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Foto: scanrail©123rf.com

69. Ausgabe, 2. Quartal 2018

Wie das Internet zur Massenware wurde

Ein Streifzug durch die noch nicht sehr lange Geschichte des WWW

Ein Leben ohne Internet ist für heutige Generationen undenkbar. Doch es gab vor nicht einmal einer Generation auch Zeiten, wo einzig in Büchern und Zeitschriften, auf Magnetbändern oder Schallplatten, in Bilderalben oder Archiven Wissen und Bilder zu finden waren. Wie der „Eisprung“ des Internets für Jedermann vonstatten ging, erzählt dieser Beitrag.

Natürlich ist das Internet schon älter als 25 Jahre. Doch genau am 30. April 1993 wurde am Kernforschungszentrum Cern in Genf der entscheidende Knopf gedrückt und das Netz konnte zu dem werden, was es heute ist: Das wichtigste Kommunikationsmittel der Menschheit. Unter der Regie des Internet-Pioniers Tim Berners-Lee wurde damals der öffentliche Zugang zu HTML-Dokumenten über Datenleitungen freigegeben. Erst mit diesem Schritt war das Internet wahrlich international. Berners-Lee war damals fest davon überzeugt, dass dieses Internet die Menschen  freier, informierter und unabhängiger in ihren Entscheidungen werden lässt. Zuletzt bedauerte der Forscher aber in Interviews immer wieder, dass es mit der Freiheit im Netz nicht mehr weit her ist.

Doch noch einmal zurück zu den Anfängen des Internets. Am Anfang war das Arpanet. So nannte sich ein Projekt  der Advanced Research Project Agency (ARPA) des US-Verteidigungsministeriums von 1969. Es wurde zur Vernetzung von Universitäten und Forschungseinrichtungen benutzt. Ursprünglich sollten damit die knappen Rechenkapazitäten der teuren Großrechner sinnvoller genutzt werden. Die Computer waren untereinander zwar verbunden, doch die verwendeten Protokolle waren unzuverlässig. Vint Cerf und Bob Kahn entwickelten 1973/1974 eine frühe Version von TCP, um andersartige Netze miteinander zu verbinden.

Die wichtigste Applikation in den Anfängen war die E-Mail. 1971 überstieg das Gesamtvolumen des E-Mail-Verkehrs das gesamte Datenvolumen des Arpanets. 1981 wurden die Arpanet-Protokolle auf das Internet Protocol umgestellt – der Name „Internet“ war geboren. Doch erst mit dem 1984 entwickelten DNS wurde es möglich, auf der ganzen Welt Rechner mit von Menschen merkbaren Namen anzusprechen.
Das Internet verbreitete sich zunächst über die Universitäten der USA, später auch darüber aus. 1990 beschloss die US-amerikanische National Science Foundation, das Internet kommerziell nutzbar zu machen. Das war so-zusagen der „Auftrag“ für Tim Berners-Lee, am CERN die Grundlagen des World Wide Web zu entwickeln.

Berners-Lee war zu diesem Zeitpunkt ein junger, unbekannter britischer Informatiker. Selbst seine Vorgesetzten in Genf glaubten nicht an den Erfolg von Berners-Lee Vorstellung der Massentauglichkeit „Vage, aber spannend“, sollen sie seinen Vortrag im März 1989 kommentiert haben. Doch Berners-Lee blieb seiner Linie treu und suchte weiter nach einer einheitlichen, aber flexiblen Computersprache, die auf jedem Rechner (egal von welchem Hersteller) funktioniert. Sein Hauptziel war zunächst, dass jeder am Cern arbeitende Physiker von jedem anderen Ort aus mit nur einem Mausklick auf gemeinsame Dokumente, Bilder und Informationen zugreifen kann. Auch der Versand und Empfang von Daten war ihm wichtig. Seine Kollegen aber hatten die Nützlichkeit nicht im Sinn. Bis Berners-Lee eine List umsetzte: Er stellte das Telefonverzeichnis des Cern „online“.

Die erste Online-Datenbank der Weltgeschichte begeisterte selbst den letzten Skeptiker im Nachbarbüro. Statt dem Sortieren der Visitenkartenberge und dem Blättern in dicken Telefonverzeichnissen genügte nun ein Klick.

Für Berners-Lee war es ein Durchbruch. Schon wenige Tage darauf veröffentlichte er sein Programm „World Wide Web“ im Internet. Noch war die Zahl der vernetzten Computer klein, doch spätestens mit der Veröffentlichung des ersten grafikfähigen Webbrowser namens Mosaic 1993 änderte sich das. „Mosaic“ gab es zum kostenlosen Download und ermöglichte die Darstellung von Inhalten des WWW. Vorreiter waren AOL und dessen Software-Suite, die das Internet zum Massenphänomen machten.

Bald wurde der IP-Adressraum knapp, weshalb immer wieder Nachfolgeprotokolle entwickelt werden mussten. So wurde bereits im Dezember 1995 die erste Spezifikation von IPv6 veröffentlicht. Heute sind Milliarden Menschen via Internet miteinander verbunden. Mit Social-Media-Plattformen wie Facebook, Twitter oder YouTube trat das bidirektionale Austauschen von Inhalten unter den Nutzern in den Vordergrund, allerdings jetzt auf zentralen, abgeschlossenen Plattformen und praktisch ausschließlich durch Nutzung eines Webbrowsers.

Ob Web 2.0 mit  Audio- und Videoeinbindung im Internet oder das „Internet der Dinge“, welches Technologien anbietet, die den direkten Anschluss von Geräten, Maschinen, Anlagen und Systemen an das Netz erlauben; das Netz entwickelt sich rasant weiter.
Berners-Lee, der Geburtshelfer, hatte mit seiner Idee kein kommerzielles Interesse. Im Gegenteil, er verzichtete sogar auf ein Patent. Er wollte, dass sich das Web frei zugänglich schnell verbreitet. Sein Plan ging zwar auf,  doch die zunehmende Überwachung des Netzes durch Konzerne und Regierungen sieht er höchst kritisch: „Der uneingeschränkte Zugang zum Internet  muss als ein Menschenrecht anerkannt werden.“ Vor allem fürchtet er Überholspuren im Netz, die denen geöffnet werden, die dafür bezahlen. Und er warnt alle davor, ihre persönlichen Daten eben nicht leichtfertig Facebook oder Google anzuvertrauen.

 

Autor: juj