Ohne Digitalisierung kein Theater der Zukunft
Ludwig Olah

70. Ausgabe, 3. Quartal 2018

Ohne Digitalisierung kein Theater der Zukunft

Auch ein Kulturbetrieb wie Opernhaus und Theater muss die Chancen und Potenziale der Digitalisierung nutzen, um den Ansprüchen seines heutigen und des künftigen Publikums gerecht zu werden. Davon ist man am Staatstheater Nürnberg überzeugt. Der dortige Geschäftsführende Direktor Christian Ruppert will zusammen mit der neuen Intendanz die Bühnen dieses Mehrspartenhauses fit für die Zukunft machen.

Nach dem Umbau des Schauspielhauses und der Theaterwerkstätten in der zweitgrößten Stadt Bayerns laufen hinter den Kulissen bereits seit langem die Vorbereitungen für die Modernisierung des die Nürnberger Stadtsilhouette prägenden Opernhauses. „Das geht nicht ohne Digitalisierung“, meint Christian Ruppert, der vor seiner Theaterzeit in Mittelfranken über Jahre hinweg in Magdeburg die Entwicklung und Fusion des Theaters der Landeshauptstadt und der Freien Kammerspiele zum Theater Magdeburg begleitet und mitgeprägt hat. Sozusagen aus dem Aufbau Ost kommend, lag die von ihm dann in Nürnberg vorgefundene Infrastruktur deutlich unter dem Level, „den ich aus Magdeburg kannte“, erinnert sich der einstige Verwaltungsdirektor des hiesigen Theaters, der den Wechsel der Magdeburger Bühnen vom Regie- zum kommunalen Eigenbetrieb federführend mit konzipierte und umsetzte.

Dafür hatte er in der Elbestadt gute und verlässliche Partner gefunden, darunter die KID. Die mit Sachsen-Anhalts kommunalem IT-Dienstleister in Magdeburg gemeinsam besprochenen Projekte wurden erfolgreich umgesetzt, so Nürnbergs Geschäftsführender Theaterdirektor, der die Kontakte zu diesem Partner in Magdeburg seither auch über die mehrere hundert Kilometer Entfernung nie abreißen ließ.

Christian Ruppert, Geschäftsführender Direktor, Staatstheater Nürnberg
Christian Ruppert, Geschäftsführender Direktor, Staatstheater Nürnberg

„Ich bin überzeugt davon, dass wir mit der KITU nun auch am Staatstheater Nürnberg auf einem sehr guten Weg sind“,

sagt Christian Ruppert.
Zunächst aber war zu klären, ob eine öffentliche Institution außerhalb Sachsen-Anhalts – das Staatstheater Nürnberg ist eine Stiftung des öffentlichen Rechts, in der der Freistaat Bayern und die Stadt Nürnberg jeweils die Hälfte der Anteile tragen – ein Genossenschaftsmitglied der KITU werden könne. Nach dem positiven Prüfergebnis werden nun gemeinsam Aufgaben bei der Digitalisierung des Staatstheaters Nürnberg in Angriff genommen, das eigene Wege gehen will, „um nicht zum Getriebenen zu werden.“

Dabei denkt Christian Ruppert an den bereits begonnenen kompletten Umbau des Kommunikationsbereiches, einen wichtigen Meilenstein in der Digitalisierungsstrategie des Staatstheaters. Die Medienlandschaft wird sich dramatisch verändern, die klassische Rezeption eines Kunstproduktes deutlich zurückgehen, ist er überzeugt. Seit 1. September gestaltet daher eine komplett neue Kommunikationsabteilung mit eigener Online-Redaktion den Internet-Auftritt des Staatstheaters Nürnberg, das seinem Publikum künftig weniger Papier, dafür mehr Digitales bieten will. Dabei soll die neue Homepage nicht nur bisherige Printmedien ersetzen, sondern das Publikum, die Kunst- und Kulturrezipienten, die sich immer häufiger im Internet über Programm und Aktivitäten an und auf den Bühnen informieren, unter anderem auch mit Hilfe von Video-Material mehr mit den Theaterleuten vernetzen, sie hinter die Kulissen schauen und entdecken lassen, was im und um das Theater herum passiert. Dafür bedarf es einer auf die Besonderheiten des Kulturbetriebes in Nürnberg genau zugeschnittenen Hard- und Software, für deren öffentliche Vergabeaufträge und Beschaffung Christian Ruppert auch auf die Kompetenzen der KITU setzt.

Eine seiner weiteren Visionen für die Zukunft: ein Dienstleistungsportfolio zu entwickeln, das die Online-Buchung zum Beispiel von Fahrdienst, Babysitter oder gastronomischen Angeboten rund um das Erlebnis Theaterbesuch ermöglicht. „Das alles sind spannende Themen, die die Stiftung Staatstheater Nürnberg auch in Partnerschaft mit der KITU in Sachsen-Anhalt anpacken wird“, meint Stiftungsvorstand Ruppert.

Autor: Gudrun Oelze

Das Staatstheater Nürnberg ist ein Vierspartenhaus (Oper, Schauspiel, Ballett und Konzert), das 2005 aus den ehemals Städtischen Bühnen dieser Stadt im Freistaat Bayern hervorging. Aufführungsorte sind neben dem Opernhaus das Schauspielhaus mit Kammerspielen und 3. Etage sowie die Meistersingerhalle.
Die Zahl der Abonne-ment*-innen ist entgegen dem bundesweiten Trend in den vergangenen Jahren um gut 50 % gestiegen. Zugleich ist das Publikum neu-gieriger und jünger geworden, mit einem starken Grundstamm der sogenannten gemischten – weil spartenübergreifenden – Abonnements sowie einem Anteil der unter 18-jährigen Besuchern von 20 %. Christian Ruppert bekleidet das Amt des Stiftungsvorstandes und Geschäftsführenden Direktors seit 1. August 2011. Ab der Spielzeit 2018/2019 steht er gemeinsam mit dem neuen Staatsintendanten und Operndirektor Jens-Daniel Herzog an der Spitze des Staatstheaters Nürnberg.