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69. Ausgabe, 2. Quartal 2018

IT-Herausforderung in Raguhn-Jeßnitz: Zwei Rathäuser in der Doppelstadt an der Mulde

Die Zusage über einen gut 418.00 Euro schweren Landeszuschuss für den Breitbandausbau der Stadt Raguhn-Jeßnitz hat Bürgermeister Bernd Marbach bereits in der Schreibtischschublade und für die Bundesförderung schon einen vorläufigen Bescheid. Bald kann es also losgehen und spätestens Ende kommenden Jahres jeder Haushalt in der Doppel-Stadt an der Mulde über einen mindestens 50-MB-Anschluss verfügen.

Bernd Marbach, Bürgermeister
Bernd Marbach, Bürgermeister

Die rund 9.600 Einwohner der seit 2010 in dieser Form bestehenden Stadt Raguhn-Jeßnitz leben in 14 Ortschaften auf einem rund 96 Quadratkilometer großen Areal. Arbeitslosigkeit spielt in der Region dank der Nähe zum Chemiepark Bitterfeld, die sich auch günstig auf die Auftragslage der kleinen und mittleren Handwerks- und Gewerbebetriebe auswirkt, kaum eine Rolle. Das Gewerbegebiet in Thurland ist seit 2017 breitbandmäßig mit 1500 MB versorgt, doch in der kommunalen Verwaltung glaubte sich Bürgermeister Marbach bei Amtsantritt vor einem Jahr hinsichtlich der technischen Ausstattung im Mittelalter. Das war mit ein Grund dafür, Mitglied der Kommunalen IT-UNION zu werden, berichtet er, die sich nach zahlreichen Gesprächen und Unternehmensvorstellungen als kompetenter Partner für die anstehenden Aufgaben bei der Umstellung auf neue Hard- und Software erwies.

Denn von der anfänglichen Überlegung, einen eigenen Administrator einzustellen, trennte man sich in Raguhn-Jeßnitz bald wieder und beschloss, die Leistungen extern zu vergeben. Für die KITU sprach auch, dass man dort auf dem neuesten Stand sei, sich immer am Markt orientiere und Schulungen für die Mitarbeiter anbiete, berichtet der Bürgermeister. Erstes gemeinsames Vorhaben wird eine Bestandsaufnahme des Vorhandenen sein, um daraus ableitend notwendige Neuanschaffungen abzustimmen. Eine besondere Herausforderung in der Doppelstadt: Sie hat zwei Rathäuser – das in Jeßnitz mit Sitz von Bürgermeister, Kämmerei und Bauamt, und das in Raguhn mit Hauptamt, Ordnungsamt und Wirtschaftsförderung. „Für die Logistik untereinander und die Vernetzung aller kommunalen Behörden entwickelt uns die KITU ein Konzept mit der passenden Hard- und Software“, hofft Bernd Marbach, der bei dieser Aufgabe als dritten Partner die Hochschule Harz mit im Boot sieht.

Apropos Boot: Die Mulde und Nebenflüsse locken in Raguhn-Jeßnitz seit jeher zum Wassersport, wovon Traditionen des Rudervereins Raguhn 1901 e.V. und des Kanuclub Jeßnitz/Anhalt e.V. künden. Im Kanuclub Jeßnitz/Anhalt e.V. trainierten auch schon spätere Weltmeister und Olympiasieger wie die Kanuten Ute Steindorf (Olympia-Gold 1980 in Moskau) und Christian Gille (Olympia-Gold 2004 in Athen).

Die vor 30 Jahren chemisch stark belasteten Gewässer laden längst auch wieder Touristen zum Wasserwandern und Hobby-Angler zum Fischfang in der Mulde ein. Der recht kleine Nebenfluss der Elbe hat seinen Anrainern beim Hochwasser 2002 aber gezeigt, wie er anschwellen kann. Ganz Jeßnitz war damals überflutet und gut ein Jahrzehnt später nochmals ein Teil der Stadt, der noch nicht durch neue Anlagen vor Hochwasser geschützt war. Deren endgültige Fertigstellung im Jahre 2020 wird in Raguhn wie in Jeßnitz – beide Altstädte liegen auf einer von Mulde und Zuläufen umgebenen Insel – ungeduldig herbeigesehnt.

Autor: Gudrun Oelze

Raguhn-Jeßnitz

Ein Irrgarten ist das kulturelle und touristische Highlight von Raguhn-Jeßnitz. Mitte des 18. Jahrhunderts im Gutspark Altjeßnitz entstanden, ist der heute größte und älteste barocke Irrgarten Deutschlands eingebettet in einen vier Hektar großen Landschaftspark. Der Irrgarten hat eine Fläche von rund 2.600 Quadratmetern. Sein Eingang wird bewacht von „Ceres“, der römischen Göttin der Ernte und Fruchtbarkeit. In dem kunstvollen Wegenetz existieren rund 250 verschiedene Möglichkeiten, zum Ziel zu gelangen. Während der Irrgarten von Altjeßnitz zu Sachsen-Anhalts Netzwerk „Gartenträume“ gehört, ist die inmitten des Gutsparks stehende Feldsteinkirche aus dem 12. Jahrhundert eine der neuen Stationen auf der „Straße der Romanik“.