3. Ausgabe 2024 | Nr. 94
Schulen für die digitale Zukunft fit machen
Von der E-Mail bis zum „Softwaretanken“
Vielerorts geraten vor allem kleine und mittlere Schulträger bei der Digitalisierung vieler Abläufe schnell an ihre Grenzen. Ihnen fehlen oft die personellen Kapazitäten und das spezifische IT-Know-how. Im Schulterschluss mit den Schulträgern versuchen zudem viele engagierte Lehrkräfte neben ihren primären pädagogischen Tätigkeiten die Voraussetzungen für die Vermittlung digitaler Kompetenzen zu schaffen. Nicht selten sind die Lehrenden mit der Situation konfrontiert, dass das vorhandene IT-Equipment nicht oder nur eingeschränkt betriebsbereit ist.
„Selbsthilfe“ stößt dann schnell an ihre Grenzen (Stichwort: „IT-Spezial-Know-how“). Zudem stehen die Lehrkräfte und Schüler vor der Herausforderung, einen nur bedingt aufeinander abgestimmten „Blumenstrauß“ verschiedener Software-Anwendungen bedienen und administrieren zu müssen. Auf diesen für alle Beteiligten unbefriedigenden Sachstand möchte die KID im Auftrag der KITU-Genossenschaft mit einem Angebot reagieren. Ziel ist es, eine stabile und benutzerfreundliche IT-Schulplattformlösung für Kollaboration und Administration im pädagogischen Bereich anzubieten, die zudem für die jeweiligen Ausgangssituationen und Bedürfnisse vor Ort möglichst passgenau ausgestaltet werden kann.
Als Betriebsgesellschaft der KITU beabsichtigt die KID, in den kommenden Monaten eine europaweite Ausschreibung zu einer Kollaborations- und Administrationslösung für Schul-IT durchzuführen. Die inhaltlichen Vorbereitungen dafür sind jetzt soweit abgeschlossen. Das Angebotsportfolio für die 92 der 119 KITU-Mitglieder, die auch als Schulträger agieren, soll auf diese Weise deutlich erweitert werden. Der Bedarf an praxisnahen Offerten sei enorm groß, sagt Eric Ober vom Team Digitalisierung/Organisation der KID. Diese Einschätzung wird nicht zuletzt auch durch das große Interesse von Schulen bzw. ihren Schulträger an diversen Informationsveranstaltungen zum Thema „Digitalisierung und Schule“ gestützt, zu denen unter anderem der „KITU-TAG 2023“, „KITU macht Schule“ sowie die Messe „BILDUNG.Dig!Tal“ 2024 gehören.
„Mit dieser Ausschreibung ist eine ganze Reihe von Zielen avisiert“, erläutert er. Zum einen soll mit der Ausschreibung ein Rahmenvertragspartner gefunden werden, dessen Lösung mit möglichst breit „horizontal“ und „vertikal“ skalierbaren Varianten auf unterschiedliche Anforderungen in einem Rahmenvertrag reagieren kann. Die Lösung soll damit größtmögliche Flexibilität bieten und an die Anforderungen des jeweiligen Schulträgers anpassbar sein.
Der Ausschreibung ging eine breit angelegte Analyse der KID im vergangenen und in diesem Jahr voraus, deren Ergebnisse in einer detaillierten Leistungsbeschreibung mit Kriterienkatalog erfasst wurden. Das in der vorbereiteten Ausschreibung berücksichtigte Leistungsportfolio beinhaltet neben den Lizenzen für die im Fokus stehende Softwarelösung auch die Wartung und die teilweise Lieferung von Hardware-Komponenten, die Einrichtung von Systemen sowie Schulungs- und Consulting-Leistungen. In Vorbereitung der Ausschreibung entstand eine Datenbank, durch die nunmehr ein Gesamtüberblick über die Schullandschaft in Sachsen-Anhalt gewährleistet ist. Daneben verschaffte sich die KID einen Marktüberblick über mögliche Ziellösungen und ihre Anbieter.
Wie sehen solche Lösungen nun konkret aus? Das fängt bei der Benutzer-Einrichtung mit persönlichem E-Mail-Konto an, geht über die Vergabe von Rollen und Zuordnung zu Gruppen, das „Softwaretanken“, bis hin zu Unterstützungsfunktionen für die Kommunikation (E-Mail, Chat, Messenger, Video), Sicherheitskomponenten (Firewall, Virenscanner, Web-Filter), Software-Verteilung auf Schülerendgeräte sowie deren Einbindung in das Schulnetz. Weiterhin gehört dazu die eigentliche Unterstützung des Lernprozesses (Dokumentenablage, Bereitstellung digitaler Lernmittel der Schulbuchverlage, digitale Arbeitsbereiche und Werkzeuge, wie beispielsweise Office-Funktionen).
„Gerade in der Coronazeit tat sich dabei eine riesige Baustelle auf. Es fehlten damals teilweise die Infrastruktur, die Endgeräte und eine geeignete Schul-Plattform, so dass Lehrer im Regelfall auf die guten, alten Papierkopien zurückgreifen mussten, um Lerninhalte einschließlich der Aufgaben an die Schülerinnen und Schüler zu übermitteln“, konstatiert Eric Ober zurückblickend. Spätestens durch die COVID-19-Pandemie wurde auch den Verantwortlichen in Bund, Land, Landkreisen sowie Kommunen klar, wie wichtig in solchen Situationen eine funktionierende Lehr-/Lerninfrastruktur ist. Die KID will mit der Ausschreibung und den sich anschließenden Umsetzungsprojekten einen Beitrag zu einer mehr praxisorientierten Umsetzung der KMU-Strategie „Bildung in der digitalen Welt“ leisten.
Klaus-Peter Voigt


