Stadtsee Staßfurt
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69. Ausgabe, 2. Quartal 2018

Staßfurt – für die digitale Zukunft gerüstet

Staßfurt und Salz – beide gehören seit Jahrhunderten zusammen. Diese langen salzigen Traditionen werden jetzt mit dem Bau eines Salzwerkes neu belebt. Einen „wirtschaftlichen Paukenschlag für die Region“ nannte Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Armin Willingmann das Vorhaben der polnischen Ciech Group, die in Staßfurt neben dem geschichtsträchtigen Sodawerk nun auch eine ganz neue Fertigungsstätte für hochreine Siedesalzprodukte bauen will. „Damit wird das Salz zurück nach Staßfurt geholt“, freut sich Oberbürgermeister Sven Wagner, die Stadt als historischer Ort für die Gewinnung von Salz und Salzproduktion aufgewertet und seine geschichtliche Bedeutung in die Zukunft getragen.

Sven Wagner, Oberbürgermeister
Sven Wagner, Oberbürgermeister

Salzgeschichte wird in Staßfurt nicht erst seit 1852 geschrieben, als dort der Steinsalzbergbau begann und „Bittersalz“ den Namen der Stadt als Wiege des Kalibergbaus weltweit bekannt machte. Doch richtig salziges Salz gewann man dort schon viel eher. Die beiderseits der Bode natürlich zutage tretenden Salzstellen waren so ergiebig, dass Staßfurt als Salzstadt weit über die Region hinaus Bedeutung hatte.

Wie die einstigen „Salzgäste“ finden auch heutige Besucher in Staßfurt interessante salzige Angebote bei Kultur, Tourismus, Freizeit und Gastronomie. So begeistert das Salzlandtheater mit seinem großen Saal im Bauernbarock sowie dem Tilly-Saal mit einer sehenswerten Renaissancedecke immer wieder Kulturinteressierte und Künstler. Badelustige erholen sich gern in Staßfurts schon 1929 eröffnetem Strandsolbad, in Mitteleuropa nach wie vor einziges Natursolebad unter freiem Himmel, dessen klares Wasser salziger als das der Nordsee ist. In einem der ältesten Gebäude der Stadt, dem einstigen Haus eines reichen Salzgrafen aus dem 17. Jahrhundert, wird die Geschichte von Salz und Bergbau erzählt. Sie verhalf Staßfurt zu so viel Reichtum und Ansehen, dass es zu Blütezeiten reicher als Hamburg gewesen sein soll, brachte seiner historischen Mitte aber auch den Untergang im wahrsten Sinne des Wortes, als sich über unterirdischen Hohlräumen der Boden metertief absenkte, Häuser und Türme in Schieflage gerieten. Direkt unter der Stadt, die Kaiser Karl 806 erstmals urkundlich erwähnte und der kaiserliche Feldmarschall Tilly während des Dreißigjährigen Krieges nach harten Verhandlungen mit dem damaligen Bürgermeister vor einer Zerstörung bewahrte, bildeten sich auf einem Gebiet von rund 200 Hektar Größe riesige Hohlräume. Der sich dadurch bis zu sieben Meter absenkende Boden führte zunächst zu Rissen an Häusern und Türmen, die dann immer mehr einsanken. Mehr als 800 Häuser kamen in Staßfurt so auf die städtebauliche Verlustliste durch Bergbauschäden.

Diese leer geräumte Schneise diagonal durch die Altstadt wurde mit der Internationalen Bauausstellung „Stadtumbau 2010“ als „verlorene Mitte“ neu gestaltet. Mit dem Stadtsee, einer  Kirschbaumwiese, dem einstigen Kirchengrundriss mit „heiligem Rasen“ und den ehemaligen Märkten bewahrt diese Landschaft dort, wo einst prächtige Bauten standen, ebenso wie ganz in der Nähe das Bergmannsdenkmal und Relikte der weltweit ersten Kali-Schachtanlagen, die Erinnerung an eine große wirtschaftliche Blüte der Stadt.

Seine weitere digitale Zukunft will Staßfurt mit Hilfe der Kommunalen IT-UNION gestalten. „Für meine Verwaltung und mich ist ein kompetenter und seriöser Ansprechpartner in allen Belangen der Digitalisierung inzwischen unabdingbar – den Beitritt zur KITU erachte ich also nur als folgerichtig. Die Digitalisierung der Kommune, die Umsetzung der neuen Datenschutz-Grundverordnung und die Einführung der digitalen Rats- und Gremienarbeit sind nur einige von vielen Aufgaben, die uns kurzfristig vor Herausforderungen stellen werden. Im Schulterschluss mit der KITU sehe ich meine Verwaltung bestens unterstützt“, betont Oberbürgermeister Sven Wagner.

Autor: Gudrun Oelze

Staßfurt

Fast zeitgleich mit dem Kalibergbau kam 1857 die Eisenbahn nach Staßfurt. Originale Zeugen der Dampflok-Ära pflegt ein Verein im mehr als hundertjährigen preußischen Bahnbetriebswerk. Die umfangreiche Fahrzeugsammlung bietet einen repräsentativen Querschnitt über mehrere Jahrzehnte Zugverkehr auf den Strecken der Magdeburger Börde. Am traditionsreichen Standort der mitteldeutschen Rundfunk- und Fernsehgeräteindustrie bewahren „Freunde der Staßfurter Rundfunk- und Fernsehtechnik“ historische Geräte vor dem Vergessen. Zur Sammlung des Vereins gehören Apparate u.a. aus der Radiofabrik der dreißiger, dem „Stern-Radio“ der fünfziger Jahre und dem „VEB Fernsehgerätewerke“.