69. Ausgabe, 2. Quartal 2018

Zurück zum starken Wir-Gefühl

KITU will den Kommunen Sicherheit in der digitalen Transformation geben

Drei Mitglieder – ein Ziel. Als die Kommunale IT-UNION eG (KITU) 2009 gegründet wurde, war die Frage wer mit wem in welchem Zeitraum wohin will, glasklar. Die Landeshauptstadt Magdeburg, der Kommunale IT-Dienstleister KID Magdeburg GmbH und die kleine Gemeinde Barleben zeigten, dass kleine und große Kommunen in der Genossenschaft erfolgreich kooperieren, die Nachfrage bündeln und bei Einkauf, Beratung und Projekt-Umsetzung auf die Expertise des IT-Spezialisten KID setzen konnten.

v.l.n.r. Dr. Michael Wanderleb, Marcel Pessel und Jan Petereit
v.l.n.r. Dr. Michael Wanderleb, Marcel Pessel und Jan Petereit; Foto: © KID

Das waren drei, vereint im starken Wir-Gefühl. Der Erfolg sprach sich herum und initiierte Wachstum: Inzwischen hat die KITU 59 Mitglieder – Städte, Gemeinden, Landkreise, Zweckverbände sowie die SIKOSA e.V. 59 Mitglieder mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Erwartungen an ihre Genossenschaft. Das WIR-Gefühl ist nicht mehr so stark, doch auf dem Weg der Digitalisierung ist die fruchtbringende und von Vertrauen geprägte Zusammenarbeit wichtiger denn je, um die komplexen Zukunftsaufgaben zu bewältigen.

„Die KITU will bei der Digitalisierung der Sparringspartner der Kommunen sein“,

sagt KITU-Vorstand und KID-Geschäftsführer Dr. Michael Wandersleb, „für uns war Anfang 2017 der Zeitpunkt gekommen, uns zu hinterfragen, um unsere Ziele neu abstecken, unsere Rollen schärfen und den genauen Weg bestimmen zu können, damit wir langfristig dieser Partner sein können.“ Dazu musste die Genossenschaft herausfinden, wo ihre Miteigentümer stehen und was ihnen wichtig ist.

„Das ist nicht so einfach, wie es klingt, denn schon in der einzelnen Gemeinde gibt es dazu bei Bürgermeistern, Hauptamtsleitern und IT-Administratoren oft unterschiedliche Auffassungen“,

weiß Jan Petereit, der neben der Kundenbetreuung bei der KID ab sofort den KITU-Vorstand bei der Kommunikation mit den Kommunen unterstützt.

„Je größer die Genossenschaft, desto mehr Sichtweisen gibt es“,

ergänzt KITU-Vorstandsmitglied Marcel Pessel. Um bei allen Unterschieden zum starken Wir-Gefühl zurück zu finden, braucht es eine neue Strategie.

Auf freiwilliger Basis wurden Arbeitskreise gebildet und die Position mit wissenschaftlichen Methoden bestimmt. Die SIKOSA Beratungsgesellschaft mbH mit Geschäftsführer Professor Dirk Furchert wurde beauftragt, die Stimmungs- und Problemlage zu ergründen. Er und vier weitere Interviewer sind durch das Land gereist und haben in den Rathäusern Interviews geführt: Wie wird der Stand der IT-Ausstattung eingeschätzt, welche Handlungsfelder werden gesehen, wie ist der Blick auf das Thema Digitalisierung, womit sind Entscheider in den Kommunen zufrieden und womit unzufrieden, welche Erwartungen haben sie an die KITU und vieles mehr.

Das mit einem Fragebogen zum Ankreuzen abzufragen, wäre ein Leichtes gewesen. Doch um es leicht zu nehmen, dazu ist das Anliegen zu bedeutsam. „Uns war es wichtig, nicht nur herauszufinden, was in Bezug auf ein einzelnes Thema im operativen Geschäft gedacht wird, sondern auch was politisch gedacht wird“, erklärt Furchert.

Was bei den Befragungen herauskam, scheint zum Teil zunächst paradox: Die Punkte, bei denen die größte Zufriedenheit herrscht, sind zugleich die Punkte, bei denen es die größte Unzufriedenheit gibt:  das sind die Themen Leistungskompetenz, Projektmanagement und Reaktionsfähigkeit. Prof. Dirk Furchert sieht die Gründe darin, dass die Kommunen auf dem Feld der Digitalisierung sehr unterschiedlich unterwegs sind:

Prof. Dirk Furchert
Prof. Dirk Furchert, Foto: © sikosa e.V.

„Für manche ist IT ein Werkzeug, das störungsfrei funktionieren muss, für andere ist die Digitalisierung eine große Chance und ein Prozess, der unsere Arbeits- und Lebenswelt tiefgreifend umwandelt.“

Auf der einen Seite gibt es die Angst vor Risiken und Überforderung und auf der anderen Visionen, wie Kommunen mit Hilfe der Digitalisierung strategisch entwickelt werden können.  

„Es war wichtig, das zu erkennen, damit die KITU ihre Mitglieder jeweils dort abholen kann, wo sie stehen“, erklärt Furchert. Das Thema Breitband sei in den Rathäusern und bei den Bürgern angekommen, Digitalisierung und E-Government jedoch noch nicht. Technisch sei vieles längst möglich, aber praktisch kaum vorhanden.  So haben viele ein Druck- und Kopierkonzept umgesetzt, die E-Akte steckt dagegen noch in den Kinderschuhen. Furchert denkt beispielsweise daran, dass alle An- und Abmeldungen (Wohnort, Auto, Gewerbe, Kita-Platz, Schule der BAföG-Antrag, Geburt und Sterbefall) online ohne persönliches Erscheinen und unabhängig von Öffnungszeiten angezeigt und eingetragen werden könnten. „Die Mitarbeiter hätten mehr Zeit, um anders mit den Bürgern zu arbeiten“, sagt Furchert, „andere Länder sind da weiter.“ Er sieht Digitalisierung als eine Voraussetzung, um zum Beispiel Wege aus dem Verkehrsdilemma zu finden und mehr Teilhabe der Bürger zu ermöglichen.

Die KITU wolle in diesem Prozess Partner sein, die Genossenschaft erbringe dafür Vorleistungen, um das Know-how bereitstellen zu können. „Doch das funktioniert nur, wenn die Mitglieder diese Leistungen dann auch in der Genossenschaft in Anspruch nehmen“, betont Furchert, deshalb sei es wichtig, die Mitglieder wieder näher an die Genossenschaft heranzuführen. Von den Kommunen wird die KITU vor allem in der Rolle des Vernetzers, Beraters und Dienstleisters gesehen, diesen Anforderungen immer besser gerecht zu werden, ist erklärtes Ziel.

„Mit der Mitarbeit in den Arbeitskreisen hat sich das Denken bereits verändert“, stellt Marcel Pessel fest. „Wichtig ist es, das Vertrauen zu stärken und mit einer gemeinsamen Sprache zu sprechen, die nicht nur IT-Administratoren verstehen“, ergänzt Jan Petereit. Strategisches Ziel sei es, „den Kommunen Sicherheit in der digitalen Transformation“ zu geben, erklärt Dr. Michael Wandersleb.

Autor: bek