Festsaal im Schloss
Festsaal im Schloss

62. Ausgabe, 3. Quartal 2016

Hinter dicken, historischen Mauern drahtlos vernetzt

WLAN-Ausleuchtung im Schloss Oberwiederstedt – Novalis-Ort der Kommunikation, des Forschens und Literaturerlebens

Dicke, historische Mauern trennten Museumsakademie und Forschungsstätte im Schloss Oberwiederstedt noch bis vor Kurzem von einigen modernen datentechnischen Möglichkeiten und Notwendigkeiten. Im Projekt WLAN-Ausstattung mit dem Kommunalen IT-Dienstleister KID Magdeburg wurden die Mauern überwunden.
 
Schloss Oberwiederstedt
Schloss Oberwiederstedt

„Wir sind sehr froh, dass der Kontakt zur KID entstanden ist“, sagt Dr. phil. habil. Gabriele Rommel, Direktorin der Novalis-Forschungsstätte und des Novalis-Museums sowie stellvertretende Vorsitzende der Novalis-Stiftung „Wege wagen mit Novalis“. „Es hat sich eine sehr schöne und fruchtbare Kooperation entwickelt, die uns im Schloss Oberwiederstedt eine erhebliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen gebracht hat.“ Im Zentrum stand die Museumsakademie Novalis, ein Ort der Forschung und Wissensvermittlung, des Lernens und Erfahrens von Literatur- und Kulturgeschichte, ein Ort der Kommunikation, dessen Räume nun modern medial vernetzt sind.  Ein umfangreiches und vielseitiges Programm wird in diesem Bildungszentrum angeboten mit wissenschaftlichen Tagungen, Lehrveranstaltungen für Studierende, Lehrerfortbildungen, Lesungen, Theateraufführungen und vielem mehr.

Auch die Museums-Besucher profitieren vom WLAN-Projekt: In der Ausstellung zum Leben und Werk Novalis‘ können sie an Info-Säulen zusätzlich agieren, weitere interessante Aspekte und Fakten entdecken, tiefer in Novalis‘ Poesie und Ideenwelt eintauchen oder Ereignisse in Zusammenhänge einordnen. Die Stelen liefern Informationen zur Biografie und zum Werk von Novalis, zur Ausstellung, zu Aktivitäten des Hauses bis hin zur Gestaltung des Außengeländes.  Das Bundesministerium für Kultur und Medien hat die Anschaffung gefördert, KID hat die Technik installiert und programmiert. Die Bibliothek wurde im Rahmen des Gesamtprojektes nun auch mit WLAN ausgestattet, was die Recherchemöglichkeiten für die Nutzer – Literaturinteressierte, Schüler, Studenten und internationale Wissenschaftler – erweitert. Im ersten Schritt haben sie in der Bibliothek Zugang zum Internet, für die Zukunft ist die Anbindung an den Bibliotheksserver geplant.

zartblaue Novalis-Rose
zartblaue Novalis-Rose

Novalis – Georg Philipp Friedrich Freiherr von Hardenberg – war 1772 auf dem damaligen Rittergut Oberwiederstedt zur Welt gekommen. In seinem nur kurzen Leben (Novalis starb 1801 in Weißenfels) hat sich der vielseitig begabte und wissensdurstige junge Mann zum Juristen und Bergbaufachmann und vor allem zu einer herausragenden Persönlichkeit der literarischen Frühromantik in Deutschland entwickelt. Die „Hymnen der Nacht“ gelten als Höhepunkt seines Schaffens. Im Novalis-Museum werden neben der Dauerausstellung regelmäßig Ausstellungen zu aktuellen Ergebnissen der Novalis-Forschung und zu kulturgeschichtlichen Themen gezeigt. Einzigartig ist die „imaginäre Novalis-Bibliothek“. Sie gibt einen umfassenden Ein- und Überblick in die Bücherwelt, die Novalis für seine Studien nutzte und in der er Erkenntnisse und Inspiration für seine eigenen philosophischen und literarischen Schriften suchte und fand.

Um optimal zu funktionieren, benötigte das Haus, das all diese Schätze bewahrt, sie den Menschen zugänglich macht und auf vielfältigste Weise lebendig hält, eine gut vernetzte Datentechnik für die interne und externe Kommunikation. „Wir mussten uns eine Variante einfallen lassen, die den Denkmalschutz berücksichtigt, den Datenfluss überall dort gewährleistet, wo Vernetzung nötig ist, und dabei auch bezahlbar ist“, erklärte KID-Projektleiter Stephan Krebs.

Das bedeutete, die Zahl der Access Points (APs), der Schnittstellen für kabellose Kommunikationsgeräte, so niedrig wie möglich zu halten und die APs so anzuordnen, dass zwischen Signal-Sendern und -Empfängern keine Übertragungslücken entstehen. Das heißt: so viel Überlappung wie nötig, aber so wenig wie möglich. „Auf dem Dachboden haben wir die geeigneten Plätze gefunden, um die APs zu installieren“, erklärte Krebs, die geringe Deckenstärke machte es möglich.

Dabei kam es auf eine sehr präzise Planung an: In welchen Bereichen ist die unterbrechungsfreie Drahtlos-Verbindung erforderlich? Wie viele Nutzer pro Einheit müssen gleichzeitig auf das Netzwerk zugreifen können? Welche Störfaktoren sind zu beachten? Entsprechend wurde die Platzierung der kleinen Funkzellen unter dem Dach berechnet, simuliert und umgesetzt. Zu Fuß, mit dem Tablet in den Händen, wurden alle Bereiche abgeschritten, Signalstärke und -qualität gemessen und erfasst, bis alles passte. Über eine Management-Zentrale wird sichergestellt, dass sich APs gegenseitig erkennen und beispielsweise ihre Sendeleistung erhöhen, falls die benachbarte Funkzelle ausgefallen ist. „Mit der neuen Technik funktioniert unsere Museumsakademie jetzt optimal“, ist Direktorin Dr. Gabriele Rommel zufrieden.

Autor: bek
Fotos: Cristoph Sandig, Leipzig

INFO

Zum historischen Schloss-Ensemble Oberwiederstedt gehören das Gutshaus, die Kirche eines ehemaligen Dominikanerinnenklosters und der Klostergarten.
Im Blauen Garten gedeihen mehr als 60 blau blühende Blumen: Die Blaue Blume wurde mit dem unvollendeten Novalis-Roman „Heinrich von Ofterdingen“ ein zentrales Symbol der Romantik.
Auf der Märchenrosenterrasse blühen 500 Märchenrosen in allen Farbvarianten, darunter die neu gezüchtete zartblaue Novalis-Rose mit bis zu zehn Zentimeter breiten Blüten, die einen zarten Duft verströmen.
Hochzeitsallee: Unterstützt von 36 Lindenpaten wurde die Allee mit 22 jungen Linden 2008 neu angepflanzt.