Könnern – eine Stadt mit zwei Gesichtern

Könnern – eine Stadt mit zwei Gesichtern

Könnern – mit diesem Ortsnamen verbinden die meisten Sachsen-Anhalter wohl kaum mehr als eine Anschlussstelle der Autobahn A 14 zwischen Magdeburg und Halle oder den Standort einer von drei Zuckerfabriken des Landes. Doch die kleine Stadt hat eine weit über tausendjährige Geschichte, wurde bereits um 700 als sorbische Siedlung gegründet und besaß ab mindestens 1364 ein Rathaus samt allen damaligen Stadtrechten. Gelegen an zwei historisch wichtigen Handelsstraßen hatte Könnern schon immer eine wirtschaftliche Bedeutung, die bis in die Neuzeit  allerdings kaum über die Region hinausging. Wie in der Vergangenheit, ist die Stadt nach wie vor ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt von Bahnstrecken und Fernverkehrsstraßen. Als industrielles Zentrum im Südteil des Salzlandkreises hat sie viel Zukunftspotential. So wurden in den Gewerbe- und Industriegebieten seit 1990 für rund eine halbe Milliarde Euro neue Betriebe angesiedelt, darunter die Zuckerfabrik, ein Logistikzentrum, ein Fleisch- und Wurstwarenhersteller, zwei Biogas-Anlagen und ein Edelstahlverarbeitungswerk.

Mario Braumann, Bürgermeister, Stadt Könnern

Zur Einheitsgemeinde Könnern gehören zehn Ortschaften und 31 Ortsteile auf einer Gesamtfläche von rund 125 km². Die ertragreichen Böden werden zum großen Teil traditionell und intensiv durch ansässige Landwirtschaftsbetriebe genutzt. Die kommunalen Flächen haben aber auch den rund 8.700 Bewohnern der Einheitsgemeinde viel zu bieten – zum Beispiel im Naturpark „Unteres Saaletal“, der sich von Halle bis hinter Nienburg zu beiden Seiten der Saale auf rund 40.800 Hektar erstreckt. In diesem reizvollen Natur-Areal besitzt Könnern an der Grenze zwischen Salzlandkreis, Saalekreis und Landkreis Mansfeld-Südharz eine Brückenfunktion. Von dem durch landschaftliche Gegensätze aus Auenlandschaft, Ackerebenen und felsigem Durchbruchstal der Saale geprägten Stadtgebiet gehören die Ortschaften Beesenlaublingen, Belleben, Strenznaundorf, Zickeritz sowie die Ortsteile Trebnitz und Nelben unmittelbar zum Naturpark. Die Kernstadt Könnern habe zwei Gesichter, stellt Bürgermeister Mario Braumann fest. Das eine, nach Osten, Süden und Norden hin, sei nüchtern und sachlich. Doch nach Westen, wohin Durchreisende nicht gleich gelangen, zeige der Ort zum Fluss hin sein romantisches, verträumtes Gesicht. Dort gebe es sie noch, die lichte Saaleaue mit ihren idyllischen Wanderwegen und stillen Weihern.

Könnerns denkmalgeschütztes Rathaus im fast mittelalterlichen Stadtkern, der langsam aus einer Art Dornröschenschlaf erwacht, wurde 1862 an der Stelle des Vorgängerbaus im klassizistischen Stil errichtet. In dem ehrwürdigen Gebäude mit Mittelturm und Wetterfahne, in dem einst neben der Verwaltung zeitweilig auch eine Schule, die Polizei samt Gefängnis, das Amtsgericht und eine Gastwirtschaft untergebracht waren, hat längst das digitale Zeitalter begonnen. Während fast alle Haushalte und Gewerbegebiete Könnerns als einem von 15 Ausbaugebieten des Salzlandkreises bis Mitte nächsten Jahres dank Fördermitteln von EU, Bund und Land über schnelles Internet verfügen sollen, profitiert die Stadt selbst als Mitglied der Kommunalen IT-Union von den Vorteilen dieser Genossenschaft. „Die Bedeutung von IT-Anwendungen in öffentlichen Verwaltungen nimmt ständig zu. Gerade kleinere Kommunen, welche sich diesen Herausforderungen stellen wollen, profitieren hierbei von den Leistungen des Genossenschaftsmodells der KITU“, meint Könnerns Bürgermeister Mario Braumann.

Gudrun Oelze

Könnern

Zur Einheitsgemeinde gehören u.a. die Ortsteile:

  • Könnern als Sitz der Verwaltung
  • Beesenlaublingen, Literaten bekannt durch den „Laublinger Dichterkreis“
  • Belleben am Rande des östlichen Harzvorlandes
  • Cörmigk mit der denkmalgeschützten „Mühle Lederbogen“, in der nach wie vor Getreide gemahlen wird
  • Edlau, wo der Fürst von Anhalt-Köthen einst aus einer Heilquelle trank und dadurch von seiner Gicht geheilt wurde
  • Gerlebogk mit dem Naturschutzgebiet „Gerlebogker Teiche“ als Bergbau-Folgelandschaft
  • Golbitz, wo ab dem 17. Jahrhundert eine Zeitlang Kupferschiefer abgebaut wurde
  • Lebendorf, wo Otto I. bei großer Hitze das Wasser aus dem Hesselbrunnen getrunken haben und dadurch „neues Leben“ geschöpft haben soll
  • Nelben und Strenznaundorf,  attraktive Wohnorte im Landschaftsschutzgebiet der Saale
  • Trebnitz, ein altes, malerisches Dorf
  • Wiendorf, dessen Gemarkung tiefgreifend durch Fuhnetal und Abbau von Braunkohle, Kiesen und Sanden geprägt ist
  • Zickeritz, aus dessen ortstypischen roten Sandstein die alten Bauerngehöfte und Kirchen erbaut wurden