4. Ausgabe 2024 | Nr. 95
MVB startet in neue Ära
Mit ihrem eleganten Design und dem grünen LED-Lichtband wirkt die neue Straßenbahn der Magdeburger Verkehrsbetriebe futuristisch. Der erste Zug kam im September per Tieflader aus Bautzen an und wurde den Magdeburgerinnen und Magdeburgern bei einem Festtag rund um die Straßenbahn vorgestellt. An den Türen bildeten sich Schlangen – ein Beleg dafür, dass die Menschen in Magdeburg neugierig auf die neue Bahn sind, die ab Frühjahr die Flotte der MVB ergänzen soll.
Nicht nur vom Design her fällt die neue Bahn auf. „Diese neue Generation ist für uns ein großer Schritt nach vorn“, umreißt es Axel Reinicke, der als Abteilungsleiter für die IT bei der MVB verantwortlich ist.
„Der neue Straßenbahntyp ist nicht nur größer und länger, sondern auch mit sehr viel IT ausgestattet.“
Die neuen Fahrzeuge, von denen 35 in mehreren Tranchen geliefert werden, verfügen über Bordcomputer, ein Funksystem, 2 Ticketautomaten, Fahrgastzählsysteme und verschiedene Fahrassistenzsysteme, zählt Axel Reinicke auf. „Viele aus meinem Team sind mit der neuen Straßenbahn beschäftigt, ein Kollege war regelmäßig in Bautzen.“ Dort erfolgt im Alstomwerk die Endmontage der neuen Bahnen, für die die Teile aus mehreren anderen Standorten des Konzerns zugeliefert werden.
Schon von außen kann man bei den neuen Bahnen anhand digitaler Anzeigen sehen, wie voll sie sind. „Diese sind direkt neben den Türen zu finden“, erklärt MVB-Sprecher Tim Stein, der selbst auch Bahnen als Fahrer durch die Stadt lenkt. „Die Anzahl der aufleuchtenden Balken zeigt an, wie voll der jeweilige Wagenteil bereits ist und gibt so Aufschluss darüber, ob ich als Fahrgast lieber an einer anderen Tür zusteigen sollte. Grundlage dafür ist ein Zählsystem.“ Dieses Zählsystem zeigt auch der MVB, wie gut die Fahrzeuge ausgelastet sind, wo größere eingesetzt werden müssen. Ein Gewinn für die Kunden, die sich nicht in volle Wagen quetschen oder weniger lange warten müssen, weiß Axel Reinicke.
Die Fahrer haben in der neuen Bahn deutlich mehr Platz, einen Notsitz für den Fahrlehrer und eine separate Tür. Sie steuern die Bahn wie schon in den Vorgängermodellen mit einer Art Joystick. Vor sich hat der Fahrer digitale Displays. Der Bordcomputer zeigt an, wie gut der Zug in der Zeit ist, wann er an der nächsten Haltestelle ankommt. Tim Stein freut sich als Fahrer über den neuen Bremsassistenten, der helfen soll, Kollisionen zu vermeiden. Digitale Kameras ersetzen die Außenspiegel, bieten eine bessere Sicht rund um das Fahrzeug und bedeuten weniger Gefahr. „Auch der Sitzkomfort für die Fahrer ist deutlich höher, ein richtiger Meilenstein“, schwärmt Tim Stein. Hinzu kommt eine Klimaanlage, von der auch die Fahrgäste profitieren.
„An Bord der Bahn sind zirka 75 Netzwerkgeräte verbaut“,
verrät Axel Reinicke. Darunter fallen auch speziell für die Bahnnorm entwickelte Switche und Router, die das Rückgrat der Vernetzung sind. Durch diese Vernetzung können beispielsweise Tickets mithilfe moderner Zahlverfahren online gekauft und durch Kameras Fahrgäste mit einem sicheren Gefühl durch die Stadt bewegt werden.
Für die Fahrgäste stehen nun in jeder Bahn WLAN und USB-Ladebuchsen zur Verfügung. „Auch das ist ein Quantensprung“, schätzt Axel Reinicke ein. „Wir sind sehr gespannt, wie die Fahrgäste die neuen Features annehmen.“ „Die Bahnen sind optisch wirklich schön, und wir hoffen, dass sich die Fahrgäste damit identifizieren. Je mehr sie das tun, desto mehr werden sie sich umweltfreundlich mit ihr bewegen.“
Dadurch, dass die neue Straßenbahn permanent über Funk und Mobilfunk mit der Zentrale verbunden ist, können auch Störungen deutlich schneller erfasst und behoben werden. Sie werden direkt an die Zentrale gemeldet und an die Werkstatt weitergeleitet. So können die Monteure schneller reagieren, bei Bedarf einen Mitarbeiter aus dem Service hinausschicken oder eine Reparatur bei der Regelwartung vorbereiten. Bislang werden Störungen vom Fahrer noch in Karten eingetragen und per Funk gemeldet. „Diese Karten haben dann ausgedient“, freut sich ITler Axel Reinicke.
Für die IT bedeutet die neue Straßenbahngeneration natürlich auch mehr Verantwortung. „75 Geräte bedeuten aus IT-Verständnis 75 potenziell angreifbare Geräte“, erklärt Axel Reinicke. Deshalb muss die IT immer wachsam sein, alles regelmäßig absichern, die Firewallstruktur immer aktuell halten, überwachen, ob es an einer Stelle unregelmäßige Datenverkehre gibt. „Man kann Angriffe nie ausschließen, aber es ist unser tägliches Brot, uns da up to date zu halten. Externe Partner führen regelmäßig Tests durch und versuchen, in unsere Infrastruktur einzubrechen. So hoffen wir, das verhindern zu können.“ Die Fahrgäste brauchen keine Angst zu haben, meint Axel Reinicke. „Die Bahnen fahren notfalls auch ohne IT. Es gibt immer Rückfallebenen, die einen sicheren Betrieb gewährleisten.“
Die MVB ist Mitglied in der Kommunalen IT-Union eG (KITU) und nutzt den Service der KID.
„Der Austausch mit anderen Gesellschaften, die Nutzung von Rahmenverträgen im Bereich der Druck-, PC- und Firewallsysteme helfen uns sehr“,
erklärt Axel Reinicke.
„Demnächst soll noch ein digitales Schließsystem und eine innovative Angriffserkennung hinzukommen.“
Derzeit wird die neue Bahn noch auf Herz und Nieren getestet, bevor sie dann ab Sommer die MVB-Flotte ergänzt. „Ein halbes Jahr kann sportlich sein, da alle Funktionen getestet und abgenommen werden müssen“, weiß Axel Reinicke und hofft, dass der Termin zweites Quartal 2025 gehalten wird. Auf jeden Fall sollen viele weitere Neuerungen eingebaut werden. Werbung etwa soll elektronisch geschaltet werden. Die Fahrgäste werden ebenfalls elektronisch über die nächste Haltestelle informiert. Für weitere Wünsche und Anregungen sind die Magdeburger Verkehrsbetriebe offen.
Annette Schneider-Solis


