77. Ausgabe, 2. Quartal 2020

Die Geschichte der Pandemien

Immer wieder wurde die Menschheit von Seuchen schwer gebeutelt. Im Laufe der Geschichte suchten Seuchen meist ohne Vorwarnung die Menschheit heim – darunter Grippe, Pest und Cholera, Ebola und AIDS. Wir erzählen die Geschichte der großen Seuchen.

Seuchen und Epidemien begleiten die Menschheit offenbar von Anbeginn. Forscher konnten Seuchen bereits vor Beginn unserer Zeitrechnung nachweisen. Laut Wikipedia datiert die erste nachgewiesene Menschheitspandemie aus der Zeit, als in Ägypten Šuppiluliuma I. und Muršili II. sowie Amenophis III herrschten. Das war in der 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts vor unserer Zeit. Bis heute ist offen, wie viele Menschen ihr zum Opfer gefallen sind. Obwohl man keinen Erreger finden konnte, wird vermutet, dass es sich um die Pest gehandelt haben könnte. Mit ersten Opferzahlen können Seuchenforscher im Zusammenhang mit der „Attischen Seuche“ aufwarten, die zwischen 430 und 426 vor Christus allein in Athen 75.000 bis 100.000 Opfer kostete. Das war ein Drittel der damaligen Bevölkerung.

Syphilis
Neben der Pest wütete bis ca. 1550 auch die Syphilis in Europa. Sie war neu auf dem Kontinent und wurde wahrscheinlich von den Westindischen Inseln im Zuge von Christoph Kolumbus’ erster Reise eingeschleppt.

Cholera
Etwa 600 vor Christus wurde in Indien über erste Cholera-Fälle berichtet. Jahrtausende schlummerte das Cholera-Bakterium im Delta des Ganges. Dort kam es immer wieder zu verlustreichen Ausbrüchen. Eine Ausbreitung von Indien nach Europa aber fand erstmals im Verlauf des 19. Jahrhunderts durch russische Truppen statt. Sechs große Seuchenwellen in beinahe allen europäischen Ländern waren bis 1923 die Folge. Stets durch militärische Aktionen, zum Beispiel größere Truppenverschiebungen. In Deutschland schreibt man der Cholera 500.000 Tote zu. 1854 findet der Londoner Arzt John Snow den Erreger im Trinkwasser – es ist die Geburtsstunde der modernen Bakteriologie. Der letzte große Cholera-Ausbruch in Deutschland datiert auf das Jahr 1892, als in Hamburg und Umland 8.600 Menschen sterben. Erst die von Robert Koch massiv geforderten Investitionen in saubere Wasser- und Abwasserleitungen nahmen der Epidemie den Schrecken.

Grippe
Die wahrscheinlich erste Virusgrippe wurde 1889/90 als „Russische Grippe“ ermittelt. Sie forderte weltweit bis zu eine Million Opfer und ist möglicherweise zurückzuführen auf das Pferde-Influenza-Virus A/H3N8. Mit der sogenannten „Spanischen Grippe“ infizierten sich zwischen 1918 und 1920 weltweit 500 Millionen Menschen. Es gab zwischen 27 und 50 Millionen Tote. „Patient Nummer 1“ war ein amerikanischer Soldat, der sich im Camp Cansas mit einer Grippevariante von Geflügel angesteckt hatte. Durch die engen Verhältnisse im Soldatencamp infizierten sich Tausende, die die Grippe dann auf die Schlachtfelder des 1. Weltkriegs brachten. Hier hatte das Virus leichtes Spiel, sich zu verbreiten. Da auf der Seite der Briten auch Inder kämpften, nahmen diese nach Kriegsende den Erreger mit nach Hause. In Indien forderte es 18 Millionen Tote, knapp fünf Prozent der Bevölkerung. Es war die opferreichste Pandemie der Menschheitsgeschichte. Später folgten die Asiatische Grippe (1957 - 1958 mit weltweit 2 Millionen Toten), die Hongkong-Grippe (1968 - 1970 mit weltweit 1 Million Opfern) und die Russische Grippe (1977/78 mit rund 700.000 Opfern) sowie die vorerst letzte große Grippewelle 2017/2018 mit geschätzten 25.100 Tote in Deutschland.

AIDS
Bis heute forderte die Immunschwächekrankheit AIDS über 30 Millionen Tote, in Deutschland etwa 27.000. Der Ursprung des Virus liegt wahrscheinlich bei Affen in den Urwäldern Afrikas. In den frühen 80er Jahren wurde das Human Immunodeficiency Virus (HIV) als verantwortlicher Erreger identifiziert. Seit 1996 gibt es ein Medikament, das zwar nicht heilt, die Krankheit aber stoppt.

Ebola
Die tödlichste Krankheit unserer Tage wurde erstmals 1976 in Zaire (seit 1997 Kongo) entdeckt. Die fast immer schwer verlaufende Infektion geht mit Fieber und Blutungen (hämorrhagisches Fieber) einher. Weitere Ausbrüche gab es von 2014 bis 2016 in Westafrika mit über 11.000 Toten. 2018 bis 2020 kam es im Kongo und in Uganda zu bisher über 2.200 Opfern.

COVID-19
Die seit langem größte und weltumspannende Pandemie der Neuzeit nahm am 17. November 2019  in der chinesischen Millionenstadt Wuhan ihren Anfang. Dort soll das Virus SARS-CoV-2 auf den Menschen übergesprungen sein. Das hochansteckende Virus verursacht eine Atemwegserkrankung, die beim Menschen auf wenig Antikörper trifft. Vor allem ältere, übergewichtige und vorerkrankte Menschen trifft es schwer. Am 11. März 2020 erklärte die WHO die Ausbreitung des Virus zur Pandemie. Bis heute gibt es kein Gegenmittel. Offiziell wurden am 1. Juni 2020 weltweit 5 Millionen Corona-Infektionen mit ca. 333.000 Todesfällen gemeldet.

Autor: juj