1. Ausgabe 2024 | Nr. 92

Stadt Bernburg (Saale):

Effiziente Erneuerung der IT-Infrastruktur für eine moderne Verwaltung

In regelmäßigen Abständen muss Technik erneuert werden. Das ist auch in kommunalen Verwaltungen so und betrifft natürlich auch die Rechenzentren. Wie fast alle Hardware-Elemente kommen diese irgendwann an ihre Kapazitäts- und Leistungsgrenzen. In der Stadt Bernburg (Saale) war dieser Zeitpunkt jetzt erreicht. Die Festplatten im stadteigenen Rechenzentrum waren voll oder näherten sich diesem Zustand deutlich. „Unser Rechenzentrum stammt aus dem Jahr 2018, war jetzt also sechs Jahre lang im Dienst. Das ist auch der ausschlaggebende Punkt, es jetzt zu erneuern, weil auch unser Support vom Hersteller mit diesen sechs Jahren ausläuft und es einfach sehr schwer wird damit zu arbeiten“, sagt Maik Tschöpe aus der Bernburger Stadtverwaltung.

Die ersten Planungen für den Austausch der Servertechnik starteten schon 2022, denn eine solche Umstellung benötigt natürlich eine generalstabmäßige Vorbereitung. „Wir müssen als Kommune die entsprechenden finanziellen Mittel für den Haushalt einplanen, und das müssen wir rechtzeitig tun, damit das Geld bereitgestellt werden kann“, erklärt Tschöpe den Vorlauf. Die operative Vorbereitung begann später, im Frühjahr 2023. Tschöpe sagt weiter: „Wir haben erst einmal definiert, wo wir jetzt stehen und wo wir mit unserer Servertechnik hinwollen. Wir wollten ungefähr für die nächsten sechs Jahre weiterplanen, da müssen wir schon berücksichtigen, welche Datenmengen in dieser Zeit wahrscheinlich erzeugt werden. Und auch die technische Ausstattung in der Verwaltung muss dann noch ausreichen.“

Bei der tatsächlichen Umsetzung der Umstellung war das Glück auf der Seite der Stadt Bernburg (Saale). Stefan Behrend, der die Umstellung von Seiten der KITU begleitet hat, erklärt: „Die bestellte Technik kam deutlich früher als avisiert, nämlich schon im August und nicht wie geplant erst zum Jahresende, wie man uns mitgeteilt hatte.“ Bis die Klimatechnik und die Stromversorgung an die Anforderungen der neuen Servertechnik angepasst waren, gingen noch ein paar Wochen ins Land. Mittlerweile sind die neuen Server eingebaut, erledigt hat das der Technologiepartner Kupper. Noch im Winter haben Tschöpe, seine Kolleginnen und Kollegen aus dem Rathaus und die Projetbegleiter aus der KITU die Datenmigration besprochen. Die Migration der Infrastruktur wird voraussichtlich etwa zwei bis drei Wochen dauern, wobei es möglich ist, dass sich dieser Zeitraum aufgrund kleiner Anpassungen und gelegentlicher Offline-Zeiten etwas strecken kann.

Die Migration erfolgt größtenteils online, im Hintergrund des täglichen Betriebs, um den normalen Ablauf in der Verwaltung nicht zu beeinträchtigen. „Es wird ein Kompatibilitätsmodus genutzt, in dem die virtuellen Maschinen weiterlaufen, bevor eine minimale Offline-Zeit für den endgültigen Umzug erforderlich ist. Der Start hängt noch von einer Backup-Lizenz ab, die auf dem Weg ist“, so Stefan Behrend. Die Planung zielte darauf ab, die Migration schnell und effizient durchzuführen, unter Berücksichtigung von Backup-Prozessen und Lizenzverfügbarkeit. Die Umstellung sollte bis Mitte März abgeschlossen sein.

Stefan Behrend empfiehlt, die Infrastruktur alle vier, fünf Jahre auf den Prüfstand zu stellen, da sich Technologie schnell weiterentwickelt und auch für die Kommunalverwaltungen immer wieder neue Anforderungen entstehen. Die regelmäßige Überprüfung ermöglicht eine rechtzeitige Mittelplanung und Anpassung an neue Entwicklungen.

Im Rahmen der Erneuerung wurde außerdem ein Schulprojekt konsolidiert, wodurch Synergieeffekte zwischen Stadtverwaltung und Schulen entstanden. Ein Teil der Schuldaten wird im Rathaus gehostet, um den Verwaltungsaufwand zu minimieren. Dies ermöglicht den Einsatz neuer Technologien, gesicherter Leitungen und zentraler Datenhaltung im Rathaus. „So haben die Schulen nur noch sehr wenig Technik im Haus, die wir warten müssen. Über die schnellen und sicheren Leitungen können sie jederzeit auf alle ihre Daten zugreifen, aber die Daten liegen eben nicht mehr auf Festplatten in den Schulgebäuden“, so Tschöpe weiter. Die Implementierung ist bei der ersten von insgesamt fünf Schulen bereits im Gange.

Die Integration von Außenstellen wie Betriebshof, Stadtarchiv und zukünftig Friedhof im zentralen Rechenzentrum wird angestrebt. Mit dem Umzug des Betriebshofes ergibt sich die Möglichkeit, auch dessen Technik ins Rechenzentrum einzubinden. Dieses Konzept soll auf andere Einrichtungen wie das Stadtarchiv ausgeweitet werden. In Zukunft könnten auch die Feuerwehr und weitere Stellen integriert werden. Die Verbindung erfolgt über Fernzugriff, was eine effiziente Nutzung der Technik ermöglicht. Der Vorteil: Virtuelle PCs werden zentral im erneuerten Rechenzentrum aufgebaut. Nutzer, wie im Rathaus oder Stadtarchiv, erhalten über eine sichere Netzwerkanbindung eine Remote-Konsole für die tägliche Arbeit. Lokale Infrastruktur wird minimiert, was die Effizienz der Verwaltungsarbeit enorm erhöht. Standortprobleme entfallen, da alles über das zentrale Rechenzentrum abgewickelt wird.
Für die Nutzerinnen und Nutzer im Rathaus und den übrigen Teilen der Stadtverwaltung wird es bis zur Umstellung keine deutlich sichtbaren Änderungen geben. Die Hardware wird komplett neu aufgebaut, während die virtuellen Maschinen vorerst eins zu eins übernommen werden. Auf der neuen Infrastruktur laufen sie schneller und effizienter. Spürbare Veränderungen erfolgen nach der erfolgreichen Umstellung – dann ist schnelleres Arbeiten möglich. Die Stadt ist mit dem neuen Rechenzentrum durch Virtualisierung und zentralen Storage bestens geschützt, was den Zugriff auf die Betriebssysteme erschwert. Die Daten liegen auf dem Storage, nicht auf den physischen Geräten in den Büros. Innerhalb des Projekts wurde auch die Netzwerkinfrastruktur verbessert, um Server und den administrativen Bereich separat vom normalen Arbeitsbereich zu halten und unbefugten Zugriffen von innerhalb und außerhalb der Verwaltung vorzubeugen.

Allerdings ist das Erneuern der Infrastruktur natürlich nur das eine, das Warten der Software das andere. „Betriebssysteme laufen üblicherweise zehn Jahre mit Support, aber die Hardware erfordert eine Trennung vor Ablauf. Eine Virtualisierung ermöglicht die Migration von Betriebssystemen auf neue Plattformen. Das aktuelle Projekt fokussiert zunächst die Infrastruktur, um die Stabilität des Systems zu gewährleisten. Die Anpassung der Betriebssysteme erfolgt in separaten Projekten, um nicht zu viele Baustellen gleichzeitig zu haben“, sagen Behrend und Tschöpe. Dadurch kann die Stadt flexibel auf neue Anforderungen reagieren und schrittweise die alten Systeme ablösen, ohne einen umfassenden Migrationsprozess durchführen zu müssen. So bleiben die Abläufe in den Büros und in der Verwaltungsarbeit im Großen und Ganzen ungestört, während im Hintergrund die IT auf dem aktuellen Stand der Technik gehalten wird.

Ariane Amann