Zeitreise auf 16 Seiten

80. Ausgabe, 1. Quartal 2021

Zeitreise auf 16 Seiten

Vor 20 Jahren erschien die erste Ausgabe des SERVER – mit Themen wie aus einer weit entfernten Welt

„Regionale Kundenzeitschrift für Informationstechnologie“ lautete im Januar 2001 der Untertitel des Magazins Server. Die Zeit war wohl noch nicht reif für das heute allgegenwärtige Kürzel „IT“. Zum Schmunzeln regt die Auswahl „nützlicher Webseiten“ oder die Angst an, dass man bei vier Millionen Internetadressen mit „.de“-Endung schon bald keine mehr abbekommt. Die von Beginn an regionale Ausrichtung des Magazins hat die gewünschte Wirkung entfaltet. Der Leserkreis reicht heute in die Region und darüber hinaus.

1. Ausgabe des SERVER 2001

Je älter man wird, desto interessierter schaut man zurück. Gern genommen sind Fotos aus der Kindheit. Sie machen Erinnerungen plastisch und liefern die Bilder für das Kopfkino. Nach 20 Jahren kann man durchaus erstaunliche Unterschiede ausmachen. Auch in der Historie einer Zeitschrift, die gegen den Strom schwimmt. Während die Individuen der Welt zunehmend egoistischer werden, publiziert das Magazin die Binsenweisheit von einer Gemeinsamkeit, die stark macht. Globalisierung hin oder her – der Nachbar aus Haldensleben ist eher im Team akzeptiert als der Mann aus Miami. Der kann ja zur Not auch mit einer Prise Salz oder drei FFP2-Masken aushelfen. Das liest sich gleich im ersten Text des ersten Server heraus.

Roman Krajinski, Gründungsgeschäftsführer der KID, zitiert im „Editorial“ der Stunde null Friedrich Schiller: „Immer strebe zum Ganzen. Und kannst Du selber kein Ganzes werden – als dienendes Glied schließ an ein Ganzes Dich an.“ Und weiter argumentiert Krajinski, dass „Kleine stark werden, weil sie sich zusammentun können, ohne ihre Freiheit aufzugeben.“ Wahrscheinlich hatte er beim Formulieren dieser Sätze eine Glaskugel neben sich, in der schon so etwas wie eine IT-Genossenschaft der Kommunen schemenhaft zu erkennen war.

Angebote an die Nachbarschaft
In ihrem ersten Server lässt die KID keinen Zweifel daran, wohin die Reise gehen soll; nämlich in die Region. Der „Übergang zur Wissens- und Informationsgesellschaft“ sei „nicht bloß eine Herausforderung, sondern auch eine Chance“, resümiert Krajinski. Bereits auf den Seiten 5 und 6 („Was, bitteschön, ist eigentlich KID“) wird die Katze aus dem Sack gelassen: Die „Kommunale Informationsdienste Magdeburg GmbH“ lässt an den neuen Technologien gern auch alte Weggefährten teilhaben. Rechenzentrum, Server-Park mit angeschlossenen 25 zentralen Servern, 3.000 Personal Computer, Drucker und andere Endgeräte sowie moderne Datennetze sind nicht gemacht, um eingemauert zu bleiben, sondern um Stadtmauern zu überwinden. Man sei bereit, „neue Aufgaben anzugehen“, lädt „zusätzliche Anwender für das Rechenzentrum“ ein, um „Synergieeffekte zu erschließen“ und will neue Software für kommunale Anwender austüfteln.

Doch es soll noch zehn Jahre dauern, ehe mit Barleben die erste Kommune die Einladung annimmt. Gemeinsam gründet man 2010 mit der KITU die Kommunale IT-UNION in der Gesellschaftsform einer Genossenschaft.

Auf der ganz großen Bühne
Auf Seite 7 der Erstlingsausgabe berichtet der Server stolz von der KID-Teilnahme an der CeBIT 2000, die mit 830.000 Besuchern gerade einen neuen Rekord aufgestellt hatte. Am Stand der Siemens Business Service GmbH präsentierte die KID aus Magdeburg der Welt von morgen zwei Produkte – den „Standortatlas“ und die „virtuelle Kreisverwaltung“. Was damals als neuester Schrei gehypt wurde, gibt es zwar heute immer noch, heißt aber anders und ist natürlich schneller, größer und effizienter geworden. Man nennt es „Webkis“ bzw. „virtuelles Rathaus“. Es ist Alltag und nichts Weltbewegendes mehr.

Über die Probleme bei der Umstellung von der Karteikarten- zur Online-Verwaltung ließ sich Detlev Lehmann, Landrat im Jerichower Land, interviewen. Das Jerichower Land war damals als Modellprojekt ausgewählt und sollte „Bürgernahe Verwaltung online“ ausprobieren. In einer Zeit, in der nicht einmal jeder zweite Bürger einen eigenen PC hatte und das erste iPhone gerade einmal zwei Jahre auf dem Markt war, galt es zwar, Verwaltungsprobleme online schneller und wirtschaftlicher zu organisieren, sie aber gleichsam für jeden auch ohne PC weiter zu ermöglichen. Vieles hat sich seitdem verändert, unverändert aber blieb die Vorreiterrolle des Jerichower Landes.

Webadressen im Wandel der Zeit
Der Server-Redaktionsbeirat legte von Beginn an Wert darauf, neben fachlich fundierter Information über die IT-Welt im Allgemeinen oder dem Angebot der KID im Besonderen auch zu unterhalten. Mit „Nützliche Adressen“ hatte der „Server“ 2001 eine ganz aufregende Rubrik, in der Leser mit der virtuellen Nase auf interessante Websites gestoßen wurden. Die Erstfolge stellt 20 Jahre später die Schnelllebigkeit der Zeit unter Beweis. So wird unter www.teleinfo.de/deutsch/onl_srv.html „ein brauchbarer Routenplaner“ für „Geschäft und Privat mit großem Nutzen“ vorgestellt. Heute gibt’s unter dem Link DSL-Tarife. www.englishtown.de wurde 2001 noch gratis für die Überprüfung der eigenen Englischkenntnisse empfohlen. Die Adresse gibt es noch, doch sie dient der kommerziellen Vermittlung von „zertifizierten Lehrern“ – die ersten 14 Tage gratis. Und auch das Computer-Wörterbuch www.networds.de hat sich der allgemeinen Entwicklung angepasst. Heute wird man direkt auf werweiss.de umgeleitet; eine 2016 gegründete Ratgeber-Community mit Sitz in Sheridan/Wyoming.

Durchaus unterhaltsam auch ein kurzer Beitrag unter der Schlagzeile „Adress-Schwierigkeiten“, in dem der Autor die Probleme beklagt, die man hat, um für eine neue Internetadresse einen Namen zu finden, der noch nicht belegt ist. Im Februar 2001 vermeldete der DIHT-Informationsdienst „erstmals mehr als vier Millionen Internetadressen mit der Endung .de.“ Heute gibt es allein unter dieser Kennung 15,56 Millionen Domains, weltweit sogar 349 Millionen mit allen möglichen Endungen – die überwiegende Mehrheit aber mit .com, .cn (China) und .tk (Tokelau) am Ende.

Bunte Handys und schwarze Schafe
„Gute Internet-Zukunft“ war ein Beitrag überschrieben, in dem die Bitkom erfreut resümierte, dass sich die Zahl der Handys in Deutschland 2000 auf 24 Millionen mehr als verdoppelt habe. Die Entwicklung blieb weiter rasant, denn Ende 2019 waren es bereits rund 141 Millionen (plus sechs Millionen zu 2018). Die Zahlen bezogen sich auf SIM-Karten und beinhalteten sowohl Mobilfunkverträge als auch Prepaid-Anschlüsse und SIM-Karten, die für die automatische Kommunikation zwischen Maschinen (M2M) genutzt wurden.

Noch relativ jungfräulich war 2001 auch die Onlineforschung. Der Markt der webbasierten Marktforschung war sogar so neu, dass der Server sich bemüßigt fühlte, ein paar Empfehlungen für die Suche nach „guten Instituten für Onlineforschung“ abzugeben. Offenbar gebar die Boombranche gerade jede Menge schwarze Schafe. Und da man derlei Tipps zu jeder Zeit gut gebrauchen kann, wiederholen wir sie an dieser Stelle gern noch einmal:

- Fragen Sie das Institut nicht nur nach seinen Erfahrungen im Onlinebereich, sondern auch in der klassischen Marktforschung.
- Setzen Sie Masse nicht mit Klasse gleich.
- Prüfen Sie die Mitgliedschaft des Institutes im Verband Deutscher Marktforscher.
- Prüfen Sie die Einhaltung der Datenschutzbestimmungen.
- Erkunden Sie sich, wie oft die Panelteilnehmer befragt werden und wie hoch das Honorar ist.
- Erkundigen Sie sich, wie Mehrfachbefragungen verhindert werden und ob die Adressen der Teilnehmer auf Plausibilität geprüft sind.

juj