Aussichtspunkt Schadeleben

73. Ausgabe, 2. Quartal 2019

Stadt Seeland – idyllische Natur und Ort der Erholung im einstigen Braunkohlerevier

Heidrun Meyer, Bürgermeisterin, Stadt Seeland
Heidrun Meyer, Bürgermeisterin, Stadt Seeland

Seeland – das klingt wie eine Mischung aus idyllischer Natur und Ort zur Erholung. Am Fuße des Harzes, im äußersten Westen des Salzlandkreises, liegt die kleine Stadt mit diesem großen Namen. Auf einer Fläche von fast
80 km² ist das gesamte heutige Stadtgebiet als ehemaliger Mittelpunkt des Braunkohlebergbaus der Region nach wie vor vom einstigen Ascherslebener See geprägt. Nach dessen Trockenlegung und Urbarmachung des Ackerlandes wuchsen mit der zunehmenden Industrialisierung die kleinen Siedlungen zu Dörfern heran. Die heutige Einheitsgemeinde entstand 2009 aus dem Zusammenschluss der Stadt Hoym und der Gemeinden Friedrichsaue, Frose, Nachterstedt und Schadeleben sowie der Eingemeindung von Gatersleben 2010. Die knapp 8000 Einwohner von Gesamt-Seeland begehen in diesem Jahr also das zehnjährige Jubiläum ihrer Einheitsgemeinde.

Und die liegt inmitten des Harzer Seelandes, wie es seit Einstellung des Braunkohlentagebaus im Zuge der Rekultivierung entstand. Durch die 1996 eingeleitete Flutung des Tagebaus Nachterstedt, des größten Restloches im ehemaligen Braunkohlerevier im Salzlandkreis, sollte ein vielseitig nutzbarer See entstehen. Im Sommer 2002 hatte er eine Wasserfläche von etwa 300 Hektar und die touristische Nutzung des Concordiasees konnte offiziell beginnen. Seit 2005 verkehrte auf ihm in der Saison ein 250 Personen fassendes Fahrgastschiff, die Seelandperle.

Im Sommer 2009 auf eine Wasserfläche von 350 Hektar herangewachsen, war der Concordia-See inzwischen zum größten touristisch nutzbaren Gewässer zwischen Magdeburg und Kassel sowie Braunschweig und Halle (Saale) herangewachsen. Bis 2020, so die Planungen, sollte sein Höchstwasserstand bei etwa 103 m ü. NHN liegen und der maximal 61 Meter tiefe See dann 650 Hektar groß sein. Doch dann kam es zur Katastrophe: Am frühen Morgen des 18. Juli 2009 stürzte bei Nachterstedt ein etwa 350 Meter breiter Landstreifen in das entstehende Gewässer, riss ein zweistöckiges Einfamilienhaus, einen Teil eines Mehrfamilienhauses sowie einen  Straßenabschnitt und eine Aussichtsplattform mit in die Tiefe. „Seither hofft die Stadt Seeland nach Abschluss der Ursachenermittlung des Böschungsrutsches auf eine Teilöffnung des Concordiasees“, berichtet Bürgermeisterin Heidrun Meyer.

Die Kommune habe in den vergangenen Jahren viel dafür getan, eine lebenswerte Stadt zu schaffen, in der sich die Bürger aller Ortsteile und auch Gäste des Seelands wohlfühlen. Dabei hatten die Unterstützung der Wirtschaft und der ansässigen Gewerbebetriebe sowie die Förderung des Tourismus einen hohen Stellenwert. Die entstandene Promenade am Concordia-See locke Wanderer an und lade Radfahrer zu Touren ein. An Aussichtspunkten in Neu Königsaue und in Schadeleben lasse es sich wunderbar rasten, und wer sich für heimische Flora und Fauna sowie Regionalgeschichtliches interessiert, finde dort reichlich Informationen, schwärmt Heidrun Meyer, wenngleich leider noch nicht alle Bereiche am Concordiasee wieder zugänglich seien. Trotzdem gebe es viel Interessantes und Schönes zu entdecken - wie im Abenteuerland Harzer Seeland, mit rund 80.000 m² der größte Outdoorspielplatz Sachsen-Anhalts.

Neben der touristischen Entwicklung stellten sich die Stadtverwaltung, der Stadtrat und die Ortschaftsräte der Aufgabe, eine bürgernahe Verbindung zwischen der kommunalen Behörde und den Einwohnern zu schaffen. „Eine vertrauenswürdige und nützliche Bürgernähe mit möglichst hohen Sicherheitsstandards zu schaffen, ist dabei die größte Herausforderung einer kleinen Verwaltungsbehörde“, meint Seelands Bürgermeisterin. „Und diese Hürde ist ohne die Digitalisierung nicht zu schaffen.“ Daher entschloss sich die Stadt Seeland, der Kommunalen IT-Union beizutreten, um einen starken und fachkundigen Partner an ihrer Seite zu haben. Damit verbundene Aufgaben und Herausforderungen sind beispielsweise die Implementierung eines Dokumentenmanagementsystems und die Einführung der E-Rechnung. Im Rahmen der Konsolidierungsbemühungen hofft die Stadt auf Einspareffekte und eine Reduktion des Verwaltungsaufwandes durch den effektiven Einsatz entsprechenden IT-Anwendungen. „Um diesen Einsatz zu verwirklichen, hoffen wir auf die Kompetenzen aller Mitglieder der KITU, und sind froh, ein Teil dieser Gemeinschaft zu sein.“

Gudrun Oelze

INFO

Zur Stadt Seeland
gehören die Ortsteile:

Friedrichsaue – geprägt durch landwirtschaftliche Produktion und Feldbau.

Frose – als ältester Ortsteil, dessen Stiftskirche zur Straße der Romanik gehört.

Gatersleben – wo das Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) seinen Sitz hat.

Stadt Hoym/Anhalt – der größte Ortsteil, war einst Residenzstadt des Fürstentums  Anhalt-Bernburg-Hoym. Das dortige Schloss dient heute Menschen mit Behinderung als Heimstatt.

Nachterstedt – zwischen 1842 und 1990 war Nachterstedt Mittelpunkt des Braunkohleabbaus der Region. Heute hat die Verwaltung der Stadt Seeland in Nachterstedts Rathaus ihren Sitz.

Schadeleben – mit dem nahen Hakel, einem Laubmischwaldgebiet, das als internationales Vogelgebiet unter Naturschutz steht.