68. Ausgabe, 1. Quartal 2018

Hecklingen – via Internet beitragen zu sauberer und lebenswerter Stadt

Am Rande der Magdeburger Börde, fast schon im Harzvorland, liegt am Ufer der Bode auf hügeligem Gelände Hecklingen. Die gut 7.000 Einwohner der Stadt leben auf einer Fläche von rund 95 Quadratkilometern in den Orten Cochstedt, Groß Börnecke, Hecklingen und Schneidlingen. Für die Kleinen gibt es in jedem Ortsteil eine Kita, die größeren Kinder besuchen Grundschulen in Hecklingen und Groß Börnecke. Ab der 5. Klasse können sie in Schneidlingen „Leben Lernen“ – in der gleichnamigen Sekundarschule in freier Trägerschaft.

Rathaus, Hecklingen
Rathaus, Hecklingen

„Natürlich ist auch in unserer Stadt nicht alles ‚heile Welt‘“,

räumt Bürgermeister Uwe Epperlein ein. „Straßenschäden zum Beispiel, defekte Straßenlaternen, Vandalismus oder wilde Müllverkippung geben immer wieder Anlass für Ärgernisse.“ Damit diese schnellstmöglich behoben werden können, hat die Verwaltung auf der Homepage der Stadt „Sag‘s uns einfach“ integriert. Die Möglichkeit, via Internet zu einer sauberen und lebenswerten Stadt beizutragen, wird von den Hecklingern rege genutzt. Um die Vorteile der Digitalisierung, aber auch die damit einhergehenden Verpflichtungen künftig noch besser zum Wohle der Bewohner einsetzen zu können, ist Hecklingen Genossenschaftsmitglied der Kommunalen IT-UNION geworden, sagt der Bürgermeister.

Für die Stadt Hecklingen ist es auch wichtig von dem technischen Know-how der Kommunalen IT-UNION zu profitieren. Ein weiterer Beweggrund für den Beitritt in die Genossenschaft ist der Austausch mit den anderen kommunalen Genossenschaftsmitgliedern.

Dass man mit der Zeit gehen kann, hat die Stadt in der Vergangenheit schon bewiesen. Alle vier Ortsteile können auf eine lange Geschichte verweisen. Hecklingen, bereits mehr als 1050 Jahre alt, war fast 900 Jahre lang überwiegend landwirtschaftlich geprägt. Doch mit Eröffnung des weltweit ersten Kalischachtes im nahen Staßfurt begann der Wandel des mittelalterlichen Dorfes zu einer Kleinstadt mit industriellen Potenzialen. Schon 1856 wurde bei Hecklingen eine Pferdeeisenbahn errichtet, die, 1-PS-stark, über acht Kilometer hinweg bis zu 7,5 Tonnen Kohle von den Gruben zu den Zuckerfabriken in Gänsefurth, Hecklingen und Staßfurt brachte. Zeitweilig existierte in Hecklingen auch ein Gaswerk. Eine 1888 gegründete Konservenfabrik, die Spargel, Erbsen und Bohnen verarbeitete, war zu ihrer Zeit führend in Deutschland und ab 1908 königlich-preußischer Hoflieferant. Sogar am englischen Hof genoss man damals eine hiesige Spezialität: Gänsefurther Sauerbrunnen. Denn nur einen Katzensprung von Hecklingen entfernt, sprudelte in Gänsefurt aus der Erde Wasser mit hervorragenden Mineralwerten, das die Adelsfamilie von Trotha in Liter-Flaschen abfüllen und verplomben ließ. Der gute Ruf des Gänsefurther Mineralwassers verbreitete sich in ganz Deutschland, in Europa und sogar Übersee.

Uwe Epperlein, Bürgermeister
Uwe Epperlein, Bürgermeister

1919 kaufte Hecklingen das Dorf Gänsefurth mitsamt Schloss und berühmter Mineralwasserfabrik. Zusammen nun mehr als 5.000 Einwohner groß, erhielt Hecklingen 1928 das Stadtrecht. „Gänsefurther“ trägt noch immer den Namen dieses Hecklinger Ortsteils weit über die Region hinaus. Zu DDR-Zeiten Anhängsel eines volkseigenen Gutes, wurde die Traditionsmarke nach 1991 neu belebt und seither als Gänsefurther Schlossbrunnen in vielen Variationen getrunken. Das Schloss in Gänsefurth diente lange Zeit gemeinnützigen Zwecken und gehört heute wieder zur Familie von Trotha.

Auch in Hecklingen gibt es ein Stadtschloss. Bedeutender aber ist die Klosterkirche St. Georg und St. Pancratius aus dem 12. Jahrhunderts. Und in Schneidlingen pflegte und restaurierte ein Verein Reste einer imposanten mittelalterlichen Wasserburg.

Gemeinsam ist allen Ortsteilen die bäuerliche Vergangenheit, was sie seit 2004 auch im gemeinsamen Wappen zeigen: Der grüne Grund symbolisiert die fruchtbaren Böden der Region und jeweils eine Ähre steht für einen Ort der Einheitsgemeinde mit Sitz in Hecklingen. Die territoriale Lage der Stadt mit ihren landschaftlich reizvollen Erhebungen widerspiegelt das Wappen in einem goldenen Dreiberg.

Auto: Gudrun Oelze