Was macht eigentlich der QR-Code?
© panthermedia.de | rangizzz

60. Ausgabe, I. Quartal 2016

Was macht eigentlich der QR-Code?

... und warum wirbt der Server noch damit?

2012 ging er ab wie Schmidts Katze – der QR-Code schien nicht zu bremsen. Überall, wo sich noch ein Eckchen fand, prangte das Pixel-Quadrat provokant und schrie: „Scanne mich!“ Ob Plakatwand oder Tasse, Wasserflasche oder T-Shirt, Visitenkarte oder Zeitung – jedes Unternehmen, das sich modern und besonders digital präsentieren wollte, nutzte jede Gelegenheit, QR-Codes ins Marketing einzubinden. Und heute? Kaum jemand hat noch eine QR-Scanner-App auf dem Handy. Woran liegt das? Und warum, um Himmels willen, macht der Server heute auf der Titelseite mit einem QR-Code auf?

Nochmal:

Obwohl wir immer noch und an unglaublich vielen Orten QR-Codes entdecken, sieht man kaum jemanden, der mit seinem Smartphone davorsteht und das Ding scannt. Na, mal Hand aufs Herz: Wann haben Sie das letzte Mal ...?

Nun gut, diese Antwort war zu erwarten. Sie haben, wie wir alle, den QR-Code schon einige Male ausprobiert. Weil Sie gelesen haben, dass er angeblich das perfekte Bindeglied zwischen dem realen Leben und der digitalen Welt ist. Nun, das muss man ja mal selbst testen.

Doch dabei haben auch Sie entdeckt, dass der Code meist nur mit einer URL hinterlegt war und auf die Homepage eines Unternehmens verwies. Schnell haben Sie bemerkt, dass Sie gar keinen Code brauchen, um auf die Website, sagen wir der kid-magdeburg.de, zu kommen. Möglicherweise war die URL ohnehin direkt neben dem QR-Code aufgeführt. So erwiesen sich in der Regel QR-Codes als überflüssig, denn sie brachten Ihnen als Nutzer ja keinen Mehrwert. Verschiedene Untersuchungen von Hochschulen belegen, dass gerade einmal 30 bis 35 Prozent der deutschen Bevölkerung wissen, worum es sich bei einem QR-Code überhaupt handelt und wie er zu bedienen ist. In einer fünf Jahre älteren Studie testete die US-Marketing-Agentur Archrival bei über 500 Studenten an 24 amerikanischen Hochschulen, ob sie einen QR-Code überhaupt erfolgreich scannen können. Nur rund 22 Prozent brachten das zustande. Die verbleibenden 78 Prozent entschuldigten ihr Versagen mit ernüchternden Aussagen wie: „versucht, aber aufgegeben“, „dachte fotografieren würde einscannen“, „wollte App nicht herunterladen“ oder „dauert zu lang“.

Neben technischen Hürden (welcher der vielen Dutzend im App Store oder bei Google Play angebotenen  QR-Code-Reader ist überhaupt der Richtige und funktioniert perfekt) ist es vor allem die inflationäre Nutzung ohne Strategie und Nutzen, die uns Verbraucher abschreckt. Je häufiger QR-Codes lediglich auf Firmen- oder Produktseiten verlinken, desto geringer wird die Motivation der ‚QR-aktiven’ Kunden. Ihnen
fehlt es schlicht an Anreizen und fesselnden Inhalten.

Dabei könnten QR-Codes eine Menge Mehrwert leisten.

Man kann dahinter Datenmengen und Informationen verstecken, die auf anderen Wegen zu kompliziert zu kommunizieren sind. Links auf elend lange Homepages, zu Videos, Kontaktdaten, Geodaten, Telefonnummern, ja sogar Textpassagen lassen sich codieren – aber genau darin liegt auch das Problem. „Hintergrundinformationen“, die nutzlos sind, schrecken ab. Eine kurze und prägnante URL ist schneller ins Smartphone getippt als durch einen komplizierten Scanvorgang gefunden.

Auch die Botschaft selbst kann sich als ungeeignet für ein QR-Code-Scannen erweisen. Wer stellt sich schon gerne vor eine Plakatwand, auf der für Hämorrhoiden-Salbe oder ein Mittel gegen Fußpilz geworben wird, um gelassen den Code einzuscannen, der eventuell den Weg zu weiteren Informationen öffnen könnten?

Erfolgreich werden QR-Codes heute immer dann eingesetzt, wenn sie echten Mehrwert bietet. Zum Beispiel eine Statistik oder Studie, die das Informationsbedürfnis stillt, oder ein originelles Video zum Thema. Wer den Code eines Produkts aus einem Online-Shop scannt, möchte es auch direkt kaufen können. Beispielhaft hat dies die Supermarktkette Tesco umgesetzt, die in einer U-Bahn einen Online-Supermarkt installierte. Auf den riesigen Plakatwänden können die Menschen die QR-Codes der Artikel scannen, sie in einen virtuellen Warenkorb legen und kaufen. Geliefert wird direkt oder nach Vereinbarung.

Nachahmenswert auch die Idee der Stadt Stuttgart, QR-Codes auf Promigräbern anzubringen, um den Besuchern Informationen über den Verstorbenen an Ort und Stelle liefern zu können. Nützlich auch der in neuen Mercedes-Benz-Pkws angebrachte QR-Code, der Rettungskräften eine Rettungskarte für jeden Fahrzeugtyp auf das Display liefert. Inklusive aller Infos, um Verletzte rasch zu retten.

Auch in Tourismus und Kultur können QR-Codes eine Menge leisten.

Besucher am Holocaust-Mahnmal in Berlin können z.B. über einen QR-Code die Uraufführung des Eröffnungskonzertes verfolgen und sich dann frei im Denkmal bewegen, um den Klangerlebnissen zu lauschen.

Bei der Berlin-Wahl 2014 wurden QR-Codes sogar zum Hacking genutzt. Auf das Wahlplakat der Berliner FDP-Politikerin Alexandra Thein (Wahlslogan „Liebe kennt keine Grenzen“) klebten „Vandalen“ neben dem Parteilogo einen QR-Code. Der Barcode aber führte nicht auf das Wahlwerbevideo der Politikerin, sondern auf einen Film mit viel gezeigter Nacktheit, der im Netz unter demselben Slogan „Liebe kennt keine Grenzen“ firmiert.

Smartphonenutzung  © PantherMedia | prykhodov

Zukunftsträchtig indes die Idee des Berliner Steinmetz ...

... Stefan Hermann, der 2015 auf dem Friedhof an der Eythstraße neben dem klassischen Grabstein eine Stele mit QR-Code für einen Verstorbenen stellte. Der Code führt in eine Art digitalen Erinnerungsraum. Theoretisch wäre auch eine Verlinkung auf das ehemalige Facebook- oder Twitter-Profil des Toten denkbar. Die Extra-Stele für den Code hat Hermann dem Auftraggeber dringend ans Herz gelegt: „Wenn der QR-Code aus der Mode kommt und dann direkt auf dem Grabstein ist, kann man ja den ganzen Stein vergessen.“ Dann schon lieber analoges und digitales Gedenken trennen.

Das ist weit gedacht, denn noch ist dem QR-Code ein Platz im modernen Kommunikations-Mix eines mittelständischen Unternehmens sicher. Erst recht dort, wo die Möglichkeiten, die uns die moderne Technik bietet, eben sinnvoll eingesetzt werden. Dann wird ein QR-Code auch tatsächlich als das genutzt, was es im Wortsinn ja auch ist: ein Quick Response Element.

Zukunftsträchtig ist der neue GiroCode, das z.B. die Kreissparkasse Börde und die Gemeinde Barleben ihren Kunden bzw. Bürgern anbietet. Die Gemeinde verschickt dabei Rechnungen mit einem aufgedruckten GiroCode, egal ob digital oder in Papierform. Dieser QR-Code macht das Überweisen für den Bürger deutlich komfortabler: Mit der Funktion „QR-Code einlesen“ in der Mobile-Banking-App scannt man nur den GiroCode. Dadurch werden automatisch alle Daten in das Überweisungsformular übertragen: Empfänger, IBAN, BIC, Betrag und Verwendungszweck. Der Bürger gibt anschließend nur noch seine Überweisung wie gewohnt mit einer TAN frei. Mit dem GiroCode  spart man sich das mühsame Abschreiben von Überweisungsdaten und vermeidet so unnötige Fehler – ein echter Mehrwert.

Die neue Internetseite unseres IT-Magazins Server kann man natürlich auch über den QR-Code auf der Titelseite der Printausgabe erreichen.

Allerdings ist die URL www.server-lesen.de so prägnant, dass man ihn nicht unbedingt braucht. Was die neue Seite aber bietet, ist jede Menge Mehrwert, die das Gedruckte nicht zu leisten vermag: Mehr Bilder, mehr Hintergründe, mehr Archivbeiträge, mehr Lesevergnügen überall dort, wo man Muße dafür findet.

Der User dürfte sich dank der klaren Rubrizierung ohnehin schnell zurechtfinden: Ob Titel-Themen oder KID-Praxis, Aus der KITU oder Themen rund ums Internet, Interviews oder Ausflugstipps, Streiflichter oder Glosse – wer suchet, der findet. Garantiert.

Autor: juj

Interessante Artikel zu diesem Thema:

» Tipps für den Einsatz von QR-Codes