3. Ausgabe 2024 | Nr. 94

Schritt für Schritt zum digitalen Rathaus

Haldensleben ist Pilotkommune für OpenR@thaus

Wer einen Führerschein beantragen, einen Kitaplatz anmelden oder einen neuen Personalausweis in Auftrag geben will, der musste in der Vergangenheit oft viel Zeit in den Wartebereichen von Ämtern verbringen. In vielen Orten ist das nach wie vor so. Doch immer mehr dieser Leistungen können übers Internet angeschoben werden: Elterngeld oder Meldebescheinigung beantragen, Wohngeldantrag abgeben – mit ein paar Klicks ist das in vielen Gemeinden bereits möglich und vom Bund auch gewollt. Das Onlinezugangsgesetz verpflichtet die Kommunen, ihre Verwaltungsleistungen auch digital anzubieten.

Haldensleben hat schon einige Schritte auf dem digitalen Weg zurückgelegt. Über verschiedene Anwendungen können Meldebescheinigungen beantragt werden, Termine übers Internet vereinbart, das Gewerbe an- oder umgemeldet werden. Auch die Anmeldung zur Grundschule oder die Meldung von Fundsachen sind inzwischen möglich. Haldensleben baut sein Angebot an Online-Leistungen schrittweise weiter aus. Seit 2017 können Personenstandsurkunden nicht nur online bestellt, sondern auch bezahlt werden. Das spart den Bürgerinnen und Bürgern jede Menge Zeit. Sie können Behördengänge bequem digital von zu Hause aus erledigen. Es gibt weniger Wartezeit, manch ein Weg fällt ganz weg. 2020 bemühte sich die KID darum, ein Bürgerserviceportal mit einer Schnittstelle zum Landesportal, zum Formularserver und einer Online-Terminvereinbarung aufzubauen. Eine erste Demoversion stand ein Jahr später – allerdings noch ohne Rückkanal für ein Postfach. Was hier fehlte, war die konsequente Verknüpfung mit den Sachbearbeitern in der Verwaltung. In naher Zukunft will Haldensleben mit Open-R@thaus arbeiten, einem Produkt der ITEBO Unternehmensgruppe. Ronny Kirchner ist bei ITEBO Bereichsleiter Digitalisierung. Er betreut und berät die Kreisstadt.

Ronny Kirchner ist bei ITEBO Bereichsleiter Digitalisierung

„Wir beschäftigen uns seit nunmehr 20 Jahren mit den Technologien und Anforderungen rund um das Thema E-Government und stellen entsprechende Services zur Verfügung“,

blickt Ronny Kirchner zurück. Mit dem Bürgerportal Open-R@thaus bietet ITEBO schon seit 2016 effiziente papierlose Online-Prozesse, die mit Schnittstellen zu Fachverfahren, Dokumentenmanagementsystemen und Basisdiensten ausgebaut werden können. Um das immer größer werdende Paket anbieten zu können, laufen im Hintergrund für den Bürger unbemerkt Prozesse, die mitunter hochkompliziert sind. Andreas Radeck aus der Stabsstelle Digitalisierung in der Haldensleber Stadtverwaltung erklärt:

„Bei einem Onlinedienst werden nicht einfach nur Daten von A nach B geschickt. Datenschutzrichtlinien und Sicherheitsstandards müssen beachtet werden. Außerdem werden an verschiedenen Stellen eines Prozesses Daten von einem System an das andere übergeben. Dazu sind sogenannte Schnittstellen erforderlich, die entweder bereits existieren oder programmiert und auch gewartet werden müssen. Das alles kostet natürlich Geld und braucht Zeit.“

Andreas Radeck aus der Stabsstelle Digitalisierung in der Haldensleber Stadtverwaltung

Die größte Herausforderung bei der Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes: Die Verwaltung muss elektronisch arbeiten, interne Prozesse müssen neu organisiert werden.

„Ziel ist ein Bürgerkonto mit zentraler Abwicklung und Kommunikation an einer Stelle“,

erklärt Andreas Radeck.

„Jeder Bürger soll solch ein Konto bekommen, wo alles zusammenläuft, auch Prozesse, für die Landkreis, Land oder Bund zuständig sind.“

In einer weiteren Ausbaustufe können bspw. die Steuerbescheide im Bürgerkonto zum Abruf bereitgestellt werden. Ebenso können Bürgerinnen und Bürger ihre Bankdaten aktualisieren und offene Zahlungen begleichen. Bei Marcel Pessel laufen in der Stabsstelle Digitalisierung der Stadt seit 2022 alle Fäden zusammen.

Marcel Pessel, Stabsstelle Digitalisierung der Stadt Haldensleben

In einer weiteren Ausbaustufe können bspw. die Steuerbescheide im Bürgerkonto zum Abruf bereitgestellt werden. Ebenso können Bürgerinnen und Bürger ihre Bankdaten aktualisieren und offene Zahlungen begleichen. Bei Marcel Pessel laufen in der Stabsstelle Digitalisierung der Stadt seit 2022 alle Fäden zusammen.

„Das klingt einfacher als es ist“,

umreißt es der Leiter der Stabsstelle.

„In manchen Bereichen ist zum jetzigen Zeitpunkt eben immer noch Papier erforderlich“,

fügt er lächelnd hinzu. Voraussetzung dafür, dass die Verwaltung digital arbeitet, ist, dass sie digital aufgebaut ist. „ITEBO orientiert sich mit ihren Angeboten an dem, was der Bürger kennt“, erklärt Ronny Kirchner und nennt als Beispiel das Kundenkonto bei Amazon oder Zalando. Auf den ersten Blick ähneln sich die Fenster, über die man sich in die Portale einloggt. Klickt man sich in sein Konto hinein, zeigt Ronny Kircher, erscheinen dort die Aufträge und ihr Bearbeitungsstand. Die Seiten, die sich für den Benutzer öffnen, sind absichtlich einfach gehalten. Das geht bis hin zur Bezahlung: Hier können verschiedene Bezahlvarianten wie z. B. Überweisungen per Kredit- oder EC-Karte, Banküberweisung oder Paypal ausgewählt werden. Auch in Haldensleben ist die Bezahlung per Paypal inzwischen angeschoben und soll demnächst kommen – so, wie es Nutzerinnen und Nutzer von anderen Portalen kennen.
Insgesamt hat ITEBO ein Paket geschnürt, in dem für Gemeinden und Landkreise über 200 Einzelleistungen gebündelt sind. Je nach Wunsch können sie zusammengestellt werden. In Haldensleben wird das OpenR@thaus frühestens Anfang 2025 an den Start gehen. Was in der digitalen Stadt von morgen möglich ist? Ronny Kirchner hat da konkrete Vorstellungen: „Herr Schmidt bekommt eine Push-Nachricht auf sein Smartphone. Die App seiner Stadt erinnert ihn daran, dass es Zeit ist, die Hundesteuer zu begleichen.“ Herr Schmidt identifiziert sich, indem er sich mit dem Personalausweis einloggt und überweist mit einem Klick den Betrag direkt aus der App heraus.

„Technisch ist das längst möglich. Wir sind auf dem Weg und freuen uns auf die neue Online-Welt.“

Annette Schneider-Solis