eine Angelegenheit mit der Verwaltung zu erledigen hat, geht lieber ins Rathaus als ins Internet. Dort trifft man immer jemanden mit einer Neuigkeit ...

Und doch bietet die Gemeinde-Homepage (www.gemeinde-elsteraue.de) Online-Fans eine Menge an Formularen, Dokumenten und Anträgen. Ein Service, den das kleine Elsteraue einer Entscheidung von vor fünf Jahren zu verdanken hat, als man sich einen IT-Experten ins Haus geholt und fest eingestellt hat. „Technisch sind wir auf einem ganz ordentlichen Stand“, sagt der Bürgermeister, doch er weiß auch, dass dieser Zustand auf Dauer nicht so bleibt:

„Wir würden schon ganz gern ein Dokumentenmanagement-System einführen, um die Abläufe zu vereinfachen und weniger Papier zu produzieren.“

In der Verantwortung von Sieglinde Wand, Fachbereichsleiterin Innere Verwaltung, liegt auch die Kommunikationstechnik der Verwaltung mit rund 100 Mitarbeitern, von denen 31 in der Kernverwaltung arbeiten: „In dieser Funktion habe ich immer mal wieder Einladungen von der KITU aus Magdeburg bekommen. Das hat mich interessiert, weil man von den angebotenen Vorträgen, Seminaren oder Infoveranstaltungen ja nicht dümmer wird. Also bin ich da mal hingefahren und habe mir das angehört.“ Und dabei machte Sieglinde Wand eine interessante Erfahrung: „Ich traf Kollegen aus anderen Verwaltungen, die die gleichen Probleme hatten wie wir oder sogar schon gelöst hatten. Beinahe jede Kommune hat ja zig IT-Firmen, von denen sie betreut wird. Hinzu kommt mannigfaltige Software. Und dann passiert fast überall, was passieren muss: An den Schnittstellen klemmt es, die verschiedenen Programme passen nicht zusammen.“

Nach einem solchen Termin in der KITU-Genossenschaft eilt sie zu Bürgermeister Manfred Meißner und schwärmt ihm von der Gemeinschaft Gleichgesinnter vor. Der lässt sich nicht nur anstecken, sondern erkennt sofort die Vorteile und bringt eine Beschlussvorlage zum Beitritt seiner Gemeinde in die Genossenschaft auf den Weg. Einige Ausschusssitzungen später entscheidet der Gemeinderat am 9. Oktober 2014: Elsteraue wird KITU-Mitglied. Seit 1. Januar 2015 ist es offiziell.

Seitdem hat Manfred Meißner eine Sorge weniger: „Ich weiß Profis an meiner Seite, die mir helfen, IT als zentrales Instrument unserer Arbeit sinnvoll einzusetzen. Ich halte moderne IT ohnehin für unsere einzige Chance, den Erwartungen der Einwohner und Unternehmer an die Dienstleistungsqualität der Gemeinde angesichts rückläufiger Bevölkerungs- und demzufolge Mitarbeiterzahlen zu entsprechen.“ Der Bürgermeister hat „ein gutes Gefühl im Bauch“, dass seine Gemeinde aus der KITU-Mitgliedschaft einen Mehrwert für sich generieren kann: „Allein die finanziellen Vorteile, die wir aus gemeinsamen Ausschreibungen mit anderen KTU-Mitgliedern ziehen können, sind beachtlich.“ Ganz abgesehen davon, dass kleine Gemeinden wie Elsteraue nie und nimmer allein den am 2. Juni 2006 von Bund und Ländern verabschiedeten Aktionsplan „Deutschland-Online“ umsetzen können: „Allein sechs der Vorhaben sind mit Priorität auch in den Kommunen umzusetzen. Wir kriegen ja eine ganze Menge hin, aber das hier ist für uns ohne Hilfe von Profis beim besten Willen nicht zu stemmen.“

Da geht es Elsteraue wie allen anderen Verwaltungen: IT gehört nun wahrlich nicht zu ihren Kernkompetenzen.

ELSTERAUE

Gegründet am 1. Juli 2003 aus zehn Gemeinden
(Bornitz, Draschwitz, Göbitz, Könderitz, Langendorf, Profen, Rehmsdorf, Reuden, Spora und Tröglitz).
Sitz der Verwaltung: Alttröglitz
Einwohner: 8.500 (beim Zusammenschluss noch 10.000)
Fläche: 80 km²
Mitarbeiter: 100, davon 31 in der Kernverwaltung.
Öffentliche Einrichtungen:
1 Sekundarschule
2 Grundschulen
6 Kindertagesstätten
ca. 50 Vereine